Dieses Jahr hat unser Verein für sportbegeisterte Menschen mit Typ-1-Diabetes seinen 35. Geburtstag gefeiert. Zur Mitgliederversammlung haben wir vom Vorstand uns daher etwas Besonderes ausgedacht: ein Wochenende im Sportzentrum Lindow mit verschiedenen Sportangeboten beinahe rund um die Uhr.
Und das Beste war: Die Mitglieder mussten für Unterbringung, Sport und Vollpension rein gar nichts bezahlen, die Kosten hierfür hat komplett die IDAA übernommen. Nur für die anschließende Pflege des unausweichlichen Muskelkaters mussten alle Teilnehmenden selbst aufkommen… 😉
Das Sport- und Bildungszentrum Lindow liegt in Lindow (Mark) in Brandenburg, idyllisch eingebettet in eine wald- und seenreiche Landschaft direkt am Wutzsee. Die weitläufige Anlage bietet vielfältige Sportmöglichkeiten: von Schwimmen im 50-Meter-Becken über Fitness und Krafttraining bis hin zu Hallensportarten – und ist in der warmen Jahreszeit sicher auch ein toller Ausgangspunkt für Radausfahrten, Wanderungen und Laufeinheiten oder Wassersport mit Kanu, Boot und Stand-up-Paddling. Auch Seminarräume stehen zur Verfügung. Hier können sich Vereine für Trainingslager einquartieren, die Anlage steht aber auch Einzelpersonen offen, die z. B. beim Radwandern eine Unterkunft suchen.
Danke für die tolle Organisation!
In Lindow sollten also unser IDAA-Sportwochenende und die diesjährige Mitgliederversammlung stattfinden. Im Vorfeld hatten wir im Vorstand in etlichen Zoom-Sitzungen über Zimmerkontingente, Einladungstexte, Sportangebote und den Ablauf diskutiert. Vor allem unsere Kassenwartin Bianca verbrachte viel Zeit mit der Organisation, beriet sich mit den Leuten im Sportzentrum über Essenszeiten und Hallen- sowie Schwimmbadbelegung. Auch an dieser Stelle nochmal ganz herzlichen Dank für diese großartige Organisation!
Etliche Mitglieder hatten im Vorfeld angeboten, Schnupperkurse in ihren jeweiligen Sportarten anzubieten. Entsprechend vollgepackt war unser Wochenendprogramm. Als ich es zum ersten Mal sah, musste ich ein bisschen schlucken. Allein für Samstag standen vier Sporteinheiten auf dem Plan: ein knackiges funktionelles Training im Fitnessraum unmittelbar nach dem Frühstück, gefolgt von Yoga, Schwimmen bzw. alternativ Spinning und Wandern. Wow. Aber natürlich komplett freiwillig, niemand musste alle Einheiten mitmachen.
Mit vollem Bauch und laufendem Bolus ins Training?
Das funktionelle Training, angelehnt an einen Hyrox-Einstieg, hatte Detlef ausgearbeitet. Er hat vor einer Weile bereits darüber geschrieben, wie er beim Hyrox mit seinem Typ-1-Diabetes umgeht. Ich persönlich hatte ein bisschen zu viel Respekt vor der Herausforderung, mit vollem Bauch und noch laufendem Frühstücksbolus in so ein Training zu starten. Ich hatte ja auch wichtige Dokumentationsaufgaben! 🙂 Statt also selbst aus der Hocke Medizinbälle nach oben an die Wand zu werfen oder mit einem Sandsack im Nacken tiefe Ausfallschritte zu machen, wuselte ich im Fitnessraum herum und beobachtete die anderen bei ihrem anstrengenden Workout.







Impressionen vom ersten sportlichen Tag in Lindow
Beim Yoga (sehr schön angeleitet von Iris), Schwimmen (mit tollen Übungen zur besseren Wasserlage von Bianca) und gemeinsamen Wandern am Wutzsee war ich wieder mit von der Partie. Wer sich statt Schwimmen für Spinning entschieden hatte, durfte sich über ein schweißtreibendes Rad-Workout mit Tobi freuen. Als wir uns am Sonntag nach dem Frühstück noch einmal zum Hyrox-angelehnten Training im Fitnessraum trafen, traute ich mich dann auch. Ich kann schon verstehen, was den Reiz dieser neuen Trendsportart ausmacht! Etliche andere waren auch ein bisschen angefixt und überlegten, ob sie sich mal nach Trainingsmöglichkeiten in ihrem jeweiligen Wohnort umschauen. Wer weiß, vielleicht lesen wir auf der IDAA-Homepage bald noch weitere Erfahrungsberichte über Hyrox mit Typ-1-Diabetes!







Impressionen vom zweiten sportlichen Tag in Lindow
Großartige Stimmung in der Gruppe
Die Stimmung in der Gruppe war – wie eigentlich immer bei IDAA-Treffen – großartig. Es ist halt schön, wenn man sich mit anderen Menschen nicht nur über Strategien und Tricks beim Training, sondern auch beim Diabetesmanagement im Zusammenhang mit Sport austauschen kann. Niemand wundert sich, wenn mal ein Alarm ertönt und eine Person sich kurz aus dem Geschehen herausziehen muss. Und immer sind um einen herum andere Menschen, die bei Bedarf ihren Vorrat an Hypo-Snacks mit einem teilen.
Beim Frühstück am Sonntag ertönte allerdings ein Alarm aus ungewohnter Richtung: Das Smartphone meines Mannes Christoph meldete sich auf einmal mit schrillen Tönen, die niemand einem bestimmten CGM- oder Insulinpumpentyp zuordnen konnte. Obwohl Christoph ja „nur“ Typ-F-Diabetes hat und (außer zu Testzwecken) natürlich kein CGM nutzt. Der Alarm betraf nicht seinen Glukosespiegel, sondern kam von unserem Smarthome-Einbruchsmelder.
Alarme ernst nehmen, aber auch korrekt interpretieren…
Wir bekamen einen Riesenschreck: Hatte sich da etwa wieder jemand Zugang zu unserem Haus verschafft, wie schon einmal vor gut zehn Jahren? Christoph checkte die Lage in der App. Der Alarm stammte von unserem Küchenfenster. Das kam uns seltsam vor: Das Küchenfenster kann man von der Straße aus einsehen, das wäre der denkbar dümmste Angriffspunkt für einen Einbrecher. Über die Live-Kamera sahen wir dann in der Einfahrt vor dem Küchenfenster eine Taube sitzen. Sie regte sich nicht, schien sehr benommen zu sein. Den Alarm erklärten wir uns dann so: Die Taube war mit voller Wucht gegen das Küchenfenster geflogen und hatte den Alarm ausgelöst. Wieder zu Hause angekommen, bestätigte sich diese Theorie. Am Küchenfenster waren die fettigen Spuren des Aufpralls in Form einer Tauben-Silhouette zu sehen. Und auf den Stufen zur Haustür lagen Unmengen an Federn. Offenbar hatte die arme Taube zu lang regungslos dort herumgesessen und war dann zum willkommenen Snack für eine der Nachbarskatzen geworden. Beim Smarthome gilt also ebenso wie beim CGM: Man sollte Alarme ernst nehmen, muss sie aber auch korrekt interpretieren.


Doch zurück nach Lindow, denn die Geschichte unseres Sportwochenendes ist noch nicht fertigerzählt. Unsere Mitgliederversammlung am Samstagnachmittag zog sich dieses Mal ziemlich in die Länge und wurde auch recht emotional. Denn es zeichnet sich von Jahr zu Jahr stärker ab, dass die IDAA in der jetzigen Form keine Zukunft hat. Das Interesse der Mitglieder an gemeinsamen Aktivitäten ist arg begrenzt, was sowohl die Teilnahme an Wettkämpfen als auch die an IDAA-Mitgliederversammlungen betrifft.
Bürokratischer Aufwand der Vereinsarbeit ist enorm
Entsprechend fragen wir uns im Vorstand immer häufiger, wozu wir überhaupt so viel Aufwand betreiben. Sprich: Mitgliederdatei, Homepage und Instagram-Kanal pflegen, Mitglieder anschreiben und zu Events einladen, Vereinskleidung bestellen und den Mitgliedern zuschicken, Mitgliedsbeiträge einziehen, die Kasse prüfen und mit dem Steuerberater diskutieren, dem Finanzamt mit viel Papierkrieg die Gemeinnützigkeit nachweisen, Vorstands- und Mitgliederversammlungen vorbereiten, Protokolle und Jahresberichte schreiben etc. pp.
Die IDAA hat gut 400 Mitglieder, die alle zur Mitgliederversammlung und zum Sportwochenende eingeladen wurden. Natürlich ist Lindow in Brandenburg nicht von jeder Ecke Deutschlands aus einfach zu erreichen. Und natürlich haben nie alle am selben Wochenende Zeit. Aber mal ehrlich: Ein kostenloses gemeinsames Sportwochenende sollte für sportbegeisterte Typ-Einser doch eigentlich ein attraktives Angebot sein, oder? Tatsächlich reagierten von unseren 400 Mitgliedern nur etwa 35 überhaupt auf die Einladung. Und es meldeten sich noch so viele sehr kurzfristig wieder ab, dass wir am Ende in Lindow nur 20 Leute waren. Davon gehörten acht dem Vorstand an bzw. waren als deren Partner*innen mitgekommen. Das ist schon eine sehr magere und ernüchternde Bilanz, finde ich, zumal die kurzfristig abgesagten Zimmer nicht mehr kostenlos stornierbar waren und vom Verein bezahlt werden mussten.
Nur wenig Interesse an IDAA-Veranstaltungen
Im Verlauf eines typischen Vereinsjahres sieht es leider kaum anders aus. Es gibt zwar viele Ideen einzelner Mitglieder, sich bei Wettkämpfen oder anderen Sportveranstaltungen zusammenzutun. Der Termin wird auf der IDAA-Homepage bekanntgegeben und im monatlichen Newsletter per Mail allen bekanntgegeben. Doch die Resonanz ist in der Regel kaum messbar. Nur bei wenigen Veranstaltungen treffen sich tatsächlich mehrere IDAA-Mitglieder, tauschen sich aus und berichten im Nachgang über ihre sportlichen und diabetesbezogenen Erfahrungen. Und das, obwohl die IDAA bei gemeldeten IDAA-Veranstaltungen im Nachgang das Startgeld übernimmt, sofern die Beteiligten sich als IDAA-Mitglieder anmelden und hinterher einen Bericht für die Homepage schreiben!
Wir sind uns daher einig, dass sich in der IDAA etwas ändern muss. Der Altersdurchschnitt unserer Mitglieder ist hoch (70% haben die 60 bereits überschritten), und vermutlich halten viele dem Verein einfach aus alter Verbundenheit die Treue. Denn als der Verein sich vor 35 Jahren gründete, galt für Menschen mit Typ-1-Diabetes noch ein striktes Sportverbot. Lediglich kleine Trainingseinheiten mit niedriger Herzfrequenz und unter Aufsicht waren erlaubt. Die IDAA hat unter ihrer Gründerin und Vorsitzenden Ulrike echte Pionierarbeit geleistet. Sie kippte das Tauchverbot für Menschen mit Typ-1-Diabetes. Veranstaltete Radrennen um zu zeigen, dass bei entsprechender Therapieanpassung auch langanhaltende Belastungen sicher möglich sind. Initiierte Untersuchungen und Studien – an einer durfte ich vor drei Jahren sogar selbst teilnehmen. Sport ist uns nun nicht nur erlaubt, sondern wird in den Diabetespraxen sogar wärmstens empfohlen.
Austausch hat sