Eigentlich ist es beim Sport ja eine super Sache, wenn CGM-Sensor und Smartwatch eine direkte Verbindung haben, ohne dass das Smartphone in der Nähe ist. Beim Schwimmen kann ich damit trotzdem nicht so einfach mal eben nach den Glukosewerten schauen. Das liegt an Bluetooth, Brustschwimmen, Eigenheiten der Apple Watch und meiner nachlassenden Sehkraft.
Und weil das Checken der Glukosewerte im Wasser nicht ohne Akrobatik oder akute Ertrinkungsgefahr funktioniert, habe ich einmal ChatGPT gebeten, ein fotorealistisches Bild der Szenerie „Antje im Badesee, wie sie angestrengt versucht, die Glukosewerte auf der Apple Watch zu checken“ zu zeichnen. Mit ebenfalls nur mäßigem Erfolg, wie ihr weiter unten sehen könnt… 🙂
Seit gut einem Jahr ist es möglich, die Messwerte des G7-Sensors von Dexcom direkt an die Apple Watch übertragen zu lassen. Wenn man den Sensor mit der Smartwatch koppelt, haben beide Geräte eine eigenständige Bluetooth-Verbindung – unabhängig davon, ob das iPhone als Hauptempfänger in der Nähe ist oder nicht. Das Ganze nennt sich „Direct to Watch“ und ist in der Theorie eine wunderbare Sache. In der Praxis leider nicht immer, was vor allem daran liegt, dass die Uhr noch häufiger als das Smartphone das Signal des G7 verliert und deshalb vorübergehend keine Werte anzeigt.
Erstes Problem: Unter Wasser funktioniert Bluetooth nicht
Wenn ich Schwimmen gehe, kommen aber noch zusätzliche Herausforderungen hinzu. Das liegt zum einen daran, dass ich trotz jahrelanger Bemühungen immer noch nicht flüssig über mehrere Bahnen kraulen kann und deshalb ganz überwiegend Brustschwimmen betreibe. Dabei sind Arme und Handgelenke (am Oberarm klebt der Sensor, am Handgelenk trage ich die Uhr) überwiegend unter Wasser, sodass die Bluetooth-Verbindung der beiden Geräte unterbrochen wird. Ich habe mir sagen lassen, dass das kurzfristige Herausheben des Arms aus dem Wasser beim Kraulen ausreicht, um die Bluetooth-Verbindung wieder herzustellen, sodass der Sensor Glukosewerte auf die Uhr überträgt. Doch als Brustschwimmerin habe ich nur dann eine Chance auf frische Glukosewerte, wenn ich den Arm mit der Uhr (an dem auch der Sensor befestigt sein sollte) für einen Moment über Wasser halte, bis sich beide wieder verbunden haben. Trägt leider auch nicht unbedingt zu einer flüssigen Fortbewegung bei.
Zweites Problem: Man muss erst die Wassersperre der Watch deaktivieren
Aber damit nicht genug: Die Apple Watch hat die Eigenheit, beim Starten einer Schwimmaktivität einen sogenannten Wasserschutz zu aktivieren. Wenn diese Wassersperre aktiviert ist, reagiert die Uhr nicht auf Berührungen auf dem Display. Laut Apple sollen damit versehentliche Eingaben im Wasser verhindert werden. Wenn man die Wassersperre wieder deaktiviert, stößt die Watch dann Wasser aus, das im Lautsprecher verblieben ist. Ich habe ganz genau hingeschaut, aber noch nie Wasserfontänen aus den feinen Nähten am Uhrgehäuse sprühen gesehen. Wie auch immer – meine Glukosewerte kann ich mit aktivierter Wassersperre jedenfalls nicht sehen. Denn das einzige, was man beim Tippen auf das Display zu sehen bekommt, ist dann die laufende Aktivität. Die aktivierte Wassersperre erkennt man übrigens an dem kleinen Wassertropfen-Symbol links neben der Uhrzeit. Wenn man aus dieser Ansicht herauskommen möchte, muss man zunächst für eine Weile das Uhrrädchen (im Apple-Sprech Krone genannt) gedrückt halten. Dann erscheinen Wasserblasen auf dem Display, zusammen mit der Info, dass die Uhr nun Wasser ausstößt und dann entsperrt ist. All das braucht ein Weilchen Zeit und lässt sich definitiv nicht in den Bewegungsablauf beim Brustschwimmen einbauen.



