Süß, happy und fit

Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Jedes Labor misst anders, oder: Mal habe ich Antikörper und mal habe ich sie nicht…

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In den vergangenen zwei Wochen war ich im Urlaub und habe daher nicht gebloggt – auch mal ganz schön. Dafür gibt es jetzt so vieles, mit dem ich hier im Rückstand bin. Eines dieser Dinge ist meine rätselhafte Schilddrüse, die sich immer noch weniger eindeutig verhält als man sich das wünschen würde.

Ich hatte hier zuletzt ja geschrieben, dass (möglicherweise, weil das Thiamazol seine Wirkung entfaltet?) mein Insulinbedarf im Sinkflug war, was mir besonders beim Sport in Sachen Kohlenhydratzufuhr etliche Freifahrscheine verschaffte. Nun ist es ja ab und an ganz nett, ein paar Naschereien für lau (sprich: ohne Insulindosis) verdrücken zu können. Aber wenn eine recht gewöhnliche Sporteinheit eine Kohlenhydrat-Orgie von einem Sportgel, zwei Kugeln Eis in der Waffel und danach eine ganze Tafel Schokolade erfordert um den Zucker einzupendeln, dann ist das auf Dauer weder Genuss, noch figurfreundlich.

So viele Extra-Kohlenhydrate… Wie soll das erst im Aktivurlaub werden?

Also fragte ich meinen Diadoc um Rat. Denn zu unserem anstehenden Urlaub am Gardasee (aus dem ich inzwischen zurückgekehrt bin, aber darüber erzähle ich später noch) wollten mein Mann Christoph und ich die Rennräder mitnehmen und als flachlanderprobte Nordlichter mal ausprobieren, wie sich knackige Steigungen in den Oberschenkeln anfühlen. Wanderungen in den Bergen hatten wir uns ebenfalls vorgenommen. Und da stand mir nicht der Sinn nach immer mehr, mehr, mehr Kohlenhydraten, nur um beim Aktivurlaub nicht von einer Hypo in die nächste zu schlittern. Ich wollte also wissen, ob dieses Phänomen am Thiamazol liegen könnte, das die Überfunktion meiner Schulddrüse vielleicht trotz der geringen Dosierung allzu massiv ausbremst – oder ob vielleicht schon der Umschwung in die Unterfunktion eingesetzt hatte.

Thiamazol reduzieren? Ganz absetzen? Anderes Medikament?

„Das können wir nur mit einer neuen Blutentnahme herausfinden“, meinte mein Diadoc. Und so flitzte ich am Montag, zwei Tage vor dem Urlaub, noch fix in die Praxis zum Blutabzapfen. Einen Tag, spätestens zwei Tage später sollte das Ergebnis da sein. Dann würde er mich anrufen, mir die Laborergebnisse mitteilen und mir erklären, ob ich ggf. die Thiamazol-Dosis reduzieren, das Medikament ganz absetzen oder gar schon auf Thyroxin umschwenken soll. Natürlich waren die Laborwerte noch nicht am Dienstag Nachmittag da. Und natürlich dauerte die Sprechstunde am Montag eher länger, bis der Diadoc sein Zeitfenster für Telefonate hatte.

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Elektronische Gesundheitskarte mit Rezeptfunktion – schön wär’s!

Derweil saß ich auf gepackten Koffern und ärgerte mich, dass es noch keine Rezeptfunktion auf der elektronischen Gesundheitskarte gibt. Das wäre doch eine feine Sache: Wir hätten unabhängig von dem Telefonanruf aufbrechen können. Mein Diadoc hätte mich auf dem Handy erreichen, mir alles erklären können und dann bei Bedarf ein Rezept auf meine Karte bzw. den dazugehörigen Datensatz speichern können. Dieses Rezept hätte ich dann in jeder x-beliebigen Apotheke unterwegs in Deutschland einlösen können. Doch die vielen Zusatzfunktionen, die eine elektronische Gesundheitskarte eigentlich erst so richtig interessant machen würde, gibt es ja hierzulande immer noch nicht. Und so musste ich zu Hause ausharren und auf den Anruf warten – denn für den Fall, dass ich ein neues Medikament benötige, hätte ich ganz analog in meiner Diapraxis erscheinen und ein Papierrezept abholen müssen.

