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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Heute ist Welt-Blutspendetag – aber warum dürfen Typ-Einser eigentlich nicht spenden?

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Anlässlich des Weltblutspendentags heute am 14. Juni 2019 hat die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) darauf hingewiesen, dass in Zukunft besonders auf die ausreichende Versorgung mit Spenderblut geachtet werden muss und zur regelmäßigen Blutspende aufgerufen. Menschen mit Typ-1-Diabetes sind vom Blutspenden zwar ausgeschlossen, für mich ist das Stichwort „Blutspende“ trotzdem immer sehr bedeutsam – denn mein Diabetes wurde rein zufällig bei einer Blutuntersuchung nach dem Blutspenden entdeckt.

Die ausreichende Versorgung mit Blutprodukten in Deutschland wird aufgrund des demografischen Wandels zu einer immer größeren Herausforderung. Die Zahl der möglichen Blutspender zwischen 18 und 65 Jahren nimmt konstant ab. Gleichzeitig gibt es immer mehr ältere Menschen, die einen höheren Bedarf an Blutprodukten haben. „Wir beobachten seit einigen Jahren eine Zunahme der Patienten höheren Alters, die mehr Blut brauchen“, erläutert Professor Dr. med. Hermann Eichler, erster Vorsitzender der DGTI. Zwar dürften auch Menschen über 65 Jahren Blut spenden, wenn der voruntersuchende Arzt sie für geeignet hält, das sei aber seltener der Fall als bei jüngeren Menschen.

Lange Liste von Ausschlusskriterien beim Blutspenden

Grund hierfür sind die vielen Erkrankungen und gesundheitlichen Einschränkungen, die nun einmal mit zunehmendem Lebensalter eher mehr als weniger werden und einen Ausschluss vom Blutspenden bedeuten können. Das Rote Kreuz hat hierzu eine ausführliche Liste veröffentlicht, bei welchen Erkrankungen und weiteren Gesundheitsfaktoren Menschen von der Blutspende ausgeschlossen sind. In dieser langen Liste findet sich u. a. auch der Typ-1-Diabetes bzw. generell der mit Insulin oder anderen Medikamenten behandelte Diabetes, unabhängig vom Diabetestyp.

Manche Typ-Einser geben ihren Diabetes nicht an und spenden trotzdem

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Beim Arztgespräch vor der Blutspende einfach den Typ-1-Diabetes verschweigen um spenden zu können? Keine gute Idee! (Bildquelle: DRK Nürnberg)

In diversen Facebook-Gruppen oder anderen Online-Foren habe ich hierzu immer wieder einmal Kommentare von Menschen gelesen, die kein Verständnis für diese Einschränkungen zeigten. Sie brüsteten sich zum Teil sogar damit, dass sie trotz Typ-1-Diabetes Blut gespendet und ihre Stoffwechselerkrankung einfach nicht angegeben haben. Dieses Verhalten empfinde ich als ziemlich verantwortungslos. Natürlich steckt der gute Willen dahinter, anderen Menschen mit dem eigenen Blut zu helfen. Und natürlich fühlen sich viele Typ-Einser nicht sonderlich eingeschränkt durch ihren Diabetes. Typ-1-Diabetes ist bekanntlich auch nicht ansteckend, warum sollte das Blut also schlechter sein als das stoffwechselgesunder Menschen?

