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Echte Geschichten aus meinem bewegten Leben mit Typ-1-Diabetes

Alpines Wandern mit Diabetes: Dieses Mal war der Zucker kein Stressfaktor

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Jeden Tag etliche Stunden Bewegung, Wanderungen mit vielen Höhenmetern – mit Blick auf meinen Diabetes hatte ich durchaus Respekt vor unserem diesjährigen Sommerurlaub. Doch in Sachen Glukosewerte lief dieses Mal alles überraschend easy. Statt Hypos brachten mich dafür eine durchgelegene Hotelmatratze und Straßenlärm um meinen erholsamen Schlaf.

Nach meinen Yoga- und Wanderreisen nach Griechenland (2022 nach Samos und 2023 auf die Chalkidiki) und unserer Aktivreise nach Masuren im vergangenen Jahr stand für Christoph und mich auch diesen Sommer ein sportlich aktiver Urlaub auf dem Programm. Unser Reiseziel waren dieses Mal die deutschen und österreichischen Alpen, wo wir mal das Wandern in weniger flachem Gelände ausprobieren wollten.

Bei der Buchung der Reise war ich noch davon ausgegangen, dass ich nach dem Glukose-Chaos in Masuren meine Insulindosierung bei dieser Reise in weiten Teilen dem CamAPS fx-Algorithmus meiner Ypsopump anvertrauen würde. Denn nach stundenlangem Kajak- und Radfahren hatte ich vergangenen Sommer in Polen mit sehr vielen nächtlichen Hypos zu kämpfen. Der Schlaf- und Erholungsmangel im Urlaub während dieser ansonsten fantastischen Reise war ein gewichtiger Grund für mich gewesen, es einmal mit einer Insulinpumpe zu probieren. Ich hatte nach der Masuren-Reise zwar rückblickend verstanden, wie ich auch mit meinen Insulinpens meine Insulinzufuhr besser an die ungewohnte körperliche Belastung hätte anpassen können. Doch ich war frustriert, weil ich das Gefühl hatte, dass ich für jeden Urlaub erst einmal eine Generalprobe brauche, bevor er im zweiten Anlauf dann auch in Sachen Diabetes problemlos klappt. Ich wünschte mir mentale Entlastung (und schöne Urlaube gleich beim ersten Versuch).

Gemischte Gefühle vor dem Urlaub: Wird das wieder Diabetes-Chaos?

Diese ersehnte Entlastung wollte sich bei mir leider auch vier Monate nach dem Start der automatisierten Insulindosierung (AID) mit meiner Pumpe nicht einstellen, wie ich hier und hier ja ausführlich geschrieben hatte. Im Gegenteil: Der Loop stresste mich, ich fand einfach kein Vertrauen in den Algorithmus. Also kehrte ich Ende Mai wieder zur ICT zurück und habe diesen Schritt immer noch nicht bereut. Vor dem Start in den Urlaub hatte ich dennoch ein bisschen gemischte Gefühle. Wir würden wieder direkt nach dem Frühstück (für mich also mit noch laufendem Bolus) zu unseren Wanderungen aufbrechen, stundenlang diverse Gipfel hoch- und runterkraxeln, dabei viele hundert Höhenmeter überwinden, auf Hütten mit ungewohntem Essen einkehren. Und bei alledem hätte ich meine weiterhin in unregelmäßiger Frequenz stark schwankende Insulinempfindlichkeit (hallo Wechseljahre!) zu berücksichtigen. Gut möglich also, dass der Urlaub für mich wieder in Diabetes-Chaos und fehlende Erholung münden würde.

Der Plan: Basalinsulin reduzieren, beim Wandern kein Insulin für die Brotzeit

Aber keine Reise ist wie die andere – vor allem, wenn man zusätzlich einen Diabetes im Gepäck hat. Meiner jedenfalls benahm sich in den Alpen ganz anders als vergangenen Sommer in Masuren. Ich hatte geplant, an Wandertagen mein Basalinsulin großzügig zu reduzieren, um nächtliche Unterzuckerungen zu vermeiden. Außerdem wollte ich tagsüber während der Wanderungen auch für die Brotzeit erstmal kein Insulin spritzen, damit ich keine absurden Mengen an Sport-KE zu mir nehmen muss. Als Vorlage sollte eine längere Radtour in St. Peter Ording kurz nach meiner Rückkehr zu den Insulinpens dienen, bei der diese Strategie perfekt aufgegangen war (ich hatte darüber in meinem Beitrag über meine Rückkehr zur ICT geschrieben). Ich hatte nur 8 statt normalerweise 12 Einheiten Lantus gespritzt, den Frühstücksbolus um 20 Prozent reduziert und dann im Verlauf der 55 km langen Radtour (trotz einer Picknickpause mit 90 Gramm Kohlenhydraten) gänzlich auf Insulin verzichtet.

So lief es tatsächlich: Basalinsulin unverändert, aber weniger Bolusinsulin gespritzt

Es stellte sich allerdings heraus, dass ich just in dieser Phase offenbar eher etwas mehr Basalinsulin benötigte – trotz der vielen Bewegung. Meine Glukosewerte rauschten nachts nicht in den Keller, also spritzte ich den ganzen Urlaub hindurch wie im Alltag 13 Einheiten Lantus am Tag. Meist starteten wir morgens gegen 9 oder 9:30 Uhr mit unseren Wanderungen, also reduzierte ich den Frühstücksbolus großzügig um etwa 30 Prozent und nahm in Kauf, dass der Glukosewert danach höher anstieg, als es mir normalerweise lieb ist. Aber bei einem Wert von 200 bis 250 mg/dl hat man eben mehr Puffer für sportliche Aktivitäten und muss nicht ständig Sport-KE nachwerfen. Das klappte auch ziemlich gut, ich habe jede Menge unverbrauchte Gummibärchen und Sportgels aus dem Urlaub wieder mit nach Hause genommen.

Beim Aufstieg zur Blaueishütte reichte 1 Einheit Insulin für 191 Gramm Kohlenhydrate

Lediglich eine vierstündige Wanderung (12 Kilometer mit über 940 Höhenmetern) hoch an den Fuß des Blaueisgletschers, die wir von Berchtesgaden aus unternahmen, zog extrem viel Zucker. Wir starteten die Wanderung gut 2 Stunden nach dem Frühstück. Knapp eine Stunde nach dem Start war schon das erste Trinkpäckchen (Fruchtsaftgetränk mit 15 Gramm Kohlenhydraten) fällig, rasch hintereinander gefolgt von 2 Tütchen Gummibärchen (je 10 Gramm Kohlenhydrate), 2 Sportgels (je 28 Gramm Kohlenhydrate), einer großen Saftschorle (30 Gramm Kohlenhydrate) und Kaiserschmarrn auf der Hütte (70 Gramm Kohlenhydrate), für den ich nach der Wanderung nachträglich lediglich eine bescheidene Einheit Insulin abgab. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, waren das mal locker 191 Gramm Kohlenhydrate, die ich im Laufe des steilen Aufstiegs hoch zur Blaueishütte verputzt und letztendlich mit nur einer Einheit Insulin abgedeckt habe. Im weiteren Verlauf des Tages reduzierte ich fürs Abendessen meinen Bolus vorsichtshalber um 20 Prozent, musste dann aber vor dem Schlafengehen ein wenig korrigieren und hatte nachts Glukosewerte im oberen Zielbereich. Aber eben keine Hypos, das war mir das wichtigste.

Weniger TIR – aber Blutzuckersicherheit geht vor Blutzuckerschönheit

Bei den darauf folgenden geführten Gruppen-Wanderungen, die wir von einem Sporthotel in Saalbach-Hinterglemm aus unternahmen, lief es ähnlich. Weil die nächtlichen Glukosekurven sich im oberen Zielbereich bewegten, blieb ich bei 13 Einheiten Lantus als Basaldosis und reagierte lediglich mit reduzierten Boli zum Essen auf die sportliche Belastung. Mein Körper gewöhnte sich anscheinend ein wenig ans Wandern in Höhenlagen, jedenfalls brauchte ich bei den Touren zu den österreichischen Gipfeln nicht mehr so viele Sport-KE wie zu Beginn in Berchtesgaden. Was mir beim Diabetesmanagement definitiv geholfen hat, war eine gewisse Gelassenheit angesichts zeitweilig höherer Glukosewerte. „Blutzuckersicherheit geht vor Blutzuckerschönheit“ pflegt die IDAA-Vorsitzende Ulrike Thurm regelmäßig zu sagen (liebe Grüße an dieser Stelle!), und geanu diese Worte hatte ich dann im Ohr. Es ist ja nun wirklich kein Problem, wenn man im Urlaub mit so viel körperlicher Aktivität statt der gewohnten 82 bis 85 Prozent 2 Wochen lang „nur“ 77 Prozent Zeit im Zielbereich (TIR) verbringt. Auch mit dem häufigeren Auf und Ab der Werte konnte ich gut leben – die Glukosekurven müssen sich optisch ja auch irgendwie an die alpine Umgebung anpassen.

Dieses Mal störten Straßenlärm und eine schlechte Matratze meinen Schlaf

Es war in diesem Sommerurlaub also nicht der Diabetes, der meine Erholung beeinträchtigt hat. Dem habe ich dieses Mal wirklich nichts vorzuwerfen. Doch auch wenn es keine nächtlichen Hypo-Alarme gab, habe ich zumindest im Sporthotel in Saalbach denkbar schlecht geschlafen. Die dünne Schaumstoffmatratze war schon sehr durchgelegen und der Stoff der Vorhänge war viel zu dünn, um das Zimmer nachts abzudunkeln. Dabei bin ich doch so lichtempfindlich und wache beim kleinsten Sonnenstrahl auf! Außerdem liegt das Hotel direkt an der Durchgangsstraße, entsprechend störte auch der Straßenlärm beim Schlafen. Vermutlich hätten wir also auch vor diesem Urlaub eine Generalprobe gebraucht, damit wir dann beim eigentlichen Urlaub alles richtig machen und lieber eine andere Unterkunft mit komfortablerer Einrichtung buchen. 🙂

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