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Update zum Eversense CGM-System: Ich muss mich in ein paar Punkten korrigieren

9 Kommentare

Mein Beitrag über das neue CGM-System Eversense von der Roche-Partnerfirma Senseonics ist zwar beinahe zwei Jahre alt, wird aber immer noch sehr häufig angeklickt. Und weil ich meine Meinung über das System zumindest teilweise geändert habe, gibt es hier nun ein kleines Update.

Eins vorweg: Ich habe das System nach wie vor noch nicht getestet und werde es in naher Zukunft wohl auch nicht tun. Doch ein paar meiner Kritikpunkte aus meinem ersten Beitrag sind mittlerweile hinfällig, und diese Infos möchte ich euch nicht vorenthalten.

Korrektur 1: Da muss nicht zwingend ein Chirurg ran

doctor-2722943_960_720Vor zwei Jahren fand ich es noch abschreckend, dass der Sensor in einem chirurgischen Eingriff implantiert werden muss und befürchtete, dass man hierfür einen Extra-Termin beim Chirurgen vereinbaren muss, der dann auch noch aus eigener Tasche bezahlt werden muss. Diese Befürchtung hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Zum einen ist das CGM-System Eversense genauso zugelassen wie die anderen am CGM-Systeme am Markt und kann deshalb vom Diabetologen inklusive der Prozedur zum Einsetzen des Sensors verordnet werden – einen Antrag auf Kostenübernahme muss man natürlich auch bei diesem System bei der Krankenkasse einreichen. Zum anderen ist für den kleinen Eingriff kein Termin beim Chirurgen notwendig, das kann ein vom Unternehmen entsprechend geschulter Diabetologe auch selbst vornehmen.

Beim Diatec-Kongress Ende Januar in Berlin habe ich bei einer von Roche Diabetes Care organisierten Sitzung ein kleines Video gesehen, welches das Einsetzen des Sensors bei einem Patienten zeigte. Nun muss man dazu sagen, dass ich auf Chirurgen-Kongressen ziemlich häufig OP-Videos zu sehen bekomme. Filme von Leistenbruch-Operationen und Gelenkspiegelungen kann ich mir problemlos beim Frühstück ansehen, erst das Einsetzen eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks finde ich etwas rabiat und grobschlächtig. Der Diabetologe im Film führte das Skalpell vielleicht nicht ganz so sicher und routiniert wie die Aufschneider, mit denen ich es als Redakteurin eines chirurgischen Fachtitels zu tun habe. Aber er desinfizierte alles ordentlich, verursachte kein unnötiges Blutvergießen, schuf mit einem speziellen Stocherstab eine Gewebetasche unter der Haut, setzte den Sensor dort ein und verschloss den Hautschnitt mit einem Steristrip. Ich war ein bisschen erstaunt, dass beim Diatec-Kongress das Fachpublikum um mich herum bei dem winzigen Hautschnitt beinahe in Ohnmacht fiel, denn das war im Vergleich zu den Eingriffen, die ich sonst so zu sehen bekomme, wirklich eine sehr unblutige Angelegenheit. Doch dann erinnerte ich mich daran, dass es ja kein Chirurgen-Kongress war und dass in einer diabetologischen Praxis (außer vielleicht in einer Fußambulanz) normalerweise eher selten jemand aufgeschnitten wird. Langer Rede, kurzer Sinn: Der Sensor kann nur an einem zertifizierten Eversense-Zentrum eingesetzt werden, und die Diabetologen dort haben trainiert, den kleinen Eingriff auch ohne chirurgische Hilfe zu wuppen. Ilka von mein-diabetes-blog.com hat vor einer Weile einmal darüber geschrieben und auch zu einem OP-Video verlinkt.

Korrektur 2: Der Transmitter ist inzwischen nicht mehr so klobig

In meinem ersten Beitrag bemängelte ich noch, dass der Transmitter des Eversense CGM-Systems ein klobiger Kasten ist, der sich unter der Kleidung abzeichnet und nicht einmal wasserdicht ist. Mittlerweile ist längst die zweite Generation Transmitter im Umlauf, und die neuere Variante ist deutlich flacher und abgerundet, sieht für mich also nach deutlich mehr Tragekomfort aus. Wie ich inzwischen gelernt habe, kann der Transmitter den Träger bei Glukosewerten außerhalb des Zielbereichs auch eigenständig warnen, selbst wenn das Smartphone mit der App gerade nicht in der Nähe ist. Der Transmitter vibriert dann und macht den Träger somit dezent darauf aufmerksam, dass er sich einmal um seine Glukosewerte kümmern sollte. Das ist gar nicht so doof, wenn man zu der (zugegebenermaßen aussterbenden) Sorte Mensch gehört, die nicht mit ihrem Smartphone verwachsen ist.