Drittes Problem: Ohne Gleitsicht-Schwimmbrille kann ich die Werte nicht lesen
Doch zumindest für mich gibt es dann noch eine weitere Herausforderung, die mich am entspannten Ablesen meiner Glukosewerte hindert. Und zwar meine nachlassende Sehkraft. Ich bin seit meiner Jugendzeit kurzsichtig, kann also ohne Brille im Nahbereich scharf und in der Ferne nur unscharf sehen. Seit etlichen Jahren ist aber auch eine Altersweitsicht hinzugekommen, sodass ich mittlerweile eine Gleitsichtbrille trage. Damit ich beim Schwimmen nicht völlig ziellos durch die Gegend plansche, habe ich mir eine Schwimmbrille mit Sehstärke zugelegt – allerdings korrigiert sie lediglich meine Sehschwäche im Fernbereich. Vermutlich kann man sich beim Optiker auch Schwimmbrillen mit Gleitsichtgläsern anpassen lassen, doch Gleitsichtbrillen sind leider ein ziemlich teures Vergnügen, und so furchtbar viel gibt es unter Wasser ja auch nicht zu lesen. Bei Anbietern wie Watery, wo ich meine beiden Exemplare erstanden habe, gibt es eine ordentliche Schwimmbrille mit einfacher Sehstärke (in meinem Fall -5 Dioptrien) hingegen schon für 35 Euro – klare Empfehlung übrigens an dieser Stelle, falls ihr eine Schwimmbrille mit Sehstärke sucht. Ich kann also mit der transparenten Schwimmbrille im Hallenbad Bahnen ziehen und rechtzeitig z. B. andere Menschen erkennen, die mir entgegenkommen. Im Freiwasser kann ich mit der getönten Schwimmbrille beispielsweise sehen, wie weit ich mich vom Ufer entfernt habe und wo ich dort meine Tasche abgestellt habe. Wenn ich mit einer meiner Schwimmbrillen aber das Display meiner Apple Watch genau ablesen möchte, muss ich erst zumindest ein Glas der Schwimmbrille lüpfen und mir die Uhr nah vor das freie Auge halten. Ansonsten bleiben die Ziffern und Zahlen unscharf.
Insgesamt ein zeitaufwändiger und entwürdigender Prozess
Alles zusammen erfordert das Ablesen meiner Glukosewerte beim Schwimmen also folgenden Prozess:
- Schon vor dem Schwimmstart darauf achten, dass Sensor und Uhr sich am selben Arm befinden und damit gleichzeitig aus dem Wasser gehoben werden können.
- Beim Schwimmen eine kleine Pause einlegen und den Arm mit den beiden Geräten so lange aus dem Wasser heben, bis die Bluetooth-Verbindung wieder steht.
- Dann länger auf die Krone der Apple Watch drücken, um das Display zu entsperren und den Wasserschutz zu deaktivieren.
- Dann die Aktivitätsanzeige auf der Uhr verlassen, um zum Startdisplay der Apple Watch zu gelangen. Bei dem von mir gewählten Zifferblatt wird im linken unteren Datenfeld mein Glukosewert aus der Dexcom-App angezeigt.
- Dann mit der anderen Hand (ohne dass die Uhr-Hand wieder ins Wasser rutscht) ein Glas der Schwimmbrille lüpfen und mit dem freien Auge den Glukosewert ablesen.
