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8 triftige Gründe, warum ich nicht mehr beim Hamburger Triathlon antreten werde

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Seit 2013 bin ich bis auf eine Ausnahme jedes Jahr beim Hamburger Triathlon angetreten. Ich muss zugeben: Ohne diese Veranstaltung wäre ich wohl nie angefixt worden und würde mich heute nicht für Triathlon interessieren. Doch die Abzocke bei diesem kommerziellen Groß-Event hat inzwischen Ausmaße angenommen, dass ich künftig keinen Startplatz beim Hamburger Triathlon mehr haben möchte.

Irgendwann gibt es den einen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Dieser Punkt war vor zwei Wochen bei mir erreicht, als ich beim Hamburger Triathlon in der Volksdistanz angetreten bin und mich mehrfach über die unverschämte Abzocke bei diesem Event geärgert habe.

Auch in den Vorjahren gab es immer wieder mal Momente, in denen ich mir gesagt hatte, dass man so ein kommerzielles Groß-Event eigentlich nicht länger unterstützen sollte. Und habe mich dann doch wieder ins Anmelde-Chaos gestürzt, kaum dass der Server für die Startplatzmeldungen freigegeben war. Doch dieses Jahr kamen ein paar Dinge zusammen, und nun reicht es mir einfach. Ganz generell bekommt man beim Hamburger Triathlon seit Jahren einfach kontinuierlich immer weniger für die happigen Preise geboten. Und es drängt sich der Eindruck auf, dass die Breitensportler nur als Füllmaterial genutzt werden: zum einen um die Kasse zu füllen, zum anderen damit der Veranstalter (die IRONMAN Germany GmbH) weiterhin mit dem Slogan „der weltgrößte Triathlon“ werben kann.

Folgende Punkte sind mir also dieses Jahr sauer aufgestoßen:

  1. Jedes Jahr ein bisschen teurer. Als ich 2013 meinen ersten Triathlon bestritten habe, kostete mich der Spaß 79 Euro. Plus Kosten für die Medaillengravur von 9 Euro. In dem Preis enthalten war übrigens ein Funktionsshirt, das man schon etliche Wochen vor dem Wettkampf zugeschickt bekam und auf dem stand „Training for Triathlon“. Das fand ich sehr cool (trage ich auch noch immer gern). Dieses Jahr kostete die Teilnahme an der Volksdistanz mich geschlagene 102 Euro – ein Trainingsshirt gibt es natürlich seit vielen Jahren nicht mehr. Die Medaillengravur schlug mit 15 Euro zu Buche, doch dazu später noch mehr. Natürlich ist es aufwändig, in Hamburg weite Teile der Innenstadt sperren und entsprechend absichern zu lassen. Klar, dass ein Startplatz hier teurer ist als irgendwo bei einem kleinen Provinz-Triathlon. Aber diese Preissteigerung ist für mich in keiner Weise nachvollziehbar.

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    Foto: Pixabay

  2. Medaillengravur: Höherer Preis, weniger Leistung. Manch einer belächelt mein Faible für diesen Service vielleicht. Doch mir hat es in den vergangenen Jahren immer gut gefallen, nach dem Zieleinlauf mit meiner Medaille zum Gravurstand zu gehen und mir dort meine Einzel- und Gesamtzeiten eingravieren zu lassen. Das ging immer recht fix, und schwupp konnte ich auf der Medaille nachlesen, wieviel Zeit ich für die Schwimmstrecke, in der ersten Wechselzone, auf dem Rad, in der zweiten Wechselzone und auf der Laufstrecke verbracht hatte. Natürlich mit meinem Namen und meiner Gesamtzeit. Dieses Jahr war die Organisation eine reine Katastrophe: Ich musste – müde wie ich nach dem Wettkampf war – eine knappe Stunde (!) am Gravurstand in der Schlange stehen. Und bekam dann lediglich meinen Namen und meine Gesamtzeit auf die Medaille graviert. In den Vorjahren ersetzte meine gravierte Medaille mir die Urkunde, dieses Jahr taugt sie dafür nicht (wie erwähnt hat sich der Preis für  diese schlechtere Leistung seit meinem ersten Triathlon von 9 auf 15 Euro erhöht).

