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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Silvester-Menü: „Ist das nicht schön, dass wir so einen Insulinpen haben?“

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Frohes neues Jahr euch allen! Ich hoffe, ihr seid gemütlich und vergnügt reingerutscht und blickt zuversichtlich auf 2022. Wir hatten gestern Abend einen Tisch in einem hiesigen Restaurant reserviert, wo uns fünf leckere Gänge serviert wurden. Und wo ich kurz vor Schluss die Bekanntschaft mit einem Herrn mit Typ-2-Diabetes machen durfte, der sich freute, noch jemanden mit Diabetes zu treffen.

Nun war es also schon das dritte Silvester in Folge ohne Party: 2019 hatten wir Karten für eine große Sause zum Jahreswechsel, doch dann war Christoph erkältet und damit nicht tanztauglich. 2020 hingen wir wieder zu zweit auf dem Sofa, die Highlights des Abends waren ein Familientreffen via Zoom und die Übertragung der VR-Show von Jean Michel Jarre aus Notre Dame. Dieses Jahr war wegen Corona wieder keine große Party angesagt, aber wir wollten wenigstens ein bisschen unter Leute und uns kulinarisch verwöhnen lassen.

Und so buchten wir uns für ein festliches Silvester-Menü im Restaurant Kantino hier bei uns in Elmshorn ein, das man praktischerweise von uns aus in zehn Minuten zu Fuß erreichen kann. Es gab vorweg einen Avocado-Tomatensalat mit Ruccola und Cashew-Kernen, dann ein Gamberonischaumsüppchen mit gebratener Jakobsmuschel, als Zwischengang ein Himbeersorbet mit Lillet, im Hauptgang Rinderfilet mit Pfeffer-Cognac-Rahmsauce, Bimi (so eine Art stark verschlankter Brokkoli) und Möhren mit Trüffel-Kartoffelpürree und zum Dessert eine in Rotwein gegarte Birne mit Vanilleschaum auf einem Karamellschiffchen. Vorweg einen Apéritif und begleitend die passenden Weine – es war ein Fest!

Das Menü mit 5 Gängen hat mein Zucker unbeschadet überstanden

Mit Diabetes und Insulin ist so ein Menü, das sich über einen Zeitraum von gut 3 Stunden erstreckt, natürlich eine gewisse Challenge. Ich ließ meinen Boluspen also lieber gleich auf dem Tisch liegen und spritzte nach Bedarf, was sogar erstaunlich gut funktionierte. Tatsächlich hatte ich meine Glukosewerte während des Silvester-Festmahls deutlich besser im Griff als am restlichen Tag (die kleine Hypo am Morgen kam durch einen etwas zu großen Spritz-Ess-Abstand beim Frühstück zustande, die beiden steilen Anstiege im weiteren Tagesverlauf müssen wohl irgendwas mit den Keksen und der Schokolade zu tun haben, die mich noch so unverhohlen anlachten… und die kleine Hypo kurz vor Mitternacht lag an dem Fußmarsch vom Restaurant nach Hause mit doch eine ordentlichen Menge Insulin an Bord).

Daneben freute ich mich aber auch über eine nette kleine Begegnung nach Ende des Menüs, als sich so langsam Aufbruchstimmung breitmachte, die Gäste nacheinander die Rechnung bestellten und in ihre Mäntel schlüpften. Auf einmal stand ein älterer Herr an unserem Tisch, der seinen apfelgrünen Insulinpen schwenkte und mich anstrahlte: „Ist es nicht toll, dass wir so einen Insulinpen haben und bei diesem leckeren Nachtisch nicht nein sagen müssen?“ Er hatte von seinem Platz aus offenbar beobachtet, wie ich ab und an mein Kleid gelüpft und mir durch die Strumpfhose hindurch Insulin gespritzt hatte. Na klar, da war ich natürlich ganz seiner Meinung!

Haben Sie auch so ein Gerät am Arm, das den Zucker misst?

Er erzählte mir, dass er Typ-2-Diabetes hat und seit einer Weile Insulin spritzt. „Seit zwei Wochen habe ich nun auch so ein Gerät am Arm, das den Zucker misst, haben Sie so etwas auch?“ Wir unterhielten uns kurz darüber, wie aufschlussreich die Verlaufskurven des Freestyle Libre Sensors sind und wie sehr einem das beim Diabetesmanagement hilft. Er berichtete weiter, er nehme zusätzlich auch „so ein neues Medikament, mit dem überschüssiger Zucker über die Niere ausgeschieden wird“, das ihm sein Diabetologe verschrieben habe (wer’s genauer wissen will, das sind SGLT2-Hemmer, die in der Therapie des Typ-2-Diabetes eingesetzt werden). Sein Hausarzt meine zwar, er brauche das nicht, „aber ich gebe das nicht mehr her!“

Wir freuten uns beide, dass wir einander dank des Insulinpens als geheimes Erkennungszeichen als Mitglieder des ‚Team Diabetes‘ erkannt hatten und wünschten einander ein gutes neues Jahr. Und das wünsche ich euch allen auch – auf dass wir das nächste Silvester wieder mit rauschenden Partys feiern können!

2 Kommentare zu “Silvester-Menü: „Ist das nicht schön, dass wir so einen Insulinpen haben?“

  1. Pingback: Gastronomie in Elmshorn: Immer mehr Burger, Pizza und Pasta… | Elmshorn für Anfänger

  2. Es geht in diesen Tagen so einiges. Man muß nur das Beste daraus machen.

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