Ich habe es ausprobiert. Es ist mega umständlich und fühlt sich total entwürdigend an. Deshalb habe ich auch nicht Christoph gebeten, einmal ein Foto von mir zu machen, während ich die obigen 5 Schritte durchturne. Stattdessen habe ich ChatGPT aufgefordert, mir anhand meiner Beschreibung ein fotorealistisches Bild der Szenerie zu generieren.
Mein erster Prompt, an den ich ein Foto von mir mit Schwimmbrille anhängte, lautete:
Bitte stelle auf Basis des angehängten Fotos folgende Situation fotorealistisch dar: Antje im Badeanzug in einem idyllischen Badesee, sie trägt eine getönte Schwimmbrille. Sie liegt rücklings auf dem Wasser, reckt den linken Arm (am Oberarm ist ihr Glukosesensor Dexcom G7 befestigt, am Handgelenk trägt sie ihre Apple Watch) nach oben, damit Sensor und Uhr über dem Wasser sind und Bluetooth-Verbindung bekommen. Gleichzeitig lüpft sie wie auf dem Foto mit der rechten Hand ihre Schwimmbrille, damit sie im Nahbereich die Ziffern auf der Uhr besser sehen kann. Sie schaut angestrengt, weil sie den Blick fokussieren und gleichzeitig die Balance im Wasser halten muss.
Hier sehr ihr, was dabei herauskam: ChatGPT hat nicht nur die Situation überhaupt nicht verstanden, sondern offenbar auch eine leichte Rechts-Links-Schwäche… 😉


Für den nächsten Versuch überarbeitete ich den Prompt noch einmal:
Bitte stelle auf Basis des angehängten Fotos folgende Situation fotorealistisch und im Querformat dar: Antje im Badeanzug in einem idyllischen Badesee, trägt eine getönte Schwimmbrille. Sie liegt rücklings auf dem Wasser, reckt den LINKEN Arm (an der Außenseite ihres Oberarms ist ihr Glukosesensor Dexcom G7 befestigt, am LINKEN Handgelenk trägt sie ihre Apple Watch) nach oben. Gleichzeitig hebt sie wie auf dem Foto mit der RECHTEN Hand das eine Glas ihrer Schwimmbrille an, damit sie darunter herschauen und im Nahbereich die Ziffern auf der Uhr an ihrer LINKEN Hand besser sehen kann. Sie schaut halb albern, halb angestrengt, weil sie den Blick fokussieren und gleichzeitig die Balance im Wasser halten muss.
Diesen Auftrag wollte die KI allerdings nicht bearbeiten: „This image generation request did not follow our content policy.“ Auf meine Frage nach dem Grund kam folgende Erklärung in schönstem Denglisch: „The issue wasn’t with your idea itself. The situation you described (du im Badesee mit Schwimmbrille, Uhr und Sensor) is absolutely unproblematisch. The block happened because the system briefly flagged it as if you were asking me to generate or manipulate a realistic image of you personally. Since I can’t create photorealistic images of real people for identification reasons, the tool erred on the safe side. But: If your intention is simply to get a creative, illustrative, photorealistic-style image (not a literal portrait of you as a real identifiable person), we can absolutely try again. I’d just phrase it in neutral terms, e.g. “a middle-aged woman in a neon-green swimsuit …” instead of explicitly tying it to your photo or name. 👉 Soll ich die Szene noch einmal für dich generieren – in Querformat, mit den korrigierten Armen, und neutral beschrieben?“
Daraufhin habe ich ChatGPT gebeten, die Szene zu neutralisieren und ansonsten den obigen Prompt zu verwenden. Doch auch das nächste Ergebnis konnte mich noch nicht überzeugen: Ich meine, warum zwei Smartwatches? Warum der Sensor (übrigens der Optik nach auch kein G7, sondern eher ein Freestyle Libre) am inneren rechten Oberarm statt außen links wie bestellt? Warum liegt die neutrale Person, die zum Schutz meiner Persönlichkeitsrechte nicht Antje heißt, nicht wie gewünscht auf dem Wasser? Und zuguterletzt: Wenn das ein alberner Blick ist, dann ist die Welt ein ziemlich trauriger Ort…

