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Echte Geschichten aus meinem bewegten Leben mit Typ-1-Diabetes

Was tun, wenn es demnächst kein Levemir mehr gibt?

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Wer das Basalinsulin Detemir (Levemir®) mit dem vergleichsweise kurzen Wirkfenster verwendet, muss sich demnächst nach einer Alternative umsehen. Denn der Hersteller Novo Nordisk nimmt es – zusammen mit anderen frühen Insulinen – Ende 2025 vom Markt.

Diese Marktbereinigung stellt eine kleine Gruppe von Menschen mit Typ-1-Diabetes vor große Probleme: nämlich sportlich aktive Personen, die aus guten Gründen eine intensivierte Insulintherapie (ICT) statt einer Pumpen- oder AID-Therapie nutzen und die Flexibilität mit diesem Basalinsulin zu schätzen wissen. Ein Umstieg auf ein längerwirksames Basalinsulin ist für sie keine praktikable Lösung.

Ich habe diesen Beitrag ursprünglich für die Diabetes Zeitung geschrieben, wo er in Ausgabe 1.2025 (Seite 10) erschienen ist. Im Zuge meiner Recherche habe ich mit der IDAA-Vorsitzenden Ulrike Thurm gesprochen, mithilfe einer Umfrage in einer Facebook-Gruppe und über die IDAA-Homepage Stimmen aus der Community gesammelt, eine Stellungnahme der DDG zu Rate gezogen, mich beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schlau gemacht und mich natürlich mit Vertreter*innen von Novo Nordisk ausgetauscht. An dieser Stelle ergänze ich meinen Artikel noch um ein paar persönliche Gedanken und Einschätzungen.

Die Berliner Diabetesberaterin Ulrike Thurm, Vorstandsmitglied der AG Diabetes, Sport und Bewegung sowie Autorin der bekannten Diabetes- und Sportfibel, ist eine Koryphäe auf ihrem Gebiet. An sie wenden sich Profi-, Hochleistungs- und Freizeitsportler*innen mit Typ-1-Diabetes, die ihre Therapieanpassung in Training und Wettkampf verbessern wollen. Zwar trägt ein Großteil von ihnen Insulinpumpen oder AID-Systeme und kann damit flexibel auf Schwankungen bei der Insulinsensitivität infolge körperlicher Belastung reagieren. Doch manche kommen mit der ICT bestens zurecht und möchten es auch gern dabei belassen. Und einige üben auch Sportarten aus, die sich nicht mit einer Schlauch- oder Patchpumpe vertragen, beispielsweise Kampf- und Kontaktsportarten oder Bouldern.

Schwankender Basalbedarf zwischen Ruhephasen, Training und Wettkampf

Ihnen hat Ulrike als Basalinsulin bislang in der Regel Levemir empfohlen. Denn aufgrund seines vergleichsweise kurzen Wirkfensters von 12 bis 14 Stunden kann man seine Dosierung bei wechselndem Aktivitätslevel von Tag zu Tag anpassen, ohne Überlappungen zu riskieren. „Wenn ein Sportprofi zu einem Wettkampf ins Ausland fliegt, sitzt er oft 20 Stunden bewegungslos im Flieger und braucht entsprechend mehr Insulin. Doch wenn er am Zielort ankommt, geht es oft direkt ins intensive Training“, erzählt Thurm. Bei einem von ihr betreuten Athleten etwa schwanke der Basalbedarf zwischen 2x täglich 2IE Levemir in hochaktiven Phasen und 2x täglich 20 IE Levemir in bewegungsarmen Phasen.

