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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Pumpe oder nicht Pumpe? So langsam bekomme ich Lust, ein Cyborg zu sein…

6 Kommentare

„Lasst mich bloß in Ruhe mit Insulinpumpen!“ Das war meine Haltung, seit ich davon gehört hatte, dass man sich seinen Insulinvorrat auch an den Bauch schnallen und damit per Knopfdruck Insulin zuführen kann. Ein wenig skeptisch bin ich nach wie vor, doch so langsam erscheinen mir die vielen Optionen der modernen Diabetestechnik ziemlich reizvoll.

Über das Für und Wider von Insulinpumpen ist schon viel geschrieben worden. Natürlich ist mir bewusst, dass man seine Insulinversorgung mit einer Pumpe deutlich feiner justieren kann. Dass man beim Sport die Basalzufuhr drosseln und dadurch vielleicht sogar ganz auf Sport-KE verzichten kann. Dass man diskret einen Bolus abgeben kann, ohne sich erst einmal den Bauch auspacken zu müssen. Ich weiß, dass die meisten Pumpis im Brustton der Überzeugung sagen, sie würden ihre Pumpe nie wieder hergeben. Und dennoch: Meine Begeisterung hielt bzw. hält sich in Grenzen. Ich konnte bzw. kann die Vorbehalte von Ramona komplett unterschreiben, die in der Blood Sugar Lounge einmal beschrieben hat, warum sie keine Insulinpumpe tragen möchte. Zu viel Klimbim, zu viel an mir dran, aber auch medizinische Risiken, wie man sie (Stichwort Ketoazidose) mit einer ICT im Grunde nicht hat.

Ist meine simpel gehaltene Versorgungsform langsam aus der Zeit gefallen?

Ich habe in der Vergangenheit deshalb immer gesagt, dass ich mich einer Pumpe erst dann nicht verweigern mehr werde, wenn meine Zuckerwerte anders nicht mehr vernünftig in den Griff zu bekommen sind. Doch so langsam bröckelt mein Widerstand. Und das liegt an den Fortschritten, die unsere Diabetestechnik in letzter Zeit gemacht hat bzw. die quasi vor der Tür stehen. Angesichts der vielen neuen Optionen erscheint mir meine eher simpel gehaltene Versorgungsform (ein Pen mit Basalinsulin, ein Pen mit Bolusinsulin und für die Glukosemessung den Freestyle Libre-Sensor im Arm) so langsam ein wenig… wie soll ich sagen… aus der Zeit gefallen.

Bis ich zum Diabetes-Cyborg werde, muss ich viel Überzeugungsarbeit leisten

Zwar gelingt es mir weiterhin relativ problemlos, meinen Diabetes auch mit der klassischen ICT zu bändigen. Mein Körper reagiert ausreichend empfindlich auf Insulin, ich spüre Unterzuckerungen, bevor sie kritisch werden. Mein letzter HbA1c-Wert, frisch ermittelt am 18. Dezember, lag bei 6,6 Prozent ohne nennenswerte Unter- oder Überzuckerungen, sodass man von Seiten meiner Diabetespraxis keine Anstalten macht, mich zu einer Insulinpumpentherapie nebst CGM zu drängen. Warum auch? Wollte ich den Schritt zum Diabetes-Cyborg gehen, müsste ich wohl an etlichen Stellen mehr oder minder intensive Überzeugungsarbeit leisten: erst in meiner Diabetespraxis und dann bei der Krankenkasse.

Dexcom + Fitbit = Integration von Glukose- und Bewegungsdaten

Angefixt haben mich insbesondere zwei Produktneuigkeiten. Da war zum einen die Nachricht, dass die Firma Dexcom (zunächst nur in den USA) mit Fitbit kooperieren möchte, sodass die Nutzer der Fitibit-Smartwatch Ionic künftig neben diversen Vital- und Trainingsdaten auch ihre Glukosewerte auf ihrer Uhr ablesen können. Wer eine Apple-Watch nutzt, kann das zwar auch hierzulande längst tun, doch die Fitbit-Smartwatch Ionic hat in meinen Augen gegenüber der Apple-Watch den Vorteil, dass sie bei den Vital- und Trainingsdaten mehr in die Tiefe geht und dass ihr Akku deutlich länger hält, bis er wieder geladen werden muss. Und die Integration von Glukose- und Bewegungsdaten wäre für mich ein entscheidender Mehrwert – auch wenn ich eigentlich gar nicht scharf auf ein CGM-System bin, weil ich die Alarmfunktion nicht wirklich brauche und keine Lust auf 2x tägliches Kalibrieren sowie (unvermeidliche) Fehlalarme habe.

Die nächste Neuheit lief mir beim EASD-Kongress in Lissabon über den Weg. Da hatte in der Industrieausstellung die mir bis dato unbekannte chinesische Firma Medtrum ihren Stand aufgebaut und warb für seine Patchpumpe, die in Kombination mit einem eigenen CGM-System beinahe schon ein Closed Loop ist. Es gab eine Reihe von Punkten, die mir – wohlgemerkt als absoluters Pumpen- und CGM-Laie – spontan gefielen:

  • Die Pumpe ist (ebenso wie der bekannte Omnipod) ein schlauchloses Modell, was ich mir – ohne das eine oder das andere jemals getestet zu haben – einfach  komfortabler vorstelle. Anders als der Omnipod kann man bei dieser Pumpe auch direkt am Gerät einen Bolus abgeben – praktisch, wenn man die Fernbedienung bzw. das Smartphone einmal nicht in Reichweite hat.
  • Die Insulinpumpe verfügt in Kombination mit dem CGM-System über eine automatische Hypoabschaltung, ähnlich wie die bereits verfügbare MiniMed 640G von Firma Medtronic. Der nächste Schritt zum Closed Loop ist nicht mehr weit.
  • Die Daten des CGM-Systems von Medtrum müssen nicht zwangsläufig in der Cloud gespeichert werden, wie es z .B. beim Dexcom G5 der Fall ist (zumindest, wenn man die volle Funktionalität der Software Clarity nutzen will).
  • Das System soll, sobald es auf dem deutschen Markt verfügbar ist, um 20 bis 30 Prozent kostengünstiger als die bislang verfügbaren Pumpen- und CGM-Systeme sein. Der Kostenaspekt betrifft uns Anwender zwar nur mittelbar, sofern die gesetzliche Krankenkasse für die Kosten des Systems aufkommt. Doch je günstiger die Systeme werden, umso weniger aufwändig könnte die oben geschilderte Überzeugungsarbeit möglicherweise ausfallen.

Heute also Schritt eins: Ich klebe mir endlich mal einen Demo-Pod auf den Bauch

Alles furchtbar spannend und vielversprechend, finde ich. Und so habe ich beschlossen, meinen Widerstand gegen piepende und vibrierende Gerätschaften an meinem Körper so langsam ad acta zu legen. Schritt eins hierbei: Ich habe mir heute endlich den Demo-Pod auf den Bauch geklebt, den ich seit einem Besuch am Stand von Omnipod beim T1Day im Januar 2017 (!) hier herumliegen hatte. (Man kann einen solchen Demo-Pod übrigens auch über die Website der Firma bestellen.) Er klebt nun an meinem Bauch, rechte Seite etwas unterhalb des Rippenbogens. Im Moment noch etwas komisch, aber ich bin einmal gespannt, wie es sich anfühlt, ihn ein paar Tage dort kleben zu haben. Er enthält keinen Katheter und gibt natürlich kein Insulin ab, es geht bei diesem Probetragen erstmal allein um das Tragegefühl.

Wenn der Demo-Pod nicht stört, suche ich in 2018 die eierlegende Wollmilchsau

Ich werde berichten! Und falls der Demo-Pod mich nicht weiter stört, dann lautet mein Neujahrsvorsatz: Suche und finde ein geeignetes Pumpen- und CGM-System, am liebsten ohne Schlauch, mit Closed Loop-Option in naher Zukunft, mit lokal nutzbarer Software mit vielfältigen Auswertungsmöglichkeiten, mit Integration möglichst vieler weiterer Vital- und Fitnessdaten, etwa vom Fitnesstracker oder aus der Zyklus-App. Solltet ihr diese eierlegende Wollmilchsau bereits gesichtet haben, freue ich mich über kurze Nachricht! Bis dahin wünsche ich euch einen guten Rutsch ins neue Jahr mit braven Zukcerwerten und zuversichtlichen Gedanken.

6 Kommentare zu “Pumpe oder nicht Pumpe? So langsam bekomme ich Lust, ein Cyborg zu sein…

  1. Gleich zu Anfang meiner Erkrankung, Typ 1, wollte mir der behandelnde Arzt eine Pumpe verordnen. Irgendwie hatte ich etwas gegen dieses ganze Geschleuder am Bauch, war mir unheimlich. Mittlerweile begreife ich, dass die Pumpe für viele eine grosse Erleichterung darstellt. Ich weiss aber auch, dass alleine der Katheter bis zu 70 Fehler aufweisen kann, (Info während einer Schulung).
    Ich bin bei dem Pen geblieben und hatte leider jahrelang keine vernünftige ärztliche Unterstützung. Das war die Pest.
    Seit gut 5 Jahren arbeite ich mit einer APP mit dem Namen RAPIDCALC, habe keinerlei Probleme mehr.

    Man muss ein paar Werte berechnen/bereit halten und ab geht die Post. Eventuell nachsehen bei DIABETESNET.COM. Es werden keine Daten sonstwohin gesendet, alles bleibt auf meinem Rechner, wird 3 Monate fortlaufend gespeichert bei Bedarf kann ich die Ergebnisse von einem Gerät zum anderen per Email weitersenden.

    Der langen Rede kurzer Sinn, ich bin richtig zufrieden, gibt mir Sicherheit.

    Infos im Netz.

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  2. Pingback: Neues von meinem Antrag auf eine Insulinpumpe: An der Front wird erstmal nix passieren! | Süß, happy und fit

  3. Pingback: Bilanz nach 3 Tagen Demo-Pod: Der aufgeklebte Kasten stört (fast) gar nicht! | Süß, happy und fit

  4. Moin Antje,
    Das klingt sehr spannend, bin auf deine weiteren Berichte gespannt!

    Guten Rutsch ins neue Jahr!

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  5. Wenn Du Dich damit beschäftigst , dann schau Dir die Dana R an. Aus der kannst Du habe Problem mit einem G5 als Bsp. ( G4 , Libre geht auch ) und einem Android Smartphone ein Closed Loop machen.
    Das wäre dann tatsächlich ein Riesenfortschritt. Und HBA1C Werte haben dann immer eine 5 an erster Stelle 😉😉

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    • Moin Andi, das ist die neue Dana-Pumpe, deren Algorithmus für Open APS freigegeben wurde, oder? Über die bin ich beim EASD-Kongress ebenfalls gestolpert. Finde ich super – allerdings bin ich selbst nicht so ein Frickler und würde ein fertiges System bevorzugen, zumal ich in der Apple-Blase unterwegs bin und daher kein Android nutze… 😉

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