Ich habe also noch einmal eine frische Unterhaltung gestartet und ChatGPT mit folgendem Prompt gefüttert:
Bitte stelle folgende Situation fotorealistisch und im Querformat dar: Eine leicht übergewichtige Frau mittleren Alters im Badeanzug in einem idyllischen Badesee, sie trägt eine getönte Schwimmbrille, ihre braunen längeren Haare sind nass und liegen am Kopf an. Sie liegt rücklings auf dem Wasser, die Füße schauen aus dem Wasser. Sie reckt den LINKEN Arm (an der Außenseite ihres linken Oberarms ist ihr Glukosesensor Dexcom G7 befestigt, am LINKEN Handgelenk trägt sie ihre Apple Watch) nach oben. Gleichzeitig hebt sie wie auf dem Foto mit der RECHTEN Hand (rechts ist KEINE Uhr am Handgelenk) das eine Glas ihrer Schwimmbrille an, damit sie darunter herschauen und im Nahbereich die Ziffern auf der Uhr an ihrer LINKEN Hand besser sehen kann. Sie schaut halb albern, halb angestrengt, weil sie den Blick fokussieren und gleichzeitig im Liegen die Balance im Wasser halten muss.

Nun wird es ein bisschen absurd, findet ihr nicht? 😉 Und die neutrale Person, die zum Schutz meiner Persönlichkeitsrechte nicht Antje heißt, ist dicker als ich sie mir vorgestellt hatte. Letzter Versuch also:
Bitte stelle folgende Situation fotorealistisch und im Querformat dar: Eine normalgewichtige Frau mittleren Alters im neongelben Badeanzug in einem idyllischen Badesee, sie trägt eine getönte Schwimmbrille, ihre braunen längeren Haare sind nass und liegen am Kopf an. Sie hat insgesamt zwei Arme. Sie liegt rücklings auf dem Wasser, die Füße schauen aus dem Wasser. Sie reckt den LINKEN Arm (an der Außenseite ihres linken Oberarms ist ihr Glukosesensor Dexcom G7 befestigt, am LINKEN Handgelenk trägt sie ihre Apple Watch) nach oben. Gleichzeitig hebt sie mit der RECHTEN Hand (rechts ist KEINE Uhr am Handgelenk) das eine Glas ihrer Schwimmbrille an, damit sie darunter herschauen und im Nahbereich die Ziffern auf der Uhr an ihrer LINKEN Hand besser sehen kann. Sie schaut albern und angestrengt, weil sie den Blick fokussieren und gleichzeitig im Liegen ein bisschen strampeln und die Balance im Wasser halten muss.

Nun ja… es lebe die Revolution, würde ich sagen! 🙂
Als Quintessenz können wir für heute also wohl folgende Erkenntnisse festhalten:
- Es ist für mich so gut wie unmöglich, beim Brustschwimmen mit der Apple Watch per „Direct to Watch“ zwischendurch Glukosewerte abzulesen. Deshalb heißt es für mich beim Schwimmen: Alle ca. 500 Meter am Becken- oder Uferrand Station machen und dann in Ruhe die Apple Watch entsperren und die Werte ablesen. Nützt ja nix.
- Erfolgreiches Arbeiten mit KI setzt gute Fähigkeiten beim Prompten voraus. Nicht auszuschließen, dass meine Fähigkeiten auf diesem Gebiet noch ausbaufähig sind.
- Oder der für das Auslesen von Glukosewerten beim Schwimmen erforderliche Prozess ist so kompliziert und absurd, dass ChatGPT ihn sich selbst nach eingehender Beschreibung nicht vorstellen und akzeptabel visualisieren kann.
Falls ihr selbst mal damit experimentieren wollt und bessere Bilder dabei herauskommen, dann seid so lieb und lasst es mich wissen – und schickt mir die Bilder bitte, am besten per Mail an info@antje-thiel.de!