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    Foto: Antje Thiel

  3. Duschen ohne Warmwasser. Wie in meinem letzten Beitrag geschrieben, war das Wetter am Triathlon-Wochenende in Hamburg eher etwas frisch. Schon auf der Radstrecke begann ich mich also auf eine warme Dusche zu freuen. Zusammen mit Beate spazierte ich nach dem Zieleinlauf also zum Athletendorf auf dem Gerhard-Hauptmann-Platz. Ich sah die lange Schlange zur Medaillengravur und beschloss, mich erst nach der warmen Dusche dort anzustellen. Das Umkleide-Zelt war heillos überfüllt, es kam mir vor, als sei es deutlich kleiner als noch im letzten Jahr. Wir legten unsere Sachen also draußen vor dem Duschcontainer ab, schnappten uns Duschgel und Handtuch und gingen zur Dusche. Einige Frauen, die uns entgegenkamen, warnten uns freundlicherweise vor: „Es gibt kein warmes Wasser!“ Ich bin nun wirklich kein Weichei, zum Wachwerden ist eine kalte Dusche auch echt eine feine Sache – doch in dieser Situation hat sie mich einfach nur wütend gemacht. Und der Ärger über die Sparversion der Medaillengravur im Anschluss hob meine Stimmung natürlich nicht.

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    Foto: Pixabay

  4. Kurzfristige Terminänderungen wegen TV-Übertragung. Dieser Punkt betraf nicht mich persönlich, dafür aber alle Starterinnen und Starter bei der Olympischen Distanz am Sonntag. Ursprünglich sollten sie ab 7 Uhr morgens starten – und Auswärtige hatten sich natürlich auf einen frühen Start eingestellt, ihre Hotels und Zug-/Flugverbindungen entsprechend gebucht. Ein paar Wochen vor dem Start hieß es auf einmal, der Start der Amateure werde auf den Nachmittag verlegt, weil morgens die Elite-Teams antreten sollten. Als Grund wurden Terminvorgaben der Fernsehsender genannt, die das Ereignis übertragen wollten. TV-Übertragungsrechte für die Elite haben natürlich Vorrang vor der Planung von etlichen tausend Amateuren – dabei machen genau die den Triathlon zum weltgrößten Ereignis seiner Art.

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    Foto: Pixabay

  5. Abzocke beim Early-Checkout. Die Wechselzone des Hamburger Triathlons ist tatsächlich gigantisch groß. Darin stehen enorm viele enorm teure Renn- und Zeitfahrräder. Außerdem gibt es so viele Startblöcke, dass sich die Wettkämpfe in der Summe ganz schön in die Länge ziehen, in der Wechselzone also immer etwas los ist. Daher ist es in meinen Augen durchaus nachvollziehbar, dass man als Athlet nicht nach Belieben in der Wechselzone herumlaufen und seine Sachen erst nach dem Wettkampf auschecken darf. Insofern ist es ohnehin schon befremdlich, dass man bei der Anmeldung – gegen 15 Euro extra – einen „Early Checkout“ buchen kann, mit dem man dann eben doch vorzeitig in die Wechselzone darf. Nun hatten etliche Leute, deren Start bei der Olympischen Distanz auf einmal um einen halben Tag nach hinten verschoben waren, natürlich Interesse an einem früheren Checkout. Vielleicht, um doch noch ihren Zug zu erwischen oder auch um einfach nicht mitten in der Nacht zu Hause anzukommen und am Montagmorgen völlig fertig im Büro zu erscheinen. Anstatt ihnen einen kostenlosen „Early Checkout“ zu ermöglichen – immerhin hatte der Veranstalter ja die geänderte Terminplanung zu verantworten – mussten sie nochmal blechen. Da saßen dann allen Ernstes Leute mit einer Geldkassette und knöpften den Leuten, die ohnehin schon vom Veranstalter gearscht waren, nochmal 15 Euro ab.

