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Diabetes-Blog-Woche 2018: Wir schreiben Anno 2028 und mein Diabetes ist einfach nur eine harmlose Dysbalance

5 Kommentare

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31. Juli 2028. Heute ist ein großer Ausnahmetag, für den ich eigens noch einmal dieses Retro-Kommunikations-Tool namens „Blog“ herauskrame. Für die Jüngeren unter euch: Bloggen war vor zehn Jahren ein beliebter Zeitvertreib unter Typ-Einsern. Heute, im Jahr 2028, kenne ich kaum noch funktionstüchtige customized iTransformer, die mit der alten „WordPress“-App von damals noch klarkommen. Aber was tut man nicht alles, um ein Aufsatz-Thema der Diabetes-Blog-Woche erfolgreich zu bearbeiten.

Ich blogge also mal wieder. Ehrlich gesagt, sind meine Finger deutlich ungelenker als vor zehn Jahren. Kein Wunder – schließlich ist es lange her, dass ich zuletzt einen Text getippt habe. Aber da das gute alte WordPress nun einmal keine Spracheingabe beherrscht wie all die Apps, mit denen wir heutzutage arbeiten, muss ich da jetzt wohl durch. Denn ich möchte euch ein paar der Dinge in Erinnerung rufen, die sich in den vergangenen 10 Jahren auf dem Markt für Menschen mit Diabetes getan haben. Doch bevor ich nostalgisch werde, checke ich lieber einmal meinen 360°-Emo-Score und klebe mir ein neues Oxytocin-Insulin-X-Kombipflaster auf.

Oxytocin-Pflaster für die transdermale Applikation des Kuschel-Hormons

Womit wir schon mitten im Thema sind. Diese Pflaster sind ein noch recht neuer heißer Scheiß. Und zwar ziemlich genau seit dem 2. Februar 2023, als ein Forscherteam aus Frankreich einen Zusammenhang zwischen Blutzuckerspiegel und dem damals noch als „Kuschel-Hormon“ verniedlichten Oxytocin nachweisen konnten. Je höher der Oxytocin-Spiegel, desto stabiler der Glukoseverlauf. Und da man nun einmal nicht den lieben langen Tag im Bett verbringen und den Diabetes de facto wegkuscheln kann (sogar im Jahr 2028 ist das im Erwerbsleben eher hinderlich), hat ein kleines Start-Up 2024 mit einem Oxytocin-Pflaster für die transdermale Applikation des Kuschel-Hormons einen Coup gelandet. Das Start-Up wurde übrigens in Windeseile von Google aufgekauft, und niemand erinnert sich mehr an seinen Namen. Zum Glück waren 2022 endlich die EU-Zulassungsprozesse für neue Arznei- und Hilfsmittel vereinheitlicht und so reformiert worden, dass Innovationen nun nicht mehr 10, sondern maximal anderthalb Jahre brauchen, bis sie auf den Markt gelangen.

Sensor unter der Haut misst den 360°-Emo-Score

Die beschleunigten Zulassungswege haben Wissenschaftler und Technik-Nerds enorm beflügelt. Schon ein Jahr später, 2025, waren neue Sensoren erhältlich, mit denen man seinen 360°-Emo-Score ermitteln kann. Die Sensoren sind flach wie ein Stück Bastelkarton und werden auf Höhe der Smartwatch unter die Haut des Unterarms implantiert. Neben der Plasmaglukose messen sie auch den Oxytocin-, Adrenalin-, Serotonin-, Dopamin- und Cortisol-Spiegel, Östrogen- und Testosteron-Level, Blutfette, diverse Tumormarker, Schilddrüsenhormone sowie den Anteil diverser Vitamin- und Mineralstoffe im Blut. Der Wissenschaftler, der den Algorithmus entwickelt hat, der aus all diesen Parametern den 360°-Emo-Score berechnet, hat dafür im selben Jahr verdienterweise den Nobelpreis für medizinische Informatik bekommen.

Meine frühere Diabetespraxis ist schon seit Jahren verwaist

Seit ich mir 2026 erstmals auch einen solchen Sensor habe implantieren lassen, musste ich mir in der Arztpraxis kein Blut mehr abnehmen lassen. Wozu auch – ich habe ständig alle Laborwerte auf meiner Datenbrille im Blick. In einer Arztpraxis war ich überhaupt schon sehr lange nicht mehr. Nachdem mein Diadoc vor ein paar Jahren in den Ruhestand gegangen ist, hatte sich kein Nachfolger für seine Praxis gefunden. Die Praxis ist heute verwaist, daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern. Doch ehrlich gesagt brauche ich auch keinen Diabetologen mehr. Wenn ich einmal Expertenrat brauche, weil mein 360°-Emo-Score rot blinkt, dann wähle ich mich einfach in den 3D-Medichat bei Google ein. Erwähnte ich schon, dass Google sein Portfolio 2020 weltweit deutlich erweitert hat und mit seinen neuen Services weltweit das System der Krankenversicherungen nahezu lückenlos ersetzt hat? Jedenfalls schalte ich dem Customer Service einfach den Zugang zu meinen aktuellen 360°-Emo-Score-Daten frei, schon haben die Experten kompletten Einblick in alles, was meinen Körper und meine Psyche bewegt, und können mir entsprechende Tipps geben.

Bewegung an der frischen Luft? Das ist schon lange her!

A propos „bewegt“: Ich erinnere mich dunkel, dass ich vor zehn Jahren tatsächlich noch aktiver Bewegung, zum Teil sogar im Freien und bei Wettkämpfen, nachgegangen bin. Das entlockt mir ein etwas wehmütiges Lächeln. Denn heute ist das nur schwer vorstellbar, wegen der Luftverschmutzung und der anhaltend hohen Ozonwerte infolge des Klimawandels verlasse das Haus kaum noch. Wenn die Experten im Google Medichat feststellen, dass mein Muskeltonus nachgelassen hat, aktivieren sie direkt das vernetzte EMS-Modul meines Bürostuhls, stimulieren damit meine Muskeln und verbessern binnen fünf Minuten meinen 360°-Emo-Score so nachhaltig, als hätte ich drei Monate lang jeden Tag für einen Halbmarathon trainiert.

Dorothee Bärs Flugtaxis: Einst belächelt, in 2028 Standard!

Wenn ein weiterer Mangel ausgeglichen werden muss, passen die Experten im Medichat sofort die individuelle Zusammensetzung meines Oxytocin-Insulin-X-Kombinationspflasters an und beauftragen eine neue Lieferung per Flugtaxi. Flugtaxis sind übrigens eine Errungenschaft, die auf eine frühere Staatsministerin für Digitalisierung namens Dorothee Bär zurückgehen, die seinerzeit für ihre Idee sehr belächelt wurde. Doch was soll ich sagen: Die Dinger sind einfach große Klasse. Die Frau wurde eindeutig unterschätzt.

Ich habe immer noch Diabetes, doch das nur noch eine harmlose Dysbalance

Ich könnte noch ewig weitererzählen, doch ich fürchte fast, dass ihr mir nicht mehr lange würdet folgen können. Es ist so viel passiert in den vergangenen zehn Jahren! Ich habe zwar immer noch Diabetes, mein Körper produziert kein Insulin. Doch das beeinträchtigt mich im Alltag nicht mehr als irgendeine andere kleine Dysbalance, weil mein Blutzucker über das Oxytocin-Insulin-X-Pflaster ganz einfach in Schach gehalten wird. Freut euch also auf die Zukunft, auch wenn ihr bis hierhin nur Bahnhof verstanden habt!


Morgen geht es übrigens weiter in der Diabetes-Blog-Woche! Und zwar wieder ganz retro mit einem echten 2018er-Thema: „Smarte Insulinpens – the next big thing?“ Stay tuned! 🙂

5 Kommentare zu “Diabetes-Blog-Woche 2018: Wir schreiben Anno 2028 und mein Diabetes ist einfach nur eine harmlose Dysbalance

  1. Wie bereits gestern auch heute wieder ein super Beitrag. Gefällt mir sehr gut 🙂

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  2. Welch super Aussicht. Ich bin dann zwar schon 80, aber zu allem bereit. Schöner Beitrag, ich lese deine Artikel immer wieder gern😉

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