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Zurück von meiner Laufreise: Und? Wie war’s denn so?

2 Kommentare

Zwei Ladungen Wäsche (überwiegend Sportklamotten und Socken) sind schon durch. Christoph hat keinen Bedarf, seine Muskeln auszuruhen und läuft schon wieder. Und ich mache mir Gedanken, was für ein Fazit ich nun aus meiner ersten Laufreise ziehen soll.

Wir sind wieder zu Hause. Ein letzer Strandspaziergang, bei dem wir einen kleinen Vorrat Sonnenstrahlen anlegen konnten, dann hieß es gestern Nachmittag: „Hasta luego, Andalucía!“ Ja, Andalusien hat uns ganz sicher nicht zum letzten Mal gesehen. Ob wir diesem wunderschönen Flecken Erde den nächsten Besuch wieder im Rahmen einer Laufreise abstatten werden, wissen wir noch nicht. Aber der Aktivurlaub hat uns beiden sehr gut gefallen – ausgeschlossen ist es also nicht.

Christoph wäre in Andalusien durchaus gern mehr gelaufen

Mein und Christophs Fazit nach der Laufreise fallen trotzdem recht unterschiedlich aus. Christoph steckte ja schon vor dem Beginn unserer Reise mitten in der Marathonvorbereitung und hatte mit dem Trainingspensum in den vergangenen 10 Tagen keinerlei Probleme. Im Gegenteil: Er findet, es hätte durchaus ein paar mehr oder längere Laufeinheiten geben können. Die gut 112 (?) Kilometer, die er dort gelaufen ist, reichten ihm noch nicht. Uff. Und weil er noch nicht ganz ausgelastet war, ist er heute tatsächlich schon wieder zu einem 30-Kilometer-Lauf in den Harburger Bergen verabredet, während ich derweil ein paar Wäscheberge (tonnenweise Funktionsklamotten und Socken…) abarbeite und immer noch ein ganz kleines bisschen über meinen Rücken jammere (der sich aber von Tag zu Tag erholt und ab übermorgen vermutlich wieder superelastisch sein wird).

Selber schuld, aber ich war mit dem Trainingspensum manchmal überfordert

Ich hingegen war mit der Fülle der Trainingsreize zwischenzeitlich ein wenig überfordert. Schließlich stecke ich eben noch nicht in der konkreten Vorbereitung auf einen speziellen Wettkampf. Der Hamburg Triathlon am 16. Juli 2016 ist noch ein Weilchen hin, da sitzt mir noch keine drohende Deadline im Nacken, die mich endgültig in Trab bringt. Ich befand mich also vor Beginn unserer Reise noch mehr oder minder im verschlafenen Wintermodus. Natürlich hatte ich beim Vortreffen im Laufwerk im November 2015 den Ratschlag zur Kenntnis genommen, wir mögen doch bitte den Winter hindurch weiterlaufen. Etwa 2 bis 3 Laufeinheiten pro Woche wären schon gut, damit wir während der Laufreise klarkommen. Naja, aber Wissen und Umsetzung sind ja bekanntlich zwei verschiedene Dinge. 🙂 Langer Rede kurzer Sinn: Meine insgesamt rund 64 Laufkilometer während der Reise reichten mir völlig.

Diabetesmanagement: Gelungen! Darauf bin ich stolz!

Für mich war die Laufreise also eher ein guter Auftakt für das Training in diesem Frühjahr. Ich bin einmal gespannt, ob mir bei den nächsten Läufen ein paar Dinge leichter fallen, ob ich mich an die Tipps zum Laufstil erinnere und ob ich sie auch – zumindest nach und nach – beherzigen kann. Zufrieden bin ich damit, wie mir mein Diabetesmanagement während der Laufreise gelungen ist. Die Basalrate passte, es gab bis auf eine kleine Hypo (die ich rechtzeitig bemerkte und bekämpfen konnte) keine Dramen, kein böses Verschätzen beim Essen etc. pp. Das allein ist schon ein schöner Erfolg, auf den ich stolz bin. Und der mich zum nächsten Teil dieses Beitrags bringt: Ich möchte anderen Typ-1-Diabetikern Mut machen, sich einen solchen Aktivurlaub ruhig zuzutrauen.