Für mich passt ein langwirksames Basalinsulin prima

Das sind natürlich krasse Schwankungen im Basalbedarf, die man mit einem länger wirksamen Basalinsulin nicht abfangen kann. Ich persönlich fahre ja bestens mit dem Basalinsulin Lantus, das bei mir um die 24 Stunden lang wirkt. In der Regel reduziere ich meine tägliche Dosis Lantus auch dann nicht, wenn ich im Lauf des Tages eine Sporteinheit plane. Stattdessen achte ich darauf, zur letzten Mahlzeit vor der Sporteinheit einen etwas reduzierten Bolus zu spritzen und mit einem Glukosewert zwischen 150 und 180 mg/dl zu starten. Meine tägliche Basaldosis passe ich nur dann an, wenn z. B. Jahreszeitenwechsel oder Wechseljahre meine generelle Insulinempfindlichkeit beeinflussen. Aber da geht es um allgemeine Beobachtungen über Wochen, nicht um Dosisanpassungen von Tag zu Tag, um auf sportliche Aktivität Rücksicht zu nehmen. Allerdings fallen meine Sporteinheiten sowohl von der Länge als auch von der Intensität her eher gemütlich aus. Kein Vergleich zu Profis oder ambitionierten Hobbyathlet*innen, die 150 Kilometer lange Radausfahrten oder Drei-Stunden-Läufe in ihr Training einbauen, weil sie sich z. B. auf eine Mittel- oder Langdistanz im Triathlon vorbereiten. Außerdem jette ich weder für Urlaubsreisen um die ganze Welt, noch um bei internationalen Turnieren zu glänzen – Langstreckenflüge mit stundenlangem Stillsitzen kommen in meinem Leben also ebenfalls nicht vor. Ich bin mit Lantus also gut bedient, ein kürzer wirksames und damit flexibleres Insulin wie Levemir brauche ich persönlich nicht.

Nicht nur Sportprofis haben schwankenden Basalbedarf

Doch Menschen wie die von Ulrike betreuten Sportskanonen schwören auf Levemir, denn kein anderes auf dem Markt erhältliches Insulin weist ein Levemir vergleichbares Wirkprofil auf. Entsprechend gelingen kurzfristige Anpassungen an eine schwankende Insulinempfindlichkeit mit anderen, längerwirksamen Basalinsulinen wie Toujeo, Lantus oder Tresiba nicht. Ulrike betont allerdings auch: „Das Thema betrifft aber nicht nur Sportprofis, sondern z. B. auch Menschen, die unter der Woche als DHL-Bote täglich 20.000 Schritte laufen und am Wochenende die Beine hochlegen. Oder Büroangestellte, die in der Woche kaum aktiv sind und dafür am Wochenende große Radtouren mit der Familie unternehmen“, meint die Diabetesberaterin. Daneben sei Levemir aber auch als Ausweichinsulin beliebt, wenn Pumpenträger*innen ihre Pumpe einmal für einen Wellness-Tag mit Sauna und Moorpackung ablegen möchten. „Oder wenn Leute feiern gehen und bei einer Party viel Alkohol trinken. Dann kann man mit Levemir nachts die Basaldosis um 50% reduzieren, um die Blockade in der Leber zu überbrücken.“

Novo Nordisk passt sein Insulinangebot weltweit an

Mit der vom Hersteller Novo Nordisk Ende September 2024 als Teil einer globalen Initiative angekündigten Anpassung des Insulinangebots entfallen diese Möglichkeiten Ende 2025. Neben Levemir wird auch das NPH-Basalinsulin Protaphane ab 2026 nicht mehr verfügbar sein. Ein weiteres Jahr später werden auch das Humaninsulin Actrapid und das NPH-Mischinsulin Actraphane vom Markt genommen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es auch beim schnellwirksamen Insulinanalogon Fiasp Änderungen gibt: Es wird ab 2027 nicht mehr als vorgefüllte Pumpenpatrone erhältlich sein, allerdings unverändert als Durchstechflasche, Penpatrone oder Einwegpen.

Steigende Nachfrage nach anderen Diabetestherapien

Novo Nordisk begründet die Bereinigung seines Insulin-Portfolios mit dem drastischen Rückgang von Verordnungen, im Fall von Levemir um 47% über einen Zeitraum von zehn Jahren. So seien 2024 nur noch 3% der verordneten Diabetesinjektionstherapien auf Levemir entfallen. (Mir ist übrigens erst spät, nachdem mein Artikel in der Diabetes Zeitung bereits erschienen war, aufgefallen, dass mit dem Begriff „Diabetesinjektionstherapien“ vermutlich auch der Blockbuster Ozempic gemeint ist – der Anteil von Levemir an den verordneten Insulinen dürfte also immer noch höher als 3% sein.) „Über die vergangenen Jahre haben wir viele neue Produkte auf den Markt gebracht, ohne dabei ältere und immer weniger nachgefragte Medikamente und Darreichungsformen vom Markt zu nehmen“, erklärt das Unternehmen auf Anfrage. Allerdings beanspruche die Herstellung dieser Produkte in unterschiedlichen Dosierungen bzw. Darreichungsformen hohe Kapazitäten. Gleichzeitig gebe es eine steigende Nachfrage nach den modernen Arzneimitteln von Novo Nordisk. „Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen und langfristig mehr Menschen zuverlässig mit modernen Diabetestherapien versorgen zu können, müssen wir sehr genau abwägen, welche Therapiealternativen wir anbieten und wie wir unsere Produktionskapazitäten bestmöglich nutzen.“ Mit der geplanten Angebotsbereinigung stärke man „auf lange Sicht die Verfügbarkeit und den Einsatz moderner Therapien weltweit“.

