Süß, happy und fit

Echte Geschichten aus meinem bewegten Leben mit Typ-1-Diabetes

Digitaler Datenaustausch? Papier ist geduldiger!

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Bei mir stand diese Woche der jährliche augenärztliche Check an. Den Untersuchungsbefund bekam ich wie gehabt in Papierform ausgehändigt – zur Weitergabe an meine Diabetespraxis. Und das, obwohl seit Wochen öffentlich so unglaublich viel über die Digitalisierung des Gesundheitswesens diskutiert wird…

Erst einmal die wichtigste und ja auch ungeheuer positive Botschaft vorweg: Auch in diesem Jahr ergab die Netzhautuntersuchung mit dem Optomap (über das Verfahren, das einem das leidige Weitstellen der Pupillen mit Augentropfen erspart, habe ich hier schon mal geschrieben), dass meine Augen bislang keinerlei diabetesbedingte Veränderungen aufweisen. Da fällt mir natürlich ein Stein vom Herzen.

Handschriftliche Eintragungen auf Papierformular

Ihre Beobachtungen notierte die Augenärztin handschriftlich auf einem ‚augenfachärztlichen Untersuchungsbogen‘ in Papierform. Sie kreuzte an, dass ich einen Typ-1-Diabetes habe, ergänzt um die (ja eigentlich überflüssige) Information, dass es sich dabei um einen insulinpflichtigen Diabetes handelt und dass mein HbA1c-Wert aktuell bei 6,5% liegt (eigentlich ebenfalls überflüssig, denn den Wert hat man ja schließlich in der Diabetespraxis ermittelt und mir mitgeteilt, weshalb ich ihn überhaupt erst der Augenärztin weitergeben konnte). Sie trug meine Sehstärke und das festgestellte Retinopathiestadium ein (keine diabetische Retinopathie). Stempel drauf, fertig. Keine weiteren Aktionen erforderlich, nächster Termin in einem Jahr.

An der Anmeldung wird der Papierbogen dann wieder gescannt…

Beim Verabschieden bat mich die Augenärztin noch, den ausgefüllten Papierbogen doch bitte noch kurz an der Rezeption vorzulegen, damit dort meine Daten aus der Versichertenkarte (also Name, Anschrift, Krankenkasse und Versichertennummer) auf den Bogen gedruckt und der fertig ausgefüllte Bogen dann eingescannt werden kann. Dann möge ich den Bogen an meine Diabetespraxis weiterleiten, denn man verschickt in dieser Praxis keine Arztbriefe.

Was soll ich bis Anfang 2024 mit diesem Zettel anstellen?

Mein nächster planmäßiger Termin in der Diabetespraxis ist allerdings erst Anfang 2024. Ich weiß gar nicht, wo ich diesen Zettel zwischenzeitlich ablegen soll, ohne dass er verloren oder unter irgendeinem Stapel vergraben wird. Ich bin zwar noch nicht im papierlosen Büro angelangt, doch die Ordner auf meinem Rechner sind deutlich aufgeräumter als die Papierstapel in den Ecken meines Schreibtischs. Ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust, mir im Jahre 2023 noch irgendwo ein analoges Mäppchen anzulegen, in dem ich Arztbefunde sammele, die ich irgendwann demnächst mal mit in die jeweilige Praxis nehmen soll.

Was für ein schräger Prozess – im Jahre 2023!

Also scannte ich das ausgefüllte Formular selbst auch nochmal ein und schickte es per Mail an meinen Diabetologen. In der Hoffnung, dass es auf diesem Wege auch tatsächlich in meiner Patientenakte landet. Außerdem speicherte ich es im Ordner ‚ärztliche Befunde‘ auf meinem Rechner. Zugegebenermaßen kein sonderlich großer Aufwand. Und dennoch fand ich den Prozess doch reichlich schräg: Da druckt die Augenarztpraxis ein Formular aus, das die Ärztin im Zuge der Untersuchung handschriftlich ausfüllt. Damit es in der Praxis doch in digitaler Form vorliegt und in meiner Patientenakte gespeichert werden kann, wird das Papierformular vor Ort eingescannt. Dadurch sind die darauf vermerkten Daten natürlich digital deutlich schlechter zu verarbeiten als wenn man das Formular von vornherein am PC ausgefüllt und gespeichert hätte. Das gescannte Dokument verlässt die augenärztlichen Praxis weder digital noch per Post. Es wird vermutlich aufgrund aus Datenschutzgründen nicht per Mail an meine Diabetespraxis oder mich weitergeleitet. Und auf den klassischen Arztbrief verzichtet man – so meine andere Vermutung – um die Portokosten zu sparen. Für die Datenweitergabe bin also ich als Patientin zuständig.

Wozu soll man da über elektronische Patientenakte und eRezept diskutieren?

Ein umständlicher und absurder Prozess bei einem eigentlich so einfachen Vorgang! Angesichts meiner aktuellen Beobachtung finde ich es geradezu lächerlich, wenn derweil in Berlin munter über deutlich umfassendere Digitalthemen wie elektronische Patientenakte oder eRezept diskutiert wird. Wer wird so etwas denn konsequent umsetzen, wenn nicht einmal ein schlichter Untersuchungsbefund digital von A nach B gelangt? Manchmal habe ich echt den Eindruck, Deutschland ist in vielen Punkte längst ein hoffnungsloser Fall…

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