Knapp drei Wochen ist es nun her, dass ich die Pumpe abgelegt und wieder zur ICT zurückgekehrt bin. Was erst einmal als vorläufige Pumpenpause gedacht ist, tut mir bislang einfach nur gut: Ich habe die volle Kontrolle – und dafür nehme ich dann auch gern die volle Verantwortung in Kauf.
Der Wechsel zurück war denkbar einfach. Da ich bei der ICT gute Erfahrungen damit gemacht hatte, mein Basalinsulin (Lantus) nach dem Aufstehen im Rahmen meiner Morgenroutine zu spritzen, hatte mir meine Diabetesberaterin dazu geraten, die Pumpe einfach nach der Nacht abzukoppeln und wieder meine gewohnte Basaldosis zu spritzen. Keine weiteren Anpassungen nötig – und genau so funktionierte es auch prima.
Ein Gefühl von Sicherheit beim Abdrücken: So, Insulin ist definitiv drin
Als ich das erste Mal wieder den Pen ansetzte und beim Abdrücken zwölfmal klack-klack-klack hörte, empfand ich überraschenderweise ein Gefühl von Sicherheit. „Jetzt bin ich in Sachen Basalinsulin für 24 Stunden safe“, dachte ich. Jeden Bolus per Hand einzugeben – zusätzlich zu den Eingaben in der App – war erst einmal wieder etwas ungewohnt. Doch auch hier ein angenehmes Gefühl von Sicherheit: „Der Bolus ist drin, daran gibt es keinen Zweifel.“ Schließlich hatte mich die Pumpe immer mal wieder mit Fehlermeldungen verunsichert, dass der Bolus möglicherweise nicht vollständig abgegeben wurde. Oder dass die App gerade keine Verbindung zur Pumpe hat. So etwas fand ich besonders ärgerlich, wenn ich z. B. mit Christoph im Restaurant saß, das Essen schon auf dem Tisch stand und ich nach dem schnellen Schätzen der Kohlenhydrate fix den passenden Bolus abgeben wollte. Mein lieber Mann besteht darauf zu warten, bis ich mit meinem Diabeteskram fertig bin, damit wir gemeinsam anfangen können zu essen. Leider dauert es nach einen Klick auf das Bestecksymbol für die Bolusabgabe immer erst eine gefühlte Ewigkeit, bis tatsächlich die Eingabemaske erscheint. Und wenn dann auch noch so eine Fehlermeldung kommt und ich erst in der Historie nachschauen oder Bluetooth checken und dann noch einmal neu mit der Eingabe beginnen muss, dann bin ich genervt. Vielleicht geht es anderen Menschen nicht so, aber ich empfinde es dann als komfortabler, kurz mein Shirt zu lüpfen und mir mit dem Insulinpen einen Bolus zu verabreichen. Da habe ich die Abgabe selbst in der Hand und danach erst einmal meine Ruhe.



Angenehm finde ich auch,
- dass ich mir nun nur noch Gedanken um meinen Glukoseverlauf und nicht mehr um das Verhalten des Loops machen muss. Für mich fühlte es sich am Ende mit der Pumpe so an, als müsste ich nicht nur ein Kleinkind beaufsichtigen, das ansonsten gern mal Unsinn anstellt, sondern gleich zwei. Denn dem Algorithmus traute ich ja nicht so recht über den Weg, den wollte ich auch immer im Blick behalten, damit er keinen Mist ausheckt. Ich fühle mich mental weniger belastet als mit der Pumpe.
- dass ich mich nun nicht mehr um Katheter-, Schlauch- und Batteriewechsel kümmern muss. Eine Ampulle Bolusinsulin (Liprolog) hält nun wieder zwei Wochen, eine Ampulle Lantus vermutlich wieder über drei Wochen – die musste ich bis dato noch gar nicht wieder wechseln. Die kleinen Novorapid-Ampullen in der Pumpe hingegen waren immer schon nach vier bis fünf Tagen leer.
- dass mein Insulinverbrauch wieder zurückgegangen ist, weil ich nicht mehr so viel gegen den Algorithmus anessen muss. Statt mehr als 30 Einheiten mit der Pumpe bin ich aktuell bei insgesamt rund 25 Einheiten Insulin am Tag. Ich habe auch schon wieder ein halbes Kilo abgenommen, nachdem ich mit der Pumpe anderthalb Kilo zugelegt hatte.