Produktionskapazitäten für die ‚Abnehmespritze‘ erweitern

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes oder Adipositas sind das sicherlich gute Neuigkeiten, da Novo Nordisk dank der Marktbereinigung bei seinen frühen Insulinen die Produktionskapazitäten u. a. für den stark nachgefragten GLP1-Rezeptoragonisten Ozempic ausweiten kann. Hier war es in der Vergangenheit angesichts des Hypes um die ‚Abnehmspritze’ bekanntlich zu Lieferengpässen gekommen. Das finde ich grundsätzlich natürlich begrüßenswert. Denn ohne Frage sind Medikamente wie Ozempic eine großartige Bereicherung für die Therapie von Typ-2-Diabetes und/oder Adipositas. Blöd finde ich hingegen, dass dies zulasten derjenigen geht, die m Rahmen einer ICT Levemir als Basalinsulin nutzen. Denn sie müssen sich wohl oder übel auf einen Wechsel zu einem anderen Basalinsulin einstellen.

Gemische Gefühle in der Typ-1-Community

In der Community sorgt das für gemischte Gefühle, wie ich bei meiner Umfrage in einer Facebook-Gruppe zu Typ-1-Diabetes herausgefunden habe. Hier mal ein paar Stimmen, die ich dabei eingefangen habe:

„Da die Info sehr neu für mich ist, habe ich mir noch keine Gedanken machen können, wie es weitergeht. Eine Umstellung auf andere Thereapieformen (z. B. Pumpe) kann ich mir nur schwer vorstellen. Bis auf wenige Ausreißer bin ich mit der aktuellen Therapie durchaus zufrieden (HbA1c 5,9-6,3).“

„Rein wirtschaftlich gesehen macht es Sinn, die Produktionskapazitäten für andere profitablere Produkte frei zu machen. Ob ein Unternehmen immer nur rein nach Profitmaximierung agieren sollte, ist eine andere Frage.“

„Levemir ist das einzige moderne Basalinsulin, das stark unterschiedliche Tag- und Nacht-Basalraten abdecken kann. Es verschwindet ein Stück Vielfalt in der Auswahl der Basalinsuline. Jeder Mensch und jeder Diabetes ist unterschiedlich, dafür brauchen wir auch eine Vielfalt an Insulinarten.“

„Sich in diesen unruhigen Zeiten (Krieg…) über die Verfügbarkeit von lebenswichtigem Insulin Gedanken machen zu müssen, macht Angst. Aus meiner Sicht geht es mal wieder NUR um den Profit.“

„Ich gehe auch klettern, und für mich war es da mit dem Katheter der Pumpe schwierig. Auch die Unterbringung der Pumpe ist da ein Problem. Dass der Diabetes gut eingestellt ist, geht aber vor. Wenn es gar nicht funktioniert, wird wohl nur der Umstieg auf eine Insulinpumpe bleiben.“

Hilfestellung von Fachgesellschaft und Behörde für den Wechsel

Auch die DDG bedauert, dass für die Wahl individueller Behandlungsmöglichkeiten und für die kontinuierliche Sicherstellung langjähriger erfolgreicher Routinebehandlungen das Angebot an Insulinen kleiner wird. Betroffenen und ihren Behandlungsteams empfiehlt die DDG nachdrücklich, die Umstellung frühzeitig zu planen und geeignete Alternativen zu identifizieren, um mögliche Unsicherheiten zu reduzieren. Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) macht man sich ebenfalls Gedanken zum Prozess: Hier wurde eine klinische Expertengruppe zur Erörterung der Auswirkungen auf die Patientenversorgung – einschließlich Umstellungsoptionen – implementiert, die sich auch mit den anderen EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) abstimmt. Ungeachtet der Probleme, die der Wegfall eines Arzneimittels für einzelne Gruppen von Patient*innen bedeutet, betont das BfArM aber auch: „Grundsätzlich steht es den Unternehmen jedoch frei, entsprechende Portfoliobereinigungen durchzuführen; eine Verpflichtung der Weiterproduktion besteht nicht.“

Rückschritt in die Steinzeit der Diabetologie

Für Ulrike Thurm sind das keine zufriedenstellenden Antworten. Die Gruppe der Menschen mit Typ-1-Diabetes, denen Levemir auch im Rahmen einer ICT eine flexible Therapieanpassung an wechselnde Insulinempfindlichkeit ermöglicht, mag zwar klein sein. Doch was das Levemir-Aus für sie bedeutet, schildert sie mit deutlichen Worten: „Das ist ein Rückschritt in die Steinzeit der Diabetologie, als die Menschen ihr Leben an die Insulintherapie anpassen mussten und nicht umgekeht die Insulintherapie an ihr Leben.“

Bisherige Lösungsvorschläge überzeugen mich nicht

Ich habe mir im Zuge dieser Recherche viele Gedanken zu diesem Thema gemacht, die leider allesamt zu keinem wirklich befriedigenden Ergebnis geführt haben. Einerseits gebe ich Ulrike hundertprozentig recht und kritisiere den Levemir-Hersteller Novo Nordisk dafür, dass er eine kleine Gruppe Typ-Einser dieser Therapiemöglichkeit beraubt. Die Lösungsvorschläge, die in meinen Gesprächen mit Novo Nordisk aufkamen – also Umstieg auf ein langwirkenden Insulinanaloga wie Insulin glargin (Lantus), Insulin degludec (Tresiba) oder gar das ultralangwirksame neue Insulin icodec (Awiqli) oder Wechsel zu einer Insulinpumpe – konnten mich nicht überzeugen. Denn mit Lantus und Tresiba, erst recht aber nicht mit dem 7 Tage lang wirksamen Awiqli kann man nun einmal nicht im Verlauf von 24 Stunden die Dosierung des Basalinsulins flexibel an passen. Und für manche Menschen ist eine Insulinpumpe nun einmal keine Option – siehe das Beispiel Bouldern, aber auch Kontaktsportarten, bei denen man sich den Katheter oder die Patchpumpe allzu leicht herausreißen kann.

Ethische Verantwortung gegenüber kleinen Patientengruppen

Andererseits muss man natürlich akzeptieren, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen sein Produktportfolio am Markt ausrichtet und weniger nachgefragte Produkte irgendwann auslaufen lässt. Zumal, wenn dafür Produktionskapazitäten für andere Produkte freiwerden, für die es großen Bedarf gibt und die für viele Menschen ein echter Gamechanger sind. Mich beschäftigt dabei allerdings auch die Frage nach der ethischen Verantwortung auch kleinen Patientengruppen gegenüber. Wie klein muss eine solche Gruppe sein, damit man ihre Bedürfnisse ruhigen Gewissens ignorieren darf? Darf man das überhaupt, egal wie wenige Betroffene es gibt? Denn schließlich ist die Pharmaindustrie keine x-beliebige Branche, sondern eine, in der es um lebenswichtige Therapien geht.

Lieferschwierigkeiten für Komponenten eines Nischenprodukts

Ich musste dabei immer wieder an die Geschichte von Maike Neuschulz denken, die im Spiegel eindrücklich geschildert wurde und deren Autorin Nina Weber dafür absolut verdient den DDG-Medienpreis 2024 in der Kategorie ‚Lesen‘ gewonnen hat. Maike Neuschulz hat Typ-1-Diabetes und ist auf einen Diaport der Firma Roche angewiesen, weil sie als jungen Erwachsene eine sehr seltene subkutane Insulinresistenz entwickelte. Das bedeutet, dass bei ihr unter die Haut gespritztes Insulin kaum eine Wirkung entfaltet – eine klassische Therapie mit Insulinpen oder Insulinpumpe scheidet damit aus. Seit 1994 trägt sie daher ein Port-System, das Insulin direkt in die Bauchhöhle abgibt. Neben ihr nutzen nur etwa 30 andere Menschen in Deutschland einen solchen Port. Nun aber sind einzelne Komponenten des Systems nicht mehr verfügbar, was den Hersteller Roche dazu veranlasst hat, das System bis Ende 2025 vom Markt zu nehmen. Wenn alle gehorteten Verbrauchsmaterialien aufgebraucht sind, bleibt für die Patientin nur noch die Bauchspeicheldrüsentransplantation als Behandlungsoption – mit all ihren Risiken und Unabwägbarkeiten. Lest die Geschichte mal, sie ist wirklich bedrückend. Und sie führt einem sehr deutlich vor Augen, was es bedeutet, wenn es nur sehr wenige Betroffene und damit lediglich einen klitzekleinen Markt für ein Medizinprodukt gibt. Dann ist der Ehrgeiz eines Unternehmens einfach nicht sonderlich groß, bei Lieferschwierigkeiten einzelner Komponenten nach Alternativen zu fahnden.

