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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Grippeimpfung für Risikogruppen: Wär halt schön, wenn es Impfstoff gäbe!

Ein Kommentar

Eine Impfung gegen das Influenzavirus gehört für mich seit vielen Jahren zur Herbst-Routine. Ich hatte ein einziges Mal in meinem Leben eine echte Grippe – noch vor meiner Diagnose Typ-1-Diabetes – und möchte so etwas nicht noch einmal erleben.

In diesem Jahr wird die Grippeimpfung den bekannten Risikogruppen (über 60-Jährige, Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen und medizinisches Personal) noch einmal deutlich eindringlicher empfohlen als sonst. Man möchte möglichst viele schwere Influenza-Verläufe und damit Engpässe in Krankenhäusern vermeiden, wenn Corona im Herbst und Winter vielleicht noch einmal heftig zuschlägt. Allerdings ist es dieses Jahr gar nicht so leicht, an eine Grippeimpfung heranzukommen. Bei meiner Diabetespraxis und auch bei meinem Hausarzt wurde ich schon auf Ende Oktober / Anfang November vertröstet, weil aktuell alle Impfdosen aufgebraucht sind. In ein paar Wochen soll die nächste Lieferung eintreffen.

Ich muss mich ein paar Wochen gedulden

Ich war ziemlich erstaunt, dass der Impfstoff schon jetzt, also gerade mal zu Beginn der Impfsaison, knapp ist. In meiner Hausarztpraxis gab man mir den Tipp, dass auch viele gynäkologische und Zahnarztpraxen gegen Grippe impfen. Ich könnte ja dort einmal mein Glück versuchen, wenn ich nicht noch ein paar Wochen warten möchte. Gute Idee, doch leider machen offenbar sowohl mein Zahnarzt als auch mein Gynäkologe derzeit Urlaub. Ich werde mich also wohl oder übel gedulden müssen mit meinem Impfschutz. Dabei hätte ich ihn dieses Jahr mitten in der Corona-Pandemie schon gern rechtzeitig gehabt.

Bislang hatten Risikogruppen wenig Lust auf Impfen

Es wundert mich auch, dass schon jetzt ein so großer Teil der verfügbaren Impfdosen „verimpft“ sind, wie es im Ärztejargon so schön heißt. Denn bislang war die Impfbereitschaft auch bei den Risikogruppen nicht sonderlich hoch, wie man beim Robert Koch-Institut (RKI) nachlesen kann. So haben sich in der Grippesaison 2018/2019 in den Bundesländern nur zwischen 20 und 50 Prozent der Menschen mit chronischen Erkrankungen gegen Influenza impfen lassen. Auch in diesem Jahr ist trotz Corona die Impfbereitschaft nicht sonderlich hoch: In den Medien kursieren Umfrageergebnisse, wonach fast jeder zweite Erwachsene, der zu einer Risikogruppe gehört, sich nicht gegen Grippe impfen lassen will.

25 Millionen Impfdosen für die aktuelle Grippesaison

Ich persönlich finde das unvernünftig. An den Gründen für meine Einschätzung hat sich seit meinem Blogbeitrag von 2016 zu diesem Thema auch nichts geändert. Allerdings muss man die Dinge auch mal ganz nüchtern durchrechnen. Denn allein um alle Menschen zu impfen, die zu den Risikogruppen gehören, bräuchte es nach Angaben der Ständigen Impfkommission (StIKO) am RKI etwa 40 Millionen Impfdosen. Für die kommende Grippe-Saison sind aber nur 25 Millionen Impfdosen vorrätig. Die Rechnung geht also ohnehin nur auf, wenn wirklich nur etwas mehr als die Hälfte der Leute aus den Risikogruppen ihre Impfung einfordern.

Grippeimpfung ist „das neue Klopapier“

Deshalb empfinde ich es gelinde gesagt als eine Frechheit, wenn Kinderärzte (mit der Rückendeckung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn!) fordern, dass alle Kinder gegen Influenza geimpft werden. Auch Karl Lauterbach hat medienwirksam verlangt, dass alle gesetzlich Versicherten Anspruch auf eine kostenlose Grippeimpfung haben sollten. Woher sollen denn die erforderlichen Impfdosen dafür kommen? Auf einmal ist die ungeliebte Grippeimpfung das „neue Klopapier“, wie der Kölner Stadtanzeiger schreibt: Nun wollen mehr Leute die Impfung haben als Impfstoff vorhanden ist. Auch hier bei mir in Schleswig-Holstein warnen Ärzte inzwischen, dass der Impfstoff knapp werden könnte.

Praxen werden bei Impfstoffen in Regress genommen

Allerdings muss man auch Folgendes wissen: Diese Knappheit bedeutet nicht zwangsläufig, dass es wirklich nirgends mehr Impfdosen gibt. Vielleicht traut man sich in der Arztpraxis auch einfach nicht, großzügig zu bestellen? Denn bislang gilt: Wenn eine Praxis mehr Impfstoff ordert als sie tatsächlich verimpft, dann bleibt sie auf den Kosten für die verbleibenden Dosen sitzen. Die Praxis wird „in Regress genommen“, wie es im Fachjargon heißt. Klar, dass man dann eher etwas knapper kalkuliert und nicht mehr Vorräte als nötig im Kühlschrank lagern mag. Bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) fordert man daher, diesen Regress für Impfstoffe abzuschaffen. Aus Unterhaltungen mit Ärzten weiß ich, dass man in den Praxen schon froh wäre, wenn man überschüssige Impfdosen unbürokratisch an andere Praxen abgeben dürfte, bei denen ein Engpass herrscht. Aber in der Gesundheitspolitik wird bekanntlich nun einmal eher auf bürokratische Regelungswut als auf Vertrauen in flexible Lösungen vor Ort gesetzt. Hätte ich doch ahnen können…

Ich werde also Ende Oktober einen neuen Anlauf unternehmen, mich in meiner Diabetespraxis oder beim Hausarzt gegen Grippe impfen zu lassen. Drückt mir die Daumen, dass es gelingt – und dass sich nicht irgendein Influenzavirus bei mir einschleicht und mich erwischt, bevor die Impfung ihre Wirkung voll entfaltet hat.

Ein Kommentar zu “Grippeimpfung für Risikogruppen: Wär halt schön, wenn es Impfstoff gäbe!

  1. Ich selbst konnte mich Gott sei Dank bereits Ende September gegen die Grippe impfen lassen (Auch Diabetes-krank)

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