- dass ich nun wieder meinen Glukosewert auf der Apple Watch sehen kann (siehe drittes Bild oben). Mit dem Freestyle Libre-Sensor ist das (anders als mit dem Dexcom G7) ja leider immer noch nicht ohne Weiteres möglich. Doch man kann den Umweg über die Follower-App Libre Linkup gehen und deren Daten an die Watch-App GlucoWatch weiterleiten. Mit einem entsprechenden Zifferblatt hat man sie dann auch auf der Uhr. Diese Funktion habe ich bei der CamAPSfx-App sehr vermisst. Dort kann man zwar auch eine Follower-App nutzen, doch es ist nicht möglich, sich damit selbst zu folgen und die Werte mit einer externen App auf die Uhr umzuleiten.
- dass ich auch ohne Loop und Pumpe 86% Zeit im Zielbereich verbringe. Mein Eindruck ist tatsächlich, dass nicht nur mein Diabetesmanagement, sondern auch meine innere Haltung zu meiner aktuellen Therapieform die Ergebnisse beeinflusst. Als ich Ende 2025 genervt von der ICT war, hatte ich mit (natürlich immer noch sehr guten!) 76% Zeit im Zielbereich meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht. An den ersten Tagen mit Pumpe (noch ohne Automode) war ich neugierig und euphorisch, da gelangen mir gleich sagenhafte 88% im Zielbereich. Doch nach ein paar Wochen, in denen ich auch Bekanntschaft mit den nervigen Seiten der Pumpentherapie machte, sank sie wieder auf zuletzt 73 bis 84%. Und ich war der Meinung, dass die Pumpe an sich, also ohne Algorithmus, mir keinen Vorteil verschafft. In den ersten Wochen mit dem Automode war ich wieder euphorisch und zuversichtlich – und verbrachte 88 bis sogar 90% der Zeit im Zielbereich. Je mehr mich der Loop zu nerven begann, umso weiter rutschte auch die Zeit im Zielbereich wieder runter. Zum Schluss waren es „nur noch“ 79 bis 83%. Das allein wäre ja kein Grund zum Jammern. Aber wenn ich merke, dass ich mindestens dasselbe Therapieergebnis mit weniger Aufwand (auch mental!) erreichen kann, dann sehe ich für mich keinen Sinn in einer Pumpentherapie.
Beim Sport klappt bislang auch alles bestens. Kürzere Einheiten von maximal einer Stunde habe ich mit ICT ja ohnehin immer recht gut hinbekommen. Schwierig gestalteteten sich dagegen längere Aktivitäten wie z. B. die Radtouren von 50 bis 65 km an mehreren Tagen hintereinander bei unserer Aktivreise in Masuren vergangenen Sommer. Da hatte ich – wie ich rückblickend weiß – die Insulinzufuhr nicht deutlich genug reduziert und hatte deshalb mit etlichen, auch nächtlichen Hypos bzw. Beinahe-Hypos zu kämpfen. Ensprechend nervös war ich, als Christoph und ich vorgestern zu einer längeren Radtour in St. Peter Ording aufbrachen. Er hatte eine Route von ca. 56 km Länge rausgesucht und auf halber Strecke ein Picknick eingeplant. Puh!
Längere Radtour in St. Peter Ording: Das hat super geklappt!
Anders als in Masuren reduzierte ich morgens meine Lantusdosis deutlich, nämlich von 12 auf 8 Einheiten. Für mein Frühstück spritzte ich einen um etwa 20% reduzierten Bolus. Ich wollte ihn nicht noch deutlicher anpassen, weil wir von uns aus erst einmal anderthalb Stunden Autofahrt nach St. Peter Ording vor uns hatten, bevor wir uns dort auf unsere Räder schwangen. Mein Glukosewert lag zum Start bei 161 mg/dl. Wäre er noch ein bisschen höher gewesen, hätte es mich auch nicht gestört. Nach etwa 15 km Radeln war er auf 111 mg/dl gesunken, sodass ich ein Gel (25 Gramm Kohlenhydrate) zu mir nahm. Das reichte dann bis zur Mittagspause. Für unser Picknick mit alkoholfreiem Bier, mediterranem Nudelsalat (der war noch vom Grillen am Samstag übrig) und Obstsalat (etwa 90 Gramm Kohlenhydrate) spritzte ich erst einmal gar keinen Bolus und nahm mir vor, den Glukoseverlauf während der Weiterfahrt zu beobachten und nur bei Bedarf einen kleinen Spritzer Insulin abzugeben. Tatsächlich stieg mein Glukosewert während der folgenden Radkilometer kaum an, zehn Kilometer vor dem Ziel (wir hatten am Deich mit ordentlich Gegenwind zu kämpfen, meine Beine waren inzwischen auch seeeehrrrr müde, denn es war seit Masuren die erste längere Radtour für mich) musste ich sogar noch 20 Gramm Kohlenhydrate nachlegen. Erst am Strand, wo es zur Belohnung ein Eis und ein Fischbrötchen gab, verzeichnete die Glukosekurve wieder einen Anstieg. Mein Bolus dafür war dann trotzdem etwas zu großzügig bemessen, denn abends rutschte ich kurz wieder unter den Zielbereich und brauchte noch eine Scheibe Brot, um den Glukosewert wieder zu stabilisieren. Nachts blieb der Zucker aber brav und sank nicht unter 93 mg/dl. Insgesamt also ein auch mit Blick auf den Diabetes toller Tag – das hätte der Loop auch nicht besser hinbekommen. Und meine Gedanken kreisten tatsächlich nicht ständig um den Zucker, der lief vielmehr überwiegend nebenher. So wie es sein soll.