Ich darf nach persönlichem Empfinden die Thiamazol-Dosis reduzieren

Als das Telefon endlich klingelte, gab es erst einmal Entwarnung. Meine Schilddrüsenwerte hatten sich unter der Medikation normalisiert. Mein subjektives Empfinden bestätigte das auch: Das lästige nächtliche Schwitzen war weniger geworden, meine Psyche war wieder im Aufwind, ich konnte mich wieder aufraffen und auf Dinge konzentrieren. Mein Diadoc sah keinen konkreten Handlungsbedarf, etwas an der Medikation zu ändern – fand aber, dass es ausreichend Spielraum gibt und ich die Dosierung auch nach eigenem Empfinden halbieren könnte, wenn ich denn allzu viel dazufuttern und ständig Insulin reduzieren muss und mich damit nicht mehr wohl fühle. Ich beschloss also, bei Bedarf die Thiamazol-Tabletten zu halbieren, wenn ich beim Sport nicht einen Fahrradanhänger voll Traubenzucker hinter mir herziehen wollte, und war zufrieden mit dieser Urlaubsansage.

Laborgerät ist nicht gleich Laborgerät: Eines misst Antikörper, ein anderes nicht

Mein Diadoc erwähnte aber auch, dass sein Labor erneut erhöhte TRAK (sprich: TSH-Rezeptor-Antikörper, die eigentlich auf einen M. Basedow hinweisen) gefunden hatte. Allerdings arbeitet er mit einem anderen Labor zusammen als der Endokrinologe, der keine auffälligen TRAK entdeckt und deshalb doch wieder auf eine beginnende Hashimoto-Thyreoiditis getippt hatte. Mein Diadoc hatte deswegen extra nochmal mit dem Laborarzt telefoniert, der ihm nicht nur etwas über Messgenauigkeit, sondern auch über Kreuzreaktionen und daraus resultierende falsch-positive Antikörper im Blut erzählte. Was mich prompt daran erinnerte, dass ich nach meinem Urlaub noch einen Artikel über eine Sitzung beim DDG-Kongress zum Thema Labordiagnostik schreiben muss, in dem es genau um das Thema Messgenauigkeit (nicht etwa von Geräten für den Hausgebrauch, sondern von Laborgeräten!) ging. Denn sogar bei den Laborgeräten sind enorme Abweichungen möglich und auch zulässig – ein Umstand, mit dem die Experten nicht unbedingt zufrieden sind. Doch auch dazu später mehr (ich komme gar nicht hinterher mit den vielen Dingen, von denen ich hier erzählen will!).

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Eine ganze Tablette Thiamazol hat sich nun doch bewährt

Für mich sieht es nach diesem Hin und Her mit den verschiedenen Labors also weiter so aus, als handele es sich bei mir um den Anfang eines Hashimoto, wie er so häufig als Begleitprogramm bei Menschen mit Typ-1-Diabetes auftritt. Im Urlaub habe ich dann trotz der Erlaubnis zur Dosisreduktion durchgängig meine ganze Tablette Thiamazol beibehalten. Zum einen fand ich es im Urlaub einfach schön, zwei Kugeln Eis in der Waffel verdrücken zu können, ohne den Insulinpen zu zücken – ein kleiner Spaziergang durch die engen Gassen von Arco (5 Kilometer nördlich vom Gardasee gelegen) reichte dann meist aus, um den Zuckerwert in normale Grenzen zu halten. Zum anderen war ich im Urlaub nicht so aktiv wie geplant und musste mir um Sport-KE gar nicht so viele Gedanken machen. So bin ich am Gardasee leider nur ein einziges Mal Rennrad gefahren und auch nur einmal richtig gewandert. Doch das ist eine andere Geschichte, die ich in Kürze hier erzählen werde. 🙂

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