Süß, happy und fit

Echte Geschichten aus meinem bewegten Leben mit Typ-1-Diabetes

Happy diaversary to me – mit einem Kronleuchter aus Insulinampullen!

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Vor genau 16 Jahren habe ich die Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten. Und pünktlich zu diesem Jubiläum ist mein neuestes DIY-Projekt fertig geworden: ein Kronleuchter als Lampe über unserem Esstisch, dessen Gehänge neben selbstgezogenen bunten Glasperlen vor allem aus leeren Insulinampullen bestehen.

Auf die Idee, leere Insulinampullen zu sammeln, bin ich 2020 gekommen. Da bereitete sich die Diabetesszene auf den Jahrestag „100 Jahre Entdeckung des Insulins“ im Folgejahr vor. Und ich dachte mir, dass ich ja vielleicht irgendetwas Schönes aus meinen ganzen Insulinfläschchen fabrizieren könnte, deren Inhalt mir immer wieder das Leben rettet. Nur fehlte mir lange die zündende Idee, was das genau sein könnte. Und so sammelte ich erst einmal weiter, bis ich Ende 2025 auf einmal wusste, was ich damit anfangen möchte.

Da waren die Feiern anlässlich von „100 Jahre Insulin“ längst Geschichte. (Wer sich nicht mehr so recht an sie erinner kann, dem empfehle ich diesen älteren Blogbeitrag über den Festakt von DiabetesDE, der damals noch unter Pandemiebedingungen stattfand. Das Bild im Header zeigt übrigens den damaligen Stand meiner Ampullensammlung.) Doch ich hatte von einer Freundin von der Glaskünstlerin Gudrun Niehus bei uns in Elmshorn erfahren, bei der man Workshops zum Glasperlenziehen buchen kann. Und wusste auf einmal genau, was ich mit den ganzen gesammelten Fläschchen anstellen möchte: ein Upcycling-Kronleuchter, für den ich die gesammelten Insulinampullen als Gehänge verwenden – mit jeweils einer selbst gefertigten Perle zum Abschluss an jedem Strang.

Metallkappe entfernen, Gummistopfen rausdrücken, Etikett abknibbeln

Ich meldete mich also für einen Workshop an und fabrizierte beim ersten Termin immerhin 17 halbwegs ansehnliche Glasperlen. Mehr darüber könnt ihr auf meinem anderen Blog „Elmshorn für Anfänger“ nachlesen. Außerdem machte ich mich daran, die mittlerweile über 200 Insulinampullen von Gummistopfen und Aufklebern zu befreien, damit nur noch das nackte Glasröhrchen von ihnen übrig bleibt. Anfangs ein bisschen kniffelig, aber nach einer Weile hatte ich die richtige Technik raus: Erst einmal greift man mit einem Seitenschneider die Metallkappe mit dem kleinen Gummistopfen (durch den die Pennadel gestochen wird) und zieht sie vorsichtig herunter. Wenn das mal nicht in einem Stück gelingt, ist es nicht weiter schlimm, dann kann man sie auch nach und nach ablösen. Als nächstes nimmt man irgendein langes dünnes Werkzeug, das man in der Werkstatt oder im Werkzeugkasten findet, um durch die nun offene kleine Öffnung der Insulinampulle den dicken Gummistopfen durch das Fläschchen zu drücken. Ich weiß offen gestanden nicht, wofür dieses Werkzeug normalerweise verwendet wird, doch es taugte hervorragend für meinen gewünschten Einsatz. Am besten ein Geschirrtuch unterlegen, denn da ist noch erstaunlich viel Insulin drin – ich schätze mal, pro Ampulle mindestens 10 Einheiten –, das dann natürlich rauskleckert. Im letzten Schritt muss man nur noch das Etikett abknibbeln, entweder mit den Fingernägeln oder einem kleinen Messer, das beim Ablösen hilft. Und voilà: Alle Bestandteile einer Insulinampulle sind sortenrein getrennt, und übrig bleibt ein schlichtes kleines Glasfläschchen als Rohstoff für DIY-Projekte. Das ganze 200-mal wiederholen, und schon ist man eine Weile beschäftigt und kommt nicht auf dumme Gedanken! 🙂

Nachdem ich mir online einen Metallgestell für Kronleuchter besorgt hatte, stellte ich fest, dass die bei meinem ersten Workshop entstandenen Glasperlen bei weitem nicht ausreichten. Also schenkte ich kurzerhand Christoph zu Weihnachten einen gemeinsamen Workshop zum Glasperlenziehen – für ihn als Anfänger, für mich als Fortgeschrittene. Er hatte tatsächlich genauso wie ich großen Spaß dabei: Beim Hantieren mit den bunten „Zuckerstangen“ aus Glas und dem Bunsenbrenner kann man gedanklich richtig schön abtauchen. Und außerdem kommt sogar etwas Schönes dabei heraus, wenn man noch keinerlei Erfahrung mit diesem Handwerk hat. Christoph produzierte übrigens nicht nur Perlen, sondern recherchierte auch nach Möglichkeiten der VDI-konformen Installation. Er wurde beim Online-Versandhändler Radio Kölsch fündig, wo man alle möglichen Bauteile für selbstgemachte Lampen kaufen kann.

Großprojekt mit mehreren Pannen-Momenten…

Ich wiederum hatte als Ergänzung zu den selbstgezogenen Perlen eine Menge anderer Perlen und vor allem Tropfenperlen als Abschluss für die einzelnen Stränge besorgt. Dann konnte ich damit starten, die vielen einzelnen Elemente auf Perlonfaden aufzufädeln und am Metallgestell zu befestigen. Dabei machte ich leider zwei unschöne Entdeckungen. Zum einen stellte ich fest, dass ich mich leider verrechnet hatte und immer noch nicht genug selbstgezogene Abschlussperlen hatte. Zum anderen fiel mir auf, dass das Metallgestell für meine Variante Kronleuchter denkbar ungeeignet war, weil die Lampenfassung und damit auch die Lichtquelle oberhalb der ganzen Insulinampullen- und Perlenstränge gewesen wäre. Leider kam mir diese Erkenntnis erst, als ich schon den größten Teil der Stränge angeknotet hatte. Ich musste also a) noch einen Termin bei Gudrun buchen, b) ein neues Metallgestell besorgen und c) alle Stränge noch einmal neu auffädeln und am neuen Gestell befestigen. In der neuen Variante reichten dann auf einmal die über 200 Pen-Ampullen nicht mehr aus. Doch ich behalf mir mit den etwas kleineren Ampullen, mit denen ich seit Jahresbeginn meine Insulinpumpe bestücke. Von denen produziere ich ja mittlerweile stetig Nachschub.

Wenn dir das Leben Diabetes gibt, mach einen Kronleuchter aus den Insulinampullen!

Doch nun – ungezählte Arbeitsstunden und ebenso ungezählte investierte Euros später – ist der Kronleuchter fertig. Gestern hat Christoph ihn montiert, und heute schenke ich ihn mir ganz offiziell zu meinem Diaversary. 16 Jahre, nachdem ich meine Diagnose erhalten habe, und fünf Jahre, nachdem ich mir zuletzt selbst ein besonderes Geschenk zum Jahrestag meiner Diabetesdiagnose gemacht hatte (ein vom Goldschmied eigens angefertigter Kettenanhänger in Form des „Blue Circle“ als Zeichen der Diabetes-Community), habe ich nun ein weiteres Schmuckstück selbst geschaffen. Jedes der Insulinfläschchen meines Kronleuchters hat mich mal für etwa drei Wochen am Leben gehalten. Und zusammen mit den gekauften und selbstgezogenen Glasperlen reflektieren sie nun das Licht, bringen ein bisschen Glanz in die Hütte und passen auch prima in unseren leicht hippie-mäßig angehauchten Wohnstil.

Wie war das doch gleich mit den Zitronen, die einem das Leben gibt und aus denen man Limonade machen soll? Wenn das Leben dir Diabetes gibt, sammele die Insulinfläschchen und mach einen Kronleuchter draus! In diesem Sinne: Happy diaversary to me! ❤

Christoph wird die messingfarbene Halterung und die schwarze Affenschaukel noch durch weiße Elemente ersetzen, dann ist das Teil aber wirklich fertig.

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