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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Laufreise, Tag 2: Nüchternlauf? Geht auf einmal doch!

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Mein nagelneues Fitbit-Armband (Geburtstagsgeschenk! 🙂 )sagt, dass ich heute knapp 25.000 Schritte gegangen bin. Das finde ich für meinen ersten Trainingstag hier in Andalusien schon ganz beachtlich. Beachtlich (um nicht zu sagen TOLL) finde ich auch, wie mein Zucker heute bei dem straffen Programm mitgespielt hat.

Der Tag begann mit Frühsport am Strand. Gegen Sport am Strand ist ja überhaupt nicht einzuwenden, aber das Wörtchen „früh“ hatte mir im Vorfeld ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet. Zum einen, weil ich es eigentlich überhaupt nicht mag, ohne Frühstück aus dem Haus zu gehen, geschweige denn Sport zu treiben. Zum anderen, weil Nüchternläufe für mich bislang eine ziemlich knifflige Angelegenheit waren. Ihr wisst schon: Bei nüchternem Magen zapft der Körper schneller die Glykogenreserven in der Muskulatur und in der Leber an. Die freiwerdende Glukose braucht Insulin, doch davon habe ich – bis auf mein Basalinsulin – keines in der Blutbahn mehr. Der Zuckerspiegel steigt trotz Bewegung ins Unermessliche. Nicht gut.

„Ein bisschen Bewegung zum Wachwerden“

Ich hatte mir zuvor ein paar verschiedene Strategien überlegt, wie ich das Phänomen vermeiden wollte: Vor dem Lauf eine Kleinigkeit wie ein Ballisto oder eine halbe Banane essen und eine Minidosis Insulin dafür spritzen zum Beispiel. Als ich heute Morgen mit einem Nüchternwert von um die 120 mg/dl (laut Freestyle Libre aber mit steigender Tendenz) wach wurde, beschloss ich entgegen meiner Pläne spontan, es ganz anders zu machen. Nämlich ganz einfach nichts zu tun. Nichts zu essen, kein Insulin zu spritzen. Schließlich sollte das morgendliche Training nicht besonders lang und auch nicht besonders intensiv ausfallen – „ein bisschen Bewegung zum Wachwerden“ hieß es so schön von unseren Trainerinnen.

Ein positiver Start ist besser als einer mit Wurm drin.

Tatsächlich war die Bewegung unter der gerade aufgegangenen Sonne so angenehm, dass nicht einmal mein normalerweise so kritischer Schweinehund etwas daran auszusetzen hatte. Gemütlich traben um warm zu werden, Koordinationsspiele, dann ein paar Übungen aus dem Lauf-ABC, am Ende ein paar vorsichtige Schritte barfuß in den eisig kalten Atlantik – das war’s dann auch schon. Und mein Zucker spielte mustergültig mit. Er stieg während des Frühsports nur sehr moderat auf unbedenkliche 146 mg/dl, mehr nicht. Dass es heute so gut geklappt hat, bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass es auch morgen genauso fein gelingt – aber ein positiver Start ist eben doch besser als einer mit Wurm drin.

Video-Laufanalyse und Laufen bei HF-max

Die morgendliche Sporteinheit sollte allerdings nicht die einzige des Tages bleiben: Am Nachmittag standen Laufstilanalyse und Herzfrequenzmessung bei verschiedenen Lauftempi auf dem Programm (für Insider: Test der HF-max und der aeroben bzw. anaeroben Schwelle). Zum Testparcours mussten wir allerdings erst einmal zwei, drei Kilometer durch den Sand traben. Vor Ort bauten unsere Trainerinnen eine kleine Videokamera auf, mit der wir beim Laufen („bitte lauft ganz normal wie immer!“) gefilmt wurden. Auswertung folgt – ich bin einmal gespannt auf die Ergebnisse, schließlich habe ich mich selbst noch nie von der Seite und von vorn laufen sehen.

Ich glaube, ich laufe weiter lieber „nach Gefühl“

Für den Test der HF-max mussten wir einen Rundparcours von weniger als einer Sportplatzrunde einmal langsamer als im persönlichen Wohlfühltempo, einmal im persönlichen Wohlfühltempo, einmal im Wettkampftempo und einmal im Sprint absolvieren und am Ende unsere jeweilige Herzfrequenz dokumentieren. Meine maximale Herzfrequenz liegt demnach bei 188 Schlägen pro Minute. Ok, das ist ganz nett zu wissen. Doch ich werde vermutlich auch weiterhin kein Fan von Läufen mit Pulsuhr, wo ich doch mit meinem Zucker ohnehin genug zu dokumentieren habe und auch genug Zeug mit mir herumschleppen muss. Ich laufe lieber nach Gefühl und orientiere mich mehr an meiner Atmung als an meinem Herzschlag. Wenn ich vier Schritte lang einatme und ebenso lang wieder ausatme, dann ist das ein Rhythmus, den ich lange halten kann. Wenn ich das Tempo anziehe, verändert sich der Rhythmus: zwei Schritte lang einatmen, vier Schritte lang ausatmen. Dann kann ich mich nur noch in Sätzen von maximal drei Wörtern unterhalten (und die Wörter sollten möglichst nicht „Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz“ oder so lauten). Wenn ich beim Triathlon auf der Zielgeraden zum Schlusssprint ansetze, gebe ich Gas und atme ich maximal zwei Schritte lang ein und zwei Schritte lang aus – und das geht höchstens 200 Meter lang gut.

Zum Glück gab es zwischendrin trotz unseres straffen Tagesplans auch genügend Gelegenheiten, mit der Gruppe am Pool zu sitzen und zu klönen oder sich mal zu zweit mit einem Buch in die Dünen zu verziehen. Herz, was willst du mehr? Ach ja, meines will gern gute Zuckerverläufe sehen, und die gab es heute auch tatsächlich den ganzen Tag lang. Die maximale Herzfrequenz beim kurzen Sprint machte sich auch mit einem kleinen Zucker-Peak gegen 16:45 Uhr bemerkbar, aber ansonsten lief alles chicco. So darf es gern weitergehen!

 

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