Süß, happy und fit

Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes


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Viva la Bürokratie – über den Irrsinn von Papierrezepten und Folgeverordnungen für Verbrauchsmaterial

Wieso muss ich eigentlich für jedes Folgerezept, mit dem mir Verbrauchsmaterial wie Nadeln für meine Insulinpens verschrieben werden, persönlich in meiner Diabetespraxis erscheinen? Wieso muss mir das erste Rezept im Quartal vom Arzt persönlich überreicht werden? Und wieso muss die Apothekerin für die Abrechnung mit der Krankenkasse auf dem Rezept notieren, wie viele Nadeln ich pro Tag verbrauche?

Gesetzlich Versicherte in Schleswig-Holstein gehen pro Jahr im Schnitt 16,7 mal zum Arzt und liegen damit bundesweit an der Spitze, wie man in einer Meldung des Deutschen Ärzteblatts von April 2019 nachlesen kann. Generell sind die Deutschen in Sachen Arztkontakte pro Nase im internationalen Vergleich Weltmeister. Nachrichten dieser Art werden von den politischen Meinungsbildnern gern mit einem gewissen vorwurfsvollen Unterton vorgetragen. Quasi als Beleg dafür, dass wir Versicherten eine Anspruchshaltung haben, die sich nicht mit der Einnahmesituation der Gesetzlichen Krankenversicherung verträgt. Und dass wir offenbar keine anderen Hobbys als Besuche in der Arztpraxis haben. Ich wohne in Schleswig-Holstein, und eigentlich drängt mich nichts, derart häufig eine Arztpraxis aufzusuchen oder meinem Diadoc die Zeit zu vertreiben. Doch es bleibt mir gar nichts anderes übrig, wie ich heute mal wieder feststellen durfte. Weiterlesen


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Taddaaahhh! Nach vielen Jahren Abstinenz habe ich wieder einen Hausarzt!

Wenn es um die Gesundheitsversorgung anderer Leute geht, bin ich immer sehr dafür, dass sie einen Hausarzt haben. Einen Arzt also, der einen gut kennt und immer einen gewissen Überblick über alles behält, was bei einem Menschen so gesundheitlich los ist.

Nur für mich fand ich einen Hausarzt viele Jahre lang schlicht überflüssig. Die gesundheitlichen Baustellen, bei denen ich ärztlichen Rat brauche, gehören nicht zum Haus-, sondern zum Facharzt: mein Diabetes zum Diabetologen, meine gynäkologische Vorsorge zum Frauenarzt, der Check meiner vielen Leberflecken zum Dermatologen, die Netzhautuntersuchung zum Augenarzt. Wozu also noch einen Hausarzt zwischenschalten, der mir ohnehin nur eine Überweisung ausstellt zu genau dem Facharzt, den ich auch allein angesteuert hätte? Weiterlesen


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Diabetisches Fußsyndrom: Warum lassen manche Menschen ihre Füße beinahe verrotten?

Menschen mit Diabetischem Fußsyndrom gelten bei Ärztinnen und Ärzten als schwieriges Klientel: Sie begeben sich viel zu spät in Behandlung, halten sich nicht an ärztliche Ratschläge, tragen zu enge Schuhe und belasten ihre lädierten Füße. Wer mit dieser Erkrankung nicht vertraut ist, fragt sich schnell: Warum tun sie das? Beim diesjährigen Wundkongress in Bremen durfte ich zum ersten Mal einen Vortrag des Dortmunder Diabetologen Dr. Alexander Risse hören, der hierfür einige plausible Erklärungen gab.

„Wenn Sie beim Anblick eines diabetischen Fußes entsetzt gucken und sich fragen, wie in aller Welt dieser Mensch es soweit kommen lassen konnte – dann zeigt das, dass Sie keine Erfahrung im Umgang mit diesen Menschen haben.“ Mit diesen Worten begann am 8. Mai 2019 beim Bremer Wundkongress der Vortrag von Dr. Alexander Risse, Leiter des Diabeteszentrums im Klinikum Dortmund. Und schwupp fühlte ich mich ebenfalls angesprochen, obwohl sich sein Vortrag natürlich in erster Linie an Ärztinnen und Ärzte sowie Fachkräfte auf dem Gebiet der Wundbehandlung richtete. Weiterlesen


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Therapie und Beratung für Menschen mit Diabetes Typ F: Wer hinter der Berliner Praxis „Zucker im Kopf“ steckt

Vielleicht habt ihr es schon gesehen: Im aktuellen Diabetes Journal ist eine Doppelseite mit einem Interview aus meiner Feder zu lesen. Dafür habe ich mit Sandra Neumann (42) aus Berlin gesprochen, die den Diabetes quasi zu ihrem Beruf gemacht hat. In ihrer Praxis „Zucker im Kopf“ berät und behandelt sie Menschen mit Typ-1-Diabetes und ihre Angehörigen.

