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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Was würdest du tun, wenn es eine Pille gegen Diabetes gäbe?

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Diese Frage wurde neulich in irgendeiner Facebook-Gruppe gestellt. Klingt auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen albern – doch die Antworten und Diskussionen in dem langen daraus entstandenen Thread zeigen ganz deutlich, was Diabetiker am allermeisten an ihrer Erkrankung nervt.

Eine Pille gegen Diabetes, einfach runterschlucken und weg ist die Erkrankung, die Bauchspeicheldrüse funktioniert wieder. Das ist natürlich ein völlig unrealistischer Gedanke. Es gibt eine solche Pille nicht einmal ansatzweise in den Forschungslabors – und wenn es sie gäbe, hätte sie (wie jedes andere Medikament auch) vermutlich Nebenwirkungen, die den einen oder anderen von ihrem Gebrauch abschrecken würde. Das wussten natürlich auch alle diejenigen, die neulich eine solche Frage in einer Facebook-Gruppe kommentiert haben. Und trotzdem haben sie ihren Gedanken spaßeshalber einmal freien Lauf gelassen und sich ausgemalt, was sie als erstes tun würden, wenn sie durch eine solche Wunderpille spontan von ihrem Diabetes befreit wären. Ich fand die Antworten unheimlich spannend, weil sie im Umkehrschluss sehr deutlich zeigen, was unsereins am Diabetes am meisten nervt.

Da gab es zum einen die Leute, die sich durch das ständige Rechnen und Vorausschauen vor allem in ihrer Ernährung eingeschränkt fühlen. Sie würden sich – wen wundert’s – im Falle einer Spontanheilung erst einmal hemmungslos den Bauch vollschlagen:

„Ich würde zuerst zum Italiener gehen, eine große Pizza verdrücken, dazu eine Flasche Rotwein. Danach schön ins Kino, mit einer Riesenportion Popcorn und einer schönen kalten Coca-Cola.“

„Mich sinnlos betrinken, ohne im Hinterkopf zu haben, dass ich noch fit genug im Kopf sein muss um alles zu regeln, was den Diabetes betrifft.“

„Ne Riesenportion Spaghetti essen und 3 Twix hinterher!“

„Ich würde einfach ohne nachzudenken alles futtern… von Popcorn bis eine Nutellasemmel nach der anderen. Dazu nen fetten Kakao und danach Spezi ohne Ende. Ich würde definitiv dick werden!“

„Als erstes wäre es eine Schwarzwälder Kirschtorte und Unmengen an Eis und Schokolade, ein ganz großer Berg. Und ein Eimer Kirschjoghurt, Gummibärchen und Vanillekipferl… danach hätte ich wahrscheinlich Zucker!“

„Zum Bäcker und mich durch alle Teilchen futtern!“

 

Außerdem gab es eine Fraktion, die in ihrem Leben mit Diabetes die Spontanität vermisst, weil man immer einen ausreichenden Vorrat Messstreifen, Insulin, seinen Insulinpens bzw. seiner Pumpe und ggf. Pumpenzubehör bei sich tragen muss:

„Nur mit Reisepass und Kreditkarte zum Flughafen und ganz spontan irgendwo hinfliegen.“

„An einem Sommertag in Shorts und T-Shirt einfach raus…“

„Ich würde nie wieder ne Tasche mitnehmen, weil ich kein Messgerät, Pens etc. mehr bräuchte.“

„Endlich frei leben, ohne nachdenken zu müssen, was ich essen darf oder nicht. Keine Angst haben, mal das Insulin liegen zu lassen und ohne aus dem Haus gehen.“

„Endlich mal eine kleine oder gar keine Tasche mitnehmen, wenn ich weggehe.“

„Ich würde erstmal Hals über Kopf aus dem Haus gehen. Nur den Schlüssel mitnehmen. Keine Tasche packen, an nichts denken müssen. Ich würd stundenlang schwimmen gehen, Sauna, Shoppen. Nie wieder Traubenzucker essen!“

„Ohne Rucksack das Haus verlassen!“

 

Nochmal andere Leute fühlen sich vom Diabetes anscheinend auch modisch stark eingeschränkt:

„Klamotten kaufen ohne zu überlegen, wo die Pumpe hinkommt und ob man den Sensor sieht.“

„Ich würde mich freuen, dass ich mich nicht mehr täglich piksen brauch, weder für Insulin, noch für den BZ – und als erstes wieder ein Kleid tragen. Denn die Pumpe hindert mich daran.“

 

Erstaunlich viele Diabetiker sind offenbar genervt davon, dass sie nicht nach Lust und Laune Sport treiben können, weil sie immer auf ihren Blutzucker Rücksicht nehmen müssen:

„Ich würde laufen, solange meine Kraft reicht, ohne Angst vor einer Hypo haben zu müssen.“

„Ich würde raus wollen, raus aus dem Haus und laufen, laufen und laufen. Mich frei fühlen, ohne meine Tasche, in der sich all meine Diabetikersachen befinden! Freie Gedanken haben, ohne in ständiger Sorge zu sein…’Hoffentlich unterzuckere ich nicht!’“

„(Matratzen)Sport endlich ohne Unterzucker, drei Wochen am Stück ins Sportstudio und richtig auspowern!“

„Ich würde zum Sport gehen! Ohne vorher zu messen, essen, spritzen, essen. Ketone testen? Zu viel Basal? Alle Sorgen weg und einfach nur Sport machen.“

„Schwimmen gehen ohne zu überlegen.“

„Ja, das Gefühl frei zu sein. Ich liebe Sport. Bin immer am laufen, radeln, wandern. Es wäre für mich herrlich, mal an meine körperlichen Grenzen zu kommen, ohne das eine Unterzuckerung mich ausbremst. Das wäre es für mich persönlich.“

 

Und andere stört am meisten die Angst, die sie mit dem Diabetes permanent unterschwellig begleitet:

„Das Gefühl genießen, nie mehr Angst haben zu müssen. Unterzucker. Überzucker. Spätschäden. Freiheit. Lange im Meer schwimmen. Lange radfahren. Ausschlafen. Nichts mehr kontrollieren müssen. Keine Arztbesuche. die nicht wirklich nötig wären. Keine Dokumentation von Lebensgelüsten. Ach, es wär schon schön…“

Und was würde ich tun? Ich kann mich in fast allen Aussagen sehr gut wiederfinden: Auch ich würde wahrscheinlich erst einmal einen Schlemmertag einlegen und es genießen, dass ich nach Herzenslust genießen darf, ohne dass ich über KE, FPE, schnelle und langsame Kohlenhydrate, Spritz-Ess-Abstand und Konsorten nachdenken muss. Spontane Spaziergänge und Touren, ohne dass ich meine Traubenzucker-Bestände in den Jackentaschen checken muss, wären ebenso klasse wie kleinere Handtaschen mit nur dem nötigsten Klimbim. Auf die latente Angst vor Folgeerkrankungen und das mit blöden Glukosewerten verbundene schlechte Gewissen könnte ich auch hervorragend verzichten. Modisch fühle ich mich zwar nicht sonderlich eingeschränkt, weil ich keine Pumpe habe – aber ab und zu denke ich auch über die Diabetestauglichkeit meines Outfits nach, wenn es darum geht, ob ich in der Öffentlichkeit mein Kleid hochziehen möchte um Insulin zu spritzen, oder ob ich dafür doch lieber auf die Toilette gehe (oder gleich etwas anderes anziehe). Im Vorfeld meiner Hochzeit hätte ich ohne diese Überlegungen auf jeden Fall ein paar Punkte weniger auf der To-Do-Liste gehabt! Und auch unbeschwert zum Sport gehen zu können, wäre definitiv eine tolle Sache.

Yep, auch ich würde eine fette Party feiern. Allerdings würde es sicherlich auch eine ganze Weile dauern, bis ich vor dem Essen nicht mehr reflexhaft zu meinem Täschchen greife um das Lesegerät für meinen Libre-Sensor herauszuholen. Bis das automatische Kopfrechnen ausbleibt, das mein Gehirn beim Anblick von Essen in Gang setzt. Aber irgendwann wäre das sicher ausgestanden, ich würde nichts vermissen und an meine Diabeteskarriere zurückdenken wie an einen bösen Traum.

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