Die Ausschlussgründe bei Typ-1-Diabetes sind absolut nachvollziehbar

Die Blutspendedienste haben hierfür nun einmal klare Richtlinien. Ich zitiere einmal aus einer Meldung des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes von November 2018: „Ein Grund dafür ist, dass die Gefahr für Blutzuckerentgleisungen beim Spender steigt. Aber auch beim Spendeempfänger kann es durch das Insulin im gespendeten Blut zu Nebenwirkungen kommen, die den meist bereits geschwächten Empfängern zusätzlichen Schaden zufügen könnten.“ Ich halte dies für absolut nachvollziehbare Gründe. Denn immerhin wird einem beim Blutspenden in der Regel ein halber Liter Blut abgezapft, dessen Fehlen Kreislauf und Stoffwechsel erst einmal kompensieren müssen. Ich habe damals, bevor ich meine Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten habe, beim Blutspendedienst immer wieder einmal Menschen beobachtet, die nach ihrer Blutspende wackelig auf den Knien waren oder sogar kollabiert sind, weil ihr Kreislauf streikte. Zum Glück hat sich dabei nie jemand ernstlich verletzt – doch die Gefahr besteht, wenn man aus heiterem Himmel einfach umkippt.

Wer eine Blutkonserve braucht, ist schwerstverletzt oder schwerkrank

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Bildquelle: DRK Nürnberg

Wenn bei einem Typ-1-Diabetes auf einmal ein halber Liter weniger Blut im Umlauf ist, kann dies das sensible Gleichgewicht von Glukose und Insulin ganz schön aus dem Gleichgewicht bringen – das Risiko wollen und können die Blutspendedienste nicht eingehen, man sollte sie also auch nicht durch das Verschweigen seiner Erkrankung dazu nötigen. Ebenso sollte man ihnen kein Blut „unterjubeln“, das möglicherweise Insulin in anderen Mengen enthält als dies bei stoffwechselgesunden Menschen der Fall ist. Wer eine Blutkonserve braucht, ist in der Regel schwerst verletzt oder anderweitig schwer krank – da sollte es sich doch eigentlich von selbst verstehen, dass man hier nicht mit Blutspenden arbeiten möchte, die ein gewisses – möglicherweise sehr kleines, aber eben doch nicht zu vernachlässigendes – Risiko bergen.

Mein Diabetes wurde nach einer Blutspende entdeckt

Ich habe mich deshalb – wenn auch schweren Herzens – damit abgefunden, dass ich zum Blutspenden nicht mehr zugelassen werde. Natürlich werde ich auch keinen Versuch unternehmen, mich durch Verschweigen relevanter Informationen irgendwie unter die Blutspender zu mogeln. Dabei ist das Thema Blutspenden für mich durchaus sehr emotional besetzt. Denn bis zu meiner Diagnose war ich etliche Jahre lang regelmäßige Blutspenderin und habe mich bemüht, keinen Termin auszulassen. Doch dann flatterte mir eines Tages nach meiner Blutspende ein automatisierter Brief des Roten Kreuz ins Haus. Man hatte nämlich außer der Reihe, als kleinen Service für die Blutspender, den Blutzuckerwert bestimmt. Ich bekam Post, weil mein Wert irgendwo bei 380 mg/dl lag. Ich tippte zunächst auf einen Messfehler, weil ich keines der typischen Diabetes-Symptome wie übermäßigen Durst und ständiges Wasserlassen hatte. Doch beim Termin in der Hausarztpraxis und später dann beim Diabetologen stellte sich heraus, dass die Messung beim Roten Kreuz korrekt war.

Meine Blutspende hat mich vor einer lebensbedrohlichen Ketoazidose bewahrt

Dank meiner Blutspende wurde mein Typ-1-Diabetes erkannt, bevor ich Symptome entwickeln konnte. Meine Blutspende hat mich also vermutlich vor einer gefährlichen diabetischen Ketoazidose bewahrt, mit der die Diabeteskarriere der meisten Typ-Einser beginnt. Ich bin also nicht nur froh, mit meinen Blutspenden vielleicht anderer Leute Leben gerettet zu haben, so lange es mir möglich war. Die Blutspende hat auch mich vor einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung bewahrt. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Deshalb mein dringender Appell an alle, die Blut spenden dürfen und können: Bitte geht hin und helft, Leben zu retten. Und mein Wunsch an alle anderen: Bitte lasst es einfach bleiben. Es gibt auch noch viele andere Möglichkeiten, sich sinnvoll für das Gemeinwohl einzusetzen.

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