Fakt ist: Es gab wieder Alarme wegen nächtlicher Hypos
Ich will hier natürlich nicht die unangenehmen Fakten verschweigen. Seit Beginn der Pumpenpause hatte ich bereits zwei nächtliche Hypos, weil sich mal wieder innerhalb weniger Tage (hallo Hormone?) meine Insulinempfindlichkeit stark verändert hat. Der Algorithmus hatte mich in solchen Situationen tatsächlich immer störungsfrei durch die Nacht gebracht. Darauf kann ich nun nicht mehr automatisch bauen, sondern muss Veränderungen meiner Insulinempfindlichkeit wieder eigenständig im Blick behalten und darauf reagieren.
Ein paar Tipps zum CamAPS fx würde ich gern ausprobieren… später!
Bislang vermisse ich den Loop aber nicht und fühle mich im Gegenteil eher befreit. Möglicherweise gebe ich dem AID-System nach einer gewissen Pause noch einmal eine Chance. Ich habe zwischenzeitlich auch mit mehreren Mitarbeitenden von mylife Diabetes Care, dem Hersteller der Ypsopump, gesprochen und mich über meine Probleme ausgetauscht. Dazu dann mehr in einem kommenden Blogbeitrag. Ein paar dieser Tipps würde ich vielleicht tatsächlich gern ausprobieren wollen. Aber erst einmal genieße ich meine Pumpenpause und freue mich, dass ich vorerst wieder zufrieden mit meinen Insulinpens bin und mir der Diabetes auch nicht übermäßig dazwischenfunkt, wenn ich tolle Dinge unternehme.

31. Mai 2026 um 14:06
Danke, Antje, für den sehr interssanten Bericht zum „Rückschritt“ in Deiner Insulintherapie. Diesen habe ich allerdings auch gemacht: 1 Veo (Medtronic) 2015; ging genau nach Garantiezeit kaputt … Danach Ende 2019 eine Combo-Pumpe, beide natürlich ohne intelligente Steuerung. Mich konnte dieses Ding, das dauernd an mir herumbaumelte und über dem immer das Damoklesschwert des Herunterfallens, Verhakens an unerwarteten Hindernissen hing, nicht wirkl. überzeugen. Der HBA1c wurde übrigens auch nicht besser; er lag vielmehr immer zw. 5,9 und 6,9, also in d. offiziell erklärten „unter 7“-Bereich. Insgesamt bin ich mit den neueren Insulinen im Pen (Lyumjev & Tresiba) recht zufrieden. Beide übrigens mit 200 Einh./ml, daher nur in Fertigpens, die aber leichtgängig sind (iGgs. zu so manchen früheren Handgeräten). Da man den Patienten nicht zutraut, ihre Dosis bei dieser Formulierung im normalen Pen (für 100 E/ml) durch 2 zu teilen, also zu halbieren, erhält man keine Patronen für ebensolche. Auch gibt es keine wiederverwendbaren Pens mit 1/2-Schritten, wobei dann 1/2 Schritt einer Einheit für 100 E/ml-Pens entspräche. Vorteil ist jedenfalls, dass bei 200 E/ml die Pens eben doppelt solange wie sonst halten. Zurück zur Pumpe: Auch das Gefummel beim Wechseln von Insulinpatronen, Kathetern u. Kanülen fand ich nervig. Da ich relativ viel Insulin benötige (insg. flossen in dieselbe Einstichstelle ca. 65-80 Einheiten pro Tag), entwickelte sich an d. Einstichstelle häufig ein Resistenz, womit selbst Korrekturen bei steigenden BZ-Werten nicht mehr richtig wirkten. Folge: entwerder noch häufigerer Katheterwechsel od. – wofür ich mich entschied – Spritzen des Bolus wieder mit dem Pen. Dadurch nutzte ich die Pumpe nur für das Basal u. evt. Korrekturen, wofür mir die Pumpe zu aufwändig (und zu teuer) erschien. Die 1-2 Pikser fürs Basal mit dem Pen machten den Kohl dann auch nicht mehr fett. So landeten schließlich erst die Veo u. später die Combo in der Schublade. Auch wenn man über die Jahre prakt. nur Lobeshymnen von (echten od. angebl.) Nutzern in allen möglichen Diabetikerzeitschriften lesen konnte, war – wie oben zu lesen – meine Begeisterung durchaus überschaubar. Kurzum, bevor man eine (teuere) Schulung mitmacht, eine (teure) Pumpe ersteht, (teures) Verbrauchsmaterial dauerhaft bestellen muss, sollte man entweder (falls angeboten) eine Testpumpe für vllt. 14 Tage wählen bzw. sich genau die Vor- u. Nachteile überlegen. Nicht vergessen: Die Pumpe ist ein 24-Std.