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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Rückblick auf 5 Jahre Diabetesmanagement mit dem Freestyle Libre

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Seit November 2014 nutze ich das iscCGM-System Freestyle Libre aus dem Hause Abbott und bin damit quasi eine Anwenderin der ersten Stunde. Das System war damals ein echter „Game Changer“ für mich und mein Diabetesmanagement, wie man auf Neudeutsch so schön sagt. Ich habe diese Zeit mit ihren Höhen und Tiefen, Erfahrungen und Erkenntnissen nun einmal Revue passieren lassen.

Kinners, wie die Zeit vergeht! Nun ist es bereits über fünf Jahre her, dass ein am Arm aufgeklebter Knopf mein Leben mit Diabetes verändert hat. Schon seit Anfang 2014 gab es in der Community Gerüchte, die Firma Abbott werde ein neues Glukosemesssystem herausbringen, eine Art „CGM light“. Die Spannung war groß – und dann im Oktober schaltete Abbott endlich seinen Online-Shop frei, in dem man Starterpakete mit Lesegerät und zwei Sensoren bestellen konnte. Zunächst auf eigene Rechnung, denn das Freestyle Libre (FSL) war noch keine Kassenleistung.

Echte Innovation, aber mit Startschwierigkeiten

Es folgte ein Ansturm, der die Produktionskapazitäten überstieg. Neukunden hatten über Monate das Nachsehen, bis Abbott endlich alle beliefern konnte, die ihre Glukosewerte lieber als Kurven auswerten wollen. Ich hatte zum Glück rechtzeitig meine erste Bestellung abgeschickt und war von den Lieferengpässen deshalb nicht betroffen. Zum Glück sage ich deshalb, weil die kontinuierliche Glukosemessung für mich wirklich ein echter sogenannter „Game Changer“ war. Eine echte Innovation also, die mein Leben mit Diabetes deutlich erleichtert hat. Kurvenverläufe sind nun einmal viel aussagekräftiger als einzelne Messwerte. Trendpfeile helfen bei der Einschätzung, ob ich meinem Blutzucker in Kürze entweder mit Traubenzucker oder mit Insulin auf die Sprünge helfen sollte. Das ist insbesondere beim Sport ein Segen, aber auch in allen anderen Situationen, die meinen Glukoseverlauf stärker beeinflussen als es der gewöhnliche Alltag tut.

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Ich muss nur einmal im Jahr ein Rezept einreichen, dann erhalte ich jedes Quartal eine solche Lieferung

Kostenerstattung für das Freestyle Libre

Umso glücklicher war ich, dass meine Krankenkasse die Vorteile des Systems rasch erkannte. Die Techniker nahm es erst gegen Vorlage eines Privatrezepts und dann als Satzungsleistung in ihren Leistungskatalog auf. Und das alles vor der offiziellen Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der eigentlich über den GKV-Leistungskatalog entscheidet. Die Entscheidung der Techniker spart mir seither (abzüglich meiner Zuzahlung) knapp 3.000 Euro im Jahr ein. Dahinter steckt natürlich auch ein ganz anderes Kalkül: Wer mit dem FSL gut versorgt ist, ist vermutlich weniger geneigt, ein rtCGM-System zu beantragen, das die Krankenkasse deutlich teurer zu stehen kommt.

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Viele Nutzer vertragen die Klebstoffe nicht, mit denen die Sensoren auf der Haut haften (Foto: Pixabay)

Hautreaktionen an den Klebestellen

Je mehr Menschen das FSL nutzten, umso häufiger war im Netz allerdings auch von negativen Begleiterscheinungen zu lesen. Ich persönlich bin davon zum Glück nicht betroffen, doch viele Nutzer haben mit zum Teil massiven Hautreaktionen an den Klebestellen des Sensors zu kämpfen. So etwas wirft natürlich Fragen auf. Etwa nach der Produkthaftung des Herstellers, der die Sensoren immerhin im Direktvertrieb ohne Zwischenschaltung einer Apotheke verkauft. Und auch nach den verwendeten Klebstoffen im Pflaster oder anderen möglicherweise allergieauslösenden Bestandteilen der Sensoren. Leider glänzte der Hersteller Abbott in diesem Punkt nicht unbedingt durch Transparenz. Auch andere Sensorenhersteller halten sich bezüglich der Zusammensetzung ihrer Klebstoffe eher bedeckt.

Smartphone-App sticht Lesegerät

Der nächste Schritt, den ich als Erleichterung empfunden habe, war die Einführung der Smartphone-App, mit der sich der Sensor auslesen lässt. Denn das FSL-Lesegerät ist nun wirklich kein besonders ausgefeiltes technisches Accessoire. Während Android-Nutzer schon länger Erfahrungen mit der App sammeln konnte, war es für Apple-User erst im Februar 2018 soweit: Seither kann ich mit einem NFC-fähigen iPhone statt mit dem Lesegerät meine Werte auslesen und muss nicht mehr zwingend mein Lesegerät mit mir herumtragen. Außerdem ist das Eintragen von Kohlenhydraten, Insulineinheiten und Sport in der App deutlich komfortabler als auf dem Lesegerät.

Zweite Generation mit optionalen Alarmen

Mittlerweile ist seit gut einem Jahr das FSL2 auf dem Markt. Wer sich für einen Vergleich von FSL1 und FSL2 interessiert, kann hier nochmal meinen ausführlichen Testbericht nachlesen. Dank seiner Alarme bei hohen bzw. niedrigen Glukosewerten unterscheidet es sich nun nicht mehr allzu sehr von rtCGM-Systemen wie Dexcom, Enlite oder Eversense. Entsprechend wurde das Freestyle Libre 2 Mitte 2019 auch als rtCGM-System ins Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen. Ich persönlich hätte die Alarme zwar nicht zwingend gebraucht. Glücklicherweise spüre ich niedrige Glukosewerte rechtzeitig selbst, und tagsüber scanne ich meine Werte häufig genug um Ausreißer nach oben ebenfalls rasch zu bemerken. Deshalb finde ich es gut, dass ich die Alarme ggf. auch komplett deaktivieren kann.

Vergleich FSL blutig

Bei mir stimmen FSL-Messwerte und Blutzuckerwerte meist gut überein

Für mich weiterhin das ideale System

Ich bin nach wie vor ganz überwiegend zufrieden mit dem FSL. Sofern ich den Sensor erst ca. einen Tag nach dem Setzen aktiviere, liefert er bei mir für die gesamte Tragedauer plausible Messwerte. Wenn ich gelegentlich mit einer blutigen Messung gegenchecke, unterscheidet sich der Wert meist nur um wenige Punkte vom Sensormesswert. Der beim Quartalstermin in der Diabetespraxis ermittelte HbA1c-Wert weicht bei mir seit Jahren um maximal 0,1 Prozent von dem Wert ab, den mir das FSL prognostiziert. Für mich kommt ein Umstieg auf ein anderes CGM-System nicht in Betracht, denn ich weiß gerade die einfache Handhabung beim FSL zu schätzen. Da ich weder eine Insulinpumpe trage, noch „loope“, brauche ich kein CGM-System, das mit einer Insulinpumpe gekoppelt werden kann. Meine Haut verträgt die Sensoren prima. Ich muss nur selten Sensoren bei Abbott reklamieren, weil sie vorzeitig ihren Geist aufgeben oder anderweitig Probleme bereiten. Bislang hat mich der Kundendienst dabei immer freundlich und entgegenkommend behandelt. Das FSL passt offenbar also in jeder Hinsicht perfekt zu mir.

Andere Nutzer haben erhebliche Probleme

Meine persönliche Zufriedenheit macht mich trotzdem nicht blind für diverse Probleme, die es mit dem FSL geben kann. So gibt es nach wie vor keine Lösung für diejenigen Nutzer, die mit massiven Hautreaktionen auf die Sensoren reagieren. Gleiches gilt für die Anwender, bei denen der Sensor ab der zweiten Woche fehlerhafte – meist falsch niedrige – Werte anzeigt. Von denen scheint es eine ganze Reihe zu geben, wie man in einer Mitteilung von Diatec Weekly von kurz vor Weihnachten 2019 nachlesen kann. Ich verfolge diese Diskussionen sehr aufmerksam, denn ich möchte natürlich, dass andere Nutzer ebenso vom FSL profitieren können wie ich.

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Der kleine Lebkuchenmann unten rechts zeigt das noch aktive Restinsulin an – im Lesegerät, aber leider nicht in der App

Ideen zur Verbesserung der App

Auch zur Datendokumentation beim FSL mache ich mir immer wieder mal ein paar kritische Gedanken. So erschließt sich mir nicht, warum man die Alarme nicht parallel bzw. wahlweise auf dem Lesegerät und dem Smartphone empfangen kann. Ich persönlich aktiviere einen neuen Sensor immer zuerst mit dem Lesegerät und dann mit dem Smartphone. Nur auf diese Weise ist es mir möglich, auch das Lesegerät zum Scannen zu nutzen. Denn während ich im Alltag das Smartphone zum Auslesen meiner Werte bevorzuge, finde ich beim Sport das Lesegerät deutlich praktischer, wie ich hier schon einmal ausführlich beschrieben habe. Weiterhin würde ich mir wünschen, dass man blutige Messungen auch in der App eintragen kann, sodass sie auch – entsprechend als blutiger Messwert gekennzeichnet – im Glukoseverlauf erscheinen. Außerdem fände ich es sinnvoll, wenn sich die Daten aus dem Lesegerät und die aus der Smartphone-App in einer gemeinsamen Software integrieren ließen. Daneben fände ich es auch gut, wenn in der App – wie auch im Lesegerät mit seinem kleinen „Lebkuchenmann“ – das noch aktive Insulin angezeigt würde. Eigentlich fallen mir bei jeder Umfrage zur Kundenzufriedenheit von Abbott ein paar Sachen ein, die sich aus meiner Sicht optimieren ließen. Ich nehme also immer brav teil und hoffe, dass ein paar meiner Vorschläge zu den entscheidenden Stellen vordringen.

Übrigens ist just dieser Tage ein Update der LibreLink App herausgekommen. Abbott verspricht, dass sich mit dem Update die Messgenauigkeit noch einmal verbessert. Außerdem könne man die Glukosealarme auch im „Nicht-Stören Modus“ empfangen, um immer vor wahrscheinlich auftretender Hyper- oder Hypoglykämie gewarnt zu sein. Das waren zwar keine Punkte von meiner persönlichen Wunschliste, doch die Neuerungen schaden sicherlich nicht. 🙂

 

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