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    Foto: Antje Thiel

  6. Sparen an der Sicherheit. Am Samstag bei der Volksdistanz war der blaue Teppich noch in überwiegend gutem Zustand. Doch weil es geregnet hatte und halt schon ein paar tausend Athletinnen und Athleten nach dem Schwimmausstieg und in der Wechselzone darüber gerannt waren, hatte das Material an vielen Stellen gelitten. Am Sonntag bei der Olympischen Distanz hatte man an einzelnen Stellen deshalb ramponierten Teppich entfernt – aber nicht durch neuen Teppich ersetzt. Zum Beispiel in der zweiten Kurve unmittelbar nach dem Schwimmausstieg. Da fehlte auf einer Strecke von schätzungsweise 8 bis 10 Metern der Teppich. Ziemlich blöd, denn das ist genau der Punkt, wo die Leute meist beginnen, sich das Neopren vom Leib zu schälen und nicht 100 Prozent auf jeden Schritt schauen. Wozu auch, der Veranstalter hatte ja noch im Wettkampf-Video versprochen, dass der gesamte Bereich ab Schwimmausstieg bis in die Wechselzone, den man barfuß ablaufen muss, mit Teppich ausgelegt ist. In der besagten Kurve, die am Sonntag dann eben nicht mehr mit Teppich ausgelegt war, besteht der Rathausmarkt aus Kopfsteinpflaster. Material: irgendein ziemlich glatter Stein, verfugt mit ebenfalls sehr glattem Teer. Eine ziemlich rutschige Angelegenheit also. Wir beobachteten, wie die ersten die Schwimmstrecke hinter sich gebracht hatten – der schnellste Mann rutschte an dieser Stelle tatsächlich aus und fiel der Länge nach hin. Zum Glück nahm er keinen Schaden, rappelte sich schnell auf und trabte weiter in Richtung Wechselzone. Saugefährlich und verantwortungslos fand ich das trotzdem.

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    Foto: Pixabay

  7. Sparen auf Kosten der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Mein Mann Christoph war an beiden Wettkampftagen als Kampfrichter im Einsatz. Am ersten Tag gab es noch ein Pavillon-Zelt beim Check-in, in dem die Kampfrichter die Fahrräder auf Verkehrssicherheit und die Helme auf korrekten Sitz prüfen konnten. Doch weil es über Nacht etwas stürmisch war, überlebte offenbar einer der Pavillons nicht bis zum nächsten Tag – und wurde vom Veranstalter einfach nicht ersetzt. Christoph meinte nur lakonisch: „Zum Glück hat es dann nicht mehr geregnet, sonst hätten wir uns beim Check-in nicht unterstellen können.“ Die vielen Helferinnen und Helfer (inklusive Kampfrichter) arbeiten übrigens ehrenamtlich, bekommen nur eine eher symbolische Aufwandsentschädigung (und ein T-Shirt, hey!) für ihren Einsatz. Da sollte man doch erwarten können, dass ihnen wenigstens vor Wind und Wetter geboten wird, oder? Immerhin berichtete Christoph, dass dieses Mal die Versorgung mit belegten Brötchen funktioniert hat. Im Vorjahr hatte er nämlich über den ganzen Veranstaltungstag keine Verpflegung abbekommen. Merke: Der Veranstalter macht Kasse, für die Ehrenamtlichen gibt es keine echte Wertschätzung.