Eversense XL: Sensor mit 180 Tagen Liegedauer

Darüber hinaus gibt es aber auch weitere Neuigkeiten, die Roche Diabetes Care beim Diabetes Meetup im Vorfeld des ATTD-Kongresses in Wien etwa 60 Bloggern und Influencern (oh nein, ich habe dieses furchtbare Wort nun tatsächlich einmal in einem meiner Texte verwendet! Bitte verzeiht, es wird nicht allzu oft vorkommen! 🙂 ) vorgestellt hat. So wird die nächste Generation des Sensors, der dann Eversense XL heißt, bis zu 180 Tage Liegedauer haben. Das heißt: Nur zwei Mini-OP-Termine pro Jahr und auch nur zwei Narben pro Jahr – und zwischendrin viel Zeit, in der man sich lediglich darum kümmern muss, den Transmitter regelmäßig aufzuladen und brav seine Daten in der App zu studieren. Die Markteinführung des Eversense XL war zwar schon für Ende 2017 bzw. Anfang 2018 angekündigt, doch nun ja… wir sind es ja gewöhnt, dass Roche es gern einmal etwas länger spannend macht.

App demnächst mit Follower-Funktion für Familie, Freunde und Diabetesteam

Im Zusammenhang mit dem Eversense XL wird es dann auch eine neue App geben, die über eine Follower-Funktion verfügt, wie man sie beispielsweise schon von Dexcom kennt. Mit ihr erhalten Eltern, Freunde, Partner oder das Diabetesteam nach entsprechender Freischaltung Zugriff auf die Glukosedaten des Trägers. In meinen Augen insbesondere bei Kindern mit Typ-1-Diabetes eine sinnvolle Funktion, doch da das Eversense CGM-System bislang für den Einsatz bei Kindern nicht zugelassen ist, ist die Follower-Funktion für die meisten Nutzer sicherlich kein wirklich entscheidendes Kriterium.

Lest zum Eversense lieber Erfahrungsberichte auf anderen Blogs!

Diese Informationen wollte ich euch nicht vorenthalten, da doch mein erster, ziemlich kritischer Beitrag immer noch so häufig geklickt wird. Da ich aber selbst keine praktischen Erfahrungen mit dem Eversense vorweisen kann, möchte ich euch empfehlen, hierzu lieber andere Blogs zu lesen. Wie gesagt, hat Ilka bereits über ihre Erfahrungen mit dem System geschrieben (neben dem oben verlinkten Beitrag auch hier und hier). Roche Diabetes Care selbst hat auf seinen Seiten #mein-buntes-leben und Accu-Chek auch Erfahrungsberichte von Anwendern veröffentlicht, hier der Link zu einem Interview und hier zu einem weiteren Erfahrungsbericht. Das Blog von Sandrine Stolperstein, die meines Wissens als eine der ersten über das Eversense CGM-System gebloggt hat, ist leider aus dem Netz verschwunden. Weiß jemand, was es damit auf sich hat?

Also: Hört auf, meinen alten Beitrag von 2016 zu lesen, sondern klickt auf neueren Lesestoff von Leuten, die das Eversense CGM-System schon einmal selbst getestet haben! 🙂

Ich konnte den ATTD-Kongress auf Einladung von Roche Diabetes Care zu einem Blogger-Event besuchen. Bestimmte Bedingungen waren an den Besuch des Events oder des Kongresses nicht geknüpft. Mein Bericht spiegelt meine persönliche und vom Hersteller unbeeinflusste Meinung wider.

 

9 Kommentare zu “Update zum Eversense CGM-System: Ich muss mich in ein paar Punkten korrigieren

  1. wenn Du so entsetzt darüber bist daß Dein Beitrag von 2016 noch gelesen wird und selber darauf hinweist das nicht mehr zu tun
    (Zitat: Also: Hört auf, meinen alten Beitrag von 2016 zu lesen, sondern klickt auf neueren Lesestoff von Leuten, die das Eversense CGM-System schon einmal selbst getestet haben! 🙂)
    – sorry – warum entfernst Du den dann nicht?

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  2. Hallo zusammen,
    ich trage den Eversense XL jetzt schon einige Wochen und bin mehr als nur begeistert, obwohl mich der kleine Eingriff zuerst doch sehr abgeschreckt hatte. Aber nach 10 Minuten war alles erledigt!
    Positive Aspekte:
    – Das ständige Stechen um den Blutzucker zu messen fällt weg! Nur noch 2x pro Tag messen um den Sensor zu kalibrieren, das war es.
    – Es wird ständig gemessen. Ich kann also auch während eines ausgiebigen „SchlemmerMenüs“ jederzeit checken wie sich die Werte verändern. Und natürlich dementsprechend darauf reagieren.
    – Akkulaufzeit des Transmitters beträgt in etwa 2 Tage. Danach muss er wieder aufgeladen werden. Ladedauer in etwa 20 – 30 Minuten. (Von 10% auf 100%)

    Negativer Aspekt:
    – Der Sensor funktioniert bei Sonneneinstrahlung nicht! Auch nicht unter dem T-Shirt (Trage ihn selber am Oberarm). Er sammelt dadurch keine Messdaten.
    Bedeutet: Das er wasserdicht ist bringt gar nichts (Ausser beim Duschen zu hause), da er sowieso nicht funktioniert wenn die Sonne scheint. Das Gleiche gilt beim Joggen oder bei der Gartenarbeit wo er sich bei mir regelmässig „ausschaltet“.

    Fazit:
    Trotz dem Punkt mit der Sonneneinstrahlung kann ich das kleine Teilchen nur jedem ans Herz legen! In Verbindung mit ner Insulinpumpe hat sich mein Leben dadurch mehr als nur erleichtert, da ich auch während eines Restaurantbesuchs jederzeit meine Werte im Griff habe und das UNAUFFÄLLIG durch die Handy-App und gegebenenfalls durch die Insulinpumpe schnell und unauffällig was „Nachspritzen“ kann.

    Liebe Grüsse

    Björn

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    • Hallo Björn,

      es freut mich zu höten, das Du das System nicht mehr missen möchtest unfd im Grund hochzufrieden bist.

      Ich nutze derzeit noch das FreeStyleLibre, bin aber seit ein paar Wochen nur noch frustriert damit. Eben gereade mal gemessen:

      – Libre zeigt 42 dg/ml an (also bin ich schon in einer tollen Hypo, geht mir aber wunderbar) 🙂
      – Stichmessung 182 mg/dl

      So zieht sich das inzwischen seit Wochen hin.

      Nun aber meine Frage: Du schreibst „Der Sensor funktioniert bei Sonneneinstrahlung nicht!“. Hm ok, irgendwie sogar einleuchtend, wenn man sich ein wenig mit der Technik beschaftigt hat, ABER – über den Sensor sitzt ja der Transmitter….. spendet der nicht genug Schatten?

      Lieben Gruß vom

      Baxi

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  3. Moin Antje,

    zur Info: die Kosten lt. telefonischer Auskunft von Roche betragen pro Jahr für das „Material“ 5.400,00 Euro plus MwSt. Hinzu kommen noch die Kosten für die Mini – Op. Also Summa sumarum geschätzte Gesamtkosten von ca. 7.000,00 Euro/Jahr. – Ups 🙂

    LG baxi

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  4. Hallo Antje, ich benutze zur Zeit zur BZ-Messung das FreeLibre, beschäftige mich aber zur Zeit wegen der Alarmfunktion mit dem CGM von Eversense. Da ich Selbstzahler bin, interessieren mich natürlich die Kosten 🙂 Trotz intensiver Suche bin ich im Netz nicht fündig geworden. Hast Du darüber Infos oder einen Link für mich?

    Danke und herzlichen Gruß

    baxi

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    • Moin, dazu habe ich ad hoc leider auch keine Infos. An deiner Stelle würde ich mal eines der Eversense-Zentren kontaktieren, die man auf der Eversense-Seite https://www.eversense.de findet (FAQ -> Wie finde ich ein Eversense-Zentrum in meiner Nähe) und nachfragen. Die haben doch ggf. auch den einen oder anderen Patienten, der ohne Kostenübernahme der Kasse das System nutzen möchte und können dir dann Auskunft über die Kosten geben. Aber warum versuchst du nicht mal, das bei deiner Kasse zu beantragen? Die Chancen sind mittlerweile doch deutlich gestiegen. Viel Erfolg, wie auch immer du dich entscheidest! LG Antje

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      • Moin 🙂 Typissch norddeurschte Deern 🙂 Danke für den Tipp, werde morgen mal ein wenig telefonieren, und meine Diafee drauf ansetzen. Stimmt, die Kassen sind „großzügiger“ geworden, aber dieser bürokratische Weg ist mir manchmal eindeutig zu mühselig.

        LG baxi

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  5. Pingback: Warum mich das neue CGM-System Eversense nicht neugierig macht | Süß, happy und fit

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