Was tun, wenn sich nächstes Jahr ganz viele Diabetiker zur Laufreise anmelden?

Während der Laufreise habe ich immer mal wieder mit Marion Krispin vom Laufwerk, die als Trainerin und Veranstalterin mit vor Ort war, herumgewitzelt, dass sich im nächsten Jahr möglicherweise ein ganzer Schwung Diabetiker anmelden könnten, die mein Blog verfolgt haben. Marions Reaktion war klasse: „Hmm. Dann muss ich immer genug Gummibärchen im Rucksack dabei haben. Und nehme dich als Coach mit.“ Oh, das hätte ich gern nochmal schriftlich! Aber im Ernst: Ich bin ja keine Diabetesberaterin und daher kaum geeignet, anderen Diabetikern fundierte Ratschläge zu ihrem Diabetesmanagement zu geben – zumal viele andere Typ-1-Diabetiker ja Insulinpumpen tragen, mit denen ich mich bislang überhaupt nicht auskenne. Aber ich könnte dem Laufwerk sicherlich helfen, einen geeigneten Diabetes-Sport-Coach zu vermitteln, sollte sich hier tatsächlich ein Bedarf oder ein neues Geschäftsfeld ergeben.

Ob mit oder ohne funktionierende Bauchspeicheldrüse – hier einmal eine kleine Checkliste, für wen die Laufreise nach Andalusien in meinen Augen eine tolle Sache ist (und für wen im Umkehrschluss eher nicht):

  1. Du solltest in der Lage sein, eine ganze Stunde ohne Pause durchzulaufen. Tempo ist egal, aber so viel Ausdauer solltest du dir schon erarbeitet haben, damit es bei der Laufreise nicht zu unnötigen Frustmomenten kommt. In unserer 29-köpfigen Gruppe befanden sich immerhin 21 in der Marathonvorbereitung (viele von ihnen hatten auch schon x Marathons auf dem Buckel), in der Aufbaugruppe waren 8 Leute. Die erfahrenen und ehrgeizigen Läufer sind in der Mehrheit, davon ist auszugehen.
  2.  Du solltest den Winter hindurch pro Woche etwa 2-mal laufen, sonst… siehe oben! 🙂 Zehn Tage, an denen täglich 2 bis 3 Trainingseinheiten anstehen, können einen gewaltig schlauchen, wenn nicht eine gewisse Grundkondition vorhanden ist.
  3. Du solltest ein läuferisches Ziel haben. Also entweder ein anstehender Wettkampf wie z. B. ein (Halb-)Marathon in naher Zukunft, oder auch das Ziel, mit professioneller Hilfe endlich einmal strukturiert ans Lauftraining heranzugehen. Manche von uns laufen ja jahrelang irgendwie vor sich hin und wundern sich, warum sich ihre Leistungen nicht verbessern. Möglicherweise liegt es an der Art des Trainings – hierzu kann man auf dieser Laufreise eine Menge lernen. Oder aber das Ziel, die eigene Lauftechnik zu verbessern, ebenfalls mit professioneller Hilfe. Wer kein solches Ziel hat, dem fehlt vermutlich die Motivation, sich im Urlaub mit so vielen eng getakteten Terminen auseinanderzusetzen anstatt auszuschlafen und die andalusische Sonne zu genießen.
  4. Du solltest Lust auf eine Gruppenreise haben. Bei unserer Reise waren Christoph und ich das einzige Pärchen, alle anderen waren als Singles bzw. ohne Anhang angereist. Viel Zeit für Zweisamkeit blieb nicht – das war für uns völlig in Ordnung, sollte einem aber im Vorfeld klar sein. Man kommt leicht miteinander ins Gespräch, weil einen das gemeinsame Hobby Laufen verbindet. Man erfährt aber auch eine Menge persönlicher Geschichten, warum es den einen oder anderen zum Laufen treibt (Krankheit, Übergewicht, Trennung oder andere einschneidende Erlebnisse). Um es mal pathetisch auszudrücken: „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“, und bei so einer Reise lernt man automatisch das eine oder andere Päckchen der Mitreisenden kennen. Das ist manchmal ganz schön viel Input, für den man offen sein sollte. Viele lustige Anekdoten gibt es natürlich auch, keine Sorge, dafür sorgt schon eine sehr aktive WhatsApp-Gruppe, in der täglich rund 50 Nachrichten eintrudeln, Gruppenfotos oder -videos geteilt werden. 🙂 Da schwingt ein Hauch Klassenreise mit, auf den man ebenfalls Lust haben sollte. Für alle, die bislang allein laufen und gern ein paar Laufkontakte in Hamburg knüpfen möchten, ist die Laufreise ebenfalls super. Ich werde beim kommenden Hamburger Marathon – grob überschlagen – nun etwa 20 Läufer vom Streckenrand aus supporten statt nur etwa 3-4 wie in den vergangenen Jahren.
  5. Du solltest ein paar Lauf-Outfits besitzen. Zwei Paare Laufschuhe, zwei Laufhosen und fünf Laufshirts (lang- und kurzärmelig) sind in meinen Augen das absolute Minimum, wenn man auf so einer Laufreise nicht unnötig viel Zeit mit „Rei in der Tube“ am Waschbecken verbringen will. Man kann im Vorfeld natürlich auch im Laufwerk shoppen gehen, das gibt vielleicht sogar Bonuspunkte bei der Reiseleitung (einzulösen in Form von ein paar Liegestütze weniger bei den Kräftigungsübungen). Unabhängig davon ist so eine Laufreise eine tolle Gelegenheit, die Shirt-Trophäen vergangener Wettkämpfe spazierenzuführen. Weil man natürlich gern von den Mitreisenden angesprochen wird: „Ach, du hast auch den Hamburger Triathlon 2014 mitgemacht? Cool!“
  6. Du solltest deinen Stoffwechsel allein gut managen können. Dieser Ratschlag betrifft natürlich nur Diabetiker. Die Lauftrainerinnen sind absolut fit, wenn es um Lauftechnik, Sportphysiologie, Trainingsberatung etc. geht. Aber sie sind keine Diabetesexperten, denn die Laufreise ist keine Veranstaltung explizit für Diabetiker. Wer mitmachen möchte, sollte sich zutrauen, sein Diabetesmanagement beim Sport selbstständig zu evaluieren und anzupassen. Und er sollte natürlich im Vorfeld mit seinem Diabetologen darüber sprechen, vielleicht auch den Rat erfahrener Sportler mit Diabetes (z. B. über die IDAA) einholen.
  7. Zwei kleine Infos zum Schluss noch: Wer am Trainingsprogramm teilnimmt, kann einen Zuschuss von seiner Krankenkasse in Höhe von 75 Euro für die Laufreise erhalten. Und wer seinen Partner oder seine Partnerin nur begleiten möchte, selbst aber lauffaul ist, der kann die Reise auch ohne Training buchen. Manche Reiseteilnehmer klinken sich auch tageweise aus, weil sie lieber Rennradfahren oder sonstewas machen wollen – auch das ist möglich.

So, und nun bin ich gespannt, ob im Frühjahr 2017 tatsächlich Dutzende sportbegeisterte Typ-1-Diabetiker dem Laufwerk die Bude einrennen und eine Laufreise buchen wollen! 🙂

2 Kommentare zu “Zurück von meiner Laufreise: Und? Wie war’s denn so?

  1. Hallo Antje,

    danke für deine interessanten Berichte. Ich habe jeden Tag auf dein Posting gewartet, weil ich es echt interessant fand. Irgendwann mache ich auch mal so ne Laufreise, aber vorher habe ich noch eine Baustelle zu bearbeiten, die mir nach wie vor Probleme bereitet. Ich wünsche eine gute „Erholung“ und weiterhin viel Spaß beim Schwimmen, Radeln und Laufen.

    LG
    Stefan

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