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    Foto: Pixabay

  8. Wo bleiben meine Fotos? Der Hamburger Triathlon kooperiert mit der Firma Finisherpix, deren Fotografen überall entlang der Strecke postiert sind und von allen Athletinnen und Athleten einen Haufen Fotos schießen. Anhand der Zwischenzeiten und der Startnummern werden die Bilder dann den einzelnen Leuten zugeordnet. Für diesen Service hatte ich vorab 29 Euro bezahlt – und sollte dafür nach dem Wettkampf Zugriff auf alle Bilder haben, auf denen ich zu sehen bin. Natürlich wollte ich die Bilder auch gern hier auf dem Blog mit meinen Leserinnen und Lesern teilen. Zwei Tage nach dem Wettkampf erhielt ich zwei Mails: eine mit einer Reihe von Bildern, die in der Betreffzeile mit „Hier sind schon mal deine Bilder im Social Media-Format!“ überschrieben war. Was für mein Befinden suggeriert, dass man sie gern über die sozialen Medien mit anderen Menschen teilen darf. Weiter unten in der Mail fand sich allerdings der Hinweis, dass die Bilder nur für den privaten Gebrauch bestimmt seien, eine Veröffentlichung jedweder Art müsse schriftlich genehmigt werden. Ja was denn nun? Kurz darauf erhielt ich eine Mail mit einem Download-Link, mit dem ich meine Bilder in voller Auflösung herunterladen konnte. Dummerweise waren auf der Hälfte der Bilder ganz andere Leute zu sehen als ich. Eine Frau erkannte ich auch, sie war die letzten anderthalb Kilometer neben mir gelaufen und musste ungefähr zeitgleich ins Ziel gekommen sein. Doch von mir auf der Laufstrecke gab es nur ein einziges Bild, und das war zwar eigentlich schön, aber leider nicht scharf. Kein Foto von meinem Schlusssprint, keins von meinem Lauf durch den Zielbogen. Auch vom Schwimmausstieg nur Fotos von anderen Leuten, nicht von mir. Ich schrieb also an Finisherpix. Bat um meine fehlenden Bilder, um Erläuterung der widersprüchlichen Aussage zu den Nutzungsrechten und um schriftliche Genehmigung für die Veröffentlichung meiner Bilder auf meinem Blog. Ich erhielt die Info, ich könne ja unter der Rubrik „Lost and Found“ nach Bildern zu schauen. Kein Wort zu den Nutzungsrechten. Ich klickte mich durch etliche tausend Bilder – zum Glück konnte ich anhand der Dateinummern grob die passenden Segmente in der Bilderflut ansteuern – doch hier waren keine Fotos von mir zu entdecken. Dafür wurde ich im Gesamt-Pool (etliche zigtausend Bilder, da muss man für das Durchklicken schon ein bisschen Zeit mitbringen) fündig: Da gab es sowohl ein Bild vom Schwimmausstieg als auch etliche Laufbilder, sogar mit halbwegs erkennbarer Startnummer. Da sie mir allerdings nicht zugeordnet waren, konnte ich sie nicht einfach herunterladen – ich hätte sie nur zusätzlich gegen teures Geld kaufen können. Ich schrieb also abermals an Finisherpix. Schickte ihnen die Links zu den zusätzlich entdeckten Bildern mit der Bitte, sie mir für den Download freizuschalten, weil sie ja in meinem vorab bezahlten Paket enthalten sind. Und bat erneut um Klärung meiner Frage zu den Nutzungsrechten. Ich erhielt keine Antwort, auch nicht auf meine erneute (und schon etwas ungehaltenere) Nachfrage ein paar Tage später. Bis heute habe ich meine Bilder nicht erhalten und auch keine schriftliche Genehmigung, dass ich die Bilder auf meinem Blog verwenden darf. Ich kann mich übrigens nicht erinnern, dass ich bei meiner Bestellung des Bilderpaktes darauf hingewiesen wurde, dass ich die Bilder nicht auf diese Weise nutzen darf. Da ich ganz schön hartnäckig sein kann, wenn ich mich erst einmal gründlich geärgert habe, werde ich die Sache nun aus Prinzip weiterverfolgen und eine offizielle Beschwerde beim Veranstalter und bei Finisherpix einreichen. Auch wenn mir die Fotos selbst mittlerweile schon fast egal sind.

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    Foto: Pixabay

Alles in allem habe ich nun also keine Lust mehr, diesen kommerziellen Abzocke-Triathlon noch ein weiteres Mal durch meine Teilnahme zu unterstützen. Es gibt auch andere tolle Triathlon-Events in unserer Region. So hatte mir Christoph schon letztes Jahr vom Tribüne-Triathlon in Norderstedt vorgeschwärmt. Er findet dieses Jahr am 1. September statt, und ich habe mich nun einfach mal für die Volksdistanz angemeldet, damit ich in dieser Saison noch einen Triathlon erlebe, der mir in besserer Erinnerung bleibt. Übrigens unternehmen die Veranstalter dieses Triathlons auch beachtliche Anstrengungen, den Wettkampf umweltfreundlicher zu gestalten. Ich bin schon mal sehr gespannt – und werde an dieser Stelle dann sicherlich über meinen ersten Norderstedt-Triathlon berichten.

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