Bei den Menschen, die als Basalinsulin auf Levemir schwören, geht es – anders als bei Maike Neuschulz – zwar nicht unmittelbar um Leben oder Tod. Aber haben nicht auch sie ein Recht auf eine bedarfsgerechte Therapie, mit der sie ihr Leben und ihren Alltag genauso gestalten können, wie sie es wollen?

4 Kommentare zu “Was tun, wenn es demnächst kein Levemir mehr gibt?

  1. Pingback: Viele spannende Projekte: Mein Rückblick auf 2025 – Antje Thiel

  2. Avatar von Margrit

    Danke viel mal

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  3. Avatar von Nicole Genet

    Liebe Antje

    Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich finde es wichtig, dass sich die Verantwortlichen dieses Problems bewusst werden. Ich bin Mutter eines sportlichen 12 Jährigen und befasse mich nun genau mit dieser Problematik. In den USA ist eine grosse Kampagne im Gange, die versucht, Novonordisk und auch den Senat, auf die Gründe für die Weiterführung von Levemir hinzuweisen. Man versucht jemanden zu finden, der ein Biosimilar herstellt. Weil für gewisse Bevölkerungsgruppen sind die Alternativ-Insuline einfach kein valabler Ersatz.

    In gewissen Ländern gibt es z.B. keine Pumpen und wenn, dann kann sich das nicht jeder leisten.

    Nicht nur für sportliche Menschen ist Levemir unerlässlich. Mädchen in der Pubertät, Frauen mit Hormonumstellung, Schwangere – für all diese Gruppen ist es wichtig ein flexibleres Langzeit-Insulin zu haben. Für Schwangere ist Levemir anscheinend das beste Insulin überhaupt.

    Dass unsere Gesundheitskosten exorbitant steigen, wenn nun alle Levemir-Sportler/Schwangere/Pupertiere/Frauen eine Pumpe beantragen, müsste eigentlich auch die Politik interessieren. Eine ICT ist nun mal einfach viel günstiger als die Pumpentherapie. Wenn man diese zig Millionen Mehrkosten mal aufzeigen würde, würden die Gesundheitspolitiker eventuell auch reagieren. Freie Marktwirtschaft und lebenswichtige Medikamente sind nun mal nicht einfach unregulierbar.

    Guck mal hier, die Versuche aus den USA: https://alliancetoprotectinsulinchoice.org/

    Eigentlich darf das nicht passieren. Aber auch hier in der Schweiz interessiert sich kein Mensch dafür.
    Ich hoffe, dass sich genügend Menschen in wichtigen Positionen dem Problem annehmen, aber bisher scheint das gar nicht der Fall zu sein.

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz
    Nicole

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    • Avatar von Antje Thiel

      Liebe Nicole,
      vielen Dank für deinen Kommentar – das sind wichtige Hinweise, insbesondere auf den fehlenden Zugang zu Pumpen und AID-Systemen in weniger privilegierten Ländern. Die Initiativen in den USA sind mir bei meinen Recherchen natürlich auch begegnet, dort hat das Thema durch das wenig soziale Versicherungssystem ja nochmal eine ganz andere Brisanz. Ich habe übrigens über einen anderen Kanal mitbekommen, dass Pfizer wohl ein Biosimilar für Levemir entwickelt, aber ich habe noch keine offizielle Quelle dazu. Ich bleibe dran und werde bei Gelegenheit wieder berichten!
      LG Antje

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