Ich kenne Sandra nun schon eine ganze Weile. Sie war eine der Mütter, die sich schon bei einem Workshop zum Thema Diabetes Typ F im Rahmen des T1Day 2016 in meine Liste eingetragen hatte. Damals hatte ich gerade damit begonnen, Familien und Paare zu suchen, die ich für mein Buch In guten wie in schlechten Werten interviewen könnte. Und tatsächlich machte ich mich später im Jahr 2016 auf nach Berlin, um Sandra und ihre beiden Kinder zu besuchen. Weiterlesen


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Schluss mit negativer Sprache – Warum wir auch in Deutschland eine Bewegung wie #LanguageMatters brauchen

Sie leben zu Tausenden mitten unter uns: schlecht eingestellte Diabetiker, denen es an Therapietreue mangelt und die deshalb einer Lebensstilintervention zugeführt werden müssen. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man auf Kongressen lauscht und in Fachpublikationen liest, mit welchem Vokabular Diabetesprofis im Gesundheitswesen über ihre Patientinnen und Patienten berichten. An diesem Sprachgebrauch muss sich dringend etwas ändern.

Eine alte deutsche Volksweisheit bringt es schön auf den Punkt: „Wähle deine Worte mit Bedacht – bedenke stets der Worte Macht!“ Doch wenn es um Diabetes geht, begegnet einem hierzulande leider oft ziemlich gruseliges Vokabular (mehr konkrete Beispiele findet ihr weiter unten im Text, also bitte tapfer bis zum Ende durchhalten). Die Diabetes-Communitys im englischsprachigen Raum sind in diesem Punkt eindeutig weiter. Sie sammeln unter dem Stichwort #LanguageMatters nämlich seit einigen Jahren Anregungen für eine Sprache, die Menschen mit Diabetes nicht diskriminiert und stigmatisiert. Weiterlesen


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In der Sprechstunde beim Diadoc auf’s Laufband – eine coole Idee!

Die Deutschen bewegen sich zu wenig. Sitzen ist das neue Rauchen. Bewegung wirkt effektiver als die meisten Medikamente. Undsoweiter. Schlagzeilen wie diese haben wir alle schon oft gelesen. Trotzdem kommt es viel zu selten vor, dass Ärzte ihre Patienten in Arztpraxen tatsächlich aktiv zu mehr Bewegung ermuntern und anleiten. Eine dieser Ausnahmen ist Hauke Groth, niedergelassener Diabetologe aus Rellingen bei Hamburg. Für eine Reportage in der Diabetes Zeitung und in der Blood Sugar Lounge habe ich ihn in seiner Praxis besucht.

Thomas Gundlach hat einen Termin in der Sprechstunde seiner Diabetespraxis. Dafür hat der 58-jährige Busfahrer, seit 17 Jahren Typ-2-Diabetiker und seit einigen Monaten insulinpflichtig, ein Muskelshirt, Turnschuhe und eine kurze Sporthose angezogen. Für seinen sportlichen Aufzug gibt es einen guten Grund: Wenn sein Diabetologe Hauke Groth ihn ins Sprechzimmer aufruft, dann bietet er ihm keinen Sitzplatz an. „Na, wollen Sie heute wieder auf’s Laufband?“, fragt der Arzt ihn stattdessen. Ja, Thomas Gundlach will sich lieber bewegen als sitzen, wenn er mit seinem Arzt am Bildschirm die von seinem Glukosesensor gesammelten Daten analysiert und über seine aktuellen Blutzuckerkurven und Insulindosen spricht. Und ich darf als Reporterin live dabei sein. Weiterlesen


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Online-Fragebogen zu Hautreaktionen und Kontaktallergien auf Glukosesensoren

Leute, hier gibt es eine Möglichkeit, der Wissenschaft zu helfen! Weil ich hier ja schon häufiger über Hautreaktionen auf das Freestyle Libre geschrieben habe, wurde ich von einer Ärztin (Allergieabteilung der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München) angeschrieben, die sich mit dem Thema Hautreaktionen und Kontaktallergien auf Glukosesensoren beschäftigt.

Meine Haut verträgt die Freestyle Libre-Sensoren ja zum Glück weiterhin anstandslos – da klopfe ich mal schön auf Holz. Wenn ihr aber mit solchen Problemen zu kämpfen habt, dann nehmt euch bitte knapp zehn Minuten Zeit und füllt den anonymen Online-Fragebogen zu diesem Thema aus. Christine Schönmann (Assistenzärztin der Klinik) und Prof. Knut Brocknow (Oberarzt Allergologie) versuchen nämlich derzeit, die Therapieoptionen bei Kontaktallergien auf Glukosesensoren wie FreeStyle Libre oder Dexcom und deren Aussicht auf Erfolg zu erfassen. Außerdem möchten sie die Erkenntnisse ihrer Arbeit an Patientinnen und Patienten weiterleiten und ggf. Einfluss auf die Hersteller ausüben.

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