-Begleiter, der auch manchmal zickt (Fehlermeldungen, Ausfall, Hängenbleiben mit d. Schlauch, bei best. Kleidungsstücken (spez. im Sommer): wohin mit dem Ding u. d. Schlauch? usw.). Nun kommt die neue elektr. bzw. KI-gesteuerte Regelung des BZ hinzu, aber über deren Unzulänglichkeiten konnte wir ja dank unserer eifrigen Blog-Betreiberin (danke!) hier so einiges erfahren. Alles in allem vermute ich, dass diese AID nur dann wirklich gut ist, wenn sie sich einem individ. Perfektionsgrad annähert. Wenn man sich – u. sei es nur unterbewusst – immer wieder die bange Frage stellen muss, was das „Anhängesel“ gerade wieder so treibt u. warum überhaupt, ist es m.E. keine wirkliche Hilfe. Denn auch d. Seelenfrieden ist bei einer immerhin lebenslangen Behandlungsmethode schon recht wichtig. Diesen habe ich bisher mit Tresiba gefunden, dass ggü. Lantus d. großen Vorteil besitzt, dass seine Wirkung deutlich über 24 Std. hinausgeht u. dabei tats. gleichmäßig wirkt. Dabei ist es weniger wichtig, immer haargenau denselben Spritzzeitpunkt einzuhalten. Jedoch ist es kein Wundermittel. Bei Schwankungen durch z.B. hohe KH-Menge oder Eiweisaufnahme kann die immer gleiche Dosis nicht gg.steuern; das muss die „biolog. AID“, also das patientische Gehirn, schon weiterhin selber machen. Jedoch ist mit Tresiba, u. das ist nicht zu unterschätzen, eine solide Grundlage für geringere Schwankungen gelegt, wohingegen Lantus bei vielen (auch bei mir) 2 Gaben/Tag nötig machte. Ein Wirkhöhepunkt u. ein damit verbundenes Absinken der Wirkung in späteren Stunden war ebenso zu verzeichnen. Bevor man also auf eine Pumpe umsteigt, sollte man zumindest darüber nachdenken (u. wohl auch ausprobieren), Tresiba + ein gutes Bolus-Analoginsulin einzusetzen. Für den, der viel Insulin benötigt, eben im Format 200 E/ml.
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26. Mai 2026 um 21:49
Ich bin jetzt seit 35 Jahren mit ICT gut eingestellt und habe mich immer wieder tapfer gegen Versuche gewehrt mir eine Pumpe anlegen zu lassen.
Sept./Okt.‘24 bin ich in 38 Tagen mit dem Pedelec 2857Km nach Santiago in Spanien geradelt. Eine Reise die ich vor 12 Jahren noch für unmöglich hielt, weil ich Angst hatte mein Insulinvorrat könnte überhitzen.
Sicherlich hat sich über die Jahre das Insulin verändert. Den HGT 20-800, mit dem ich mal angefangen hatte ist heute durch CGM-Sensoren ersetzt.
Das macht die Therapie etwas einfacher, reduziert aber die Sorgen um Kontrollverlust nicht wirklich.
Ich bin nun mal ein Bär der sich für die Sensoren am Arm rasiert. Für Katheter am Bauch rasieren kommt gar nicht in Frage!
Große Sorgen macht mir heute, dass ich meinen Diabetes im Griff habe aber sollte ich mal auf Pflege angewiesen sein … kann das keiner so wie ich.
Die vielen Pumpen und oder AID-Systeme werden in der Pflege auch nicht weiter bedient weil sich Pflegekräfte nicht damit auskennen.
Am Ende landen wir Alle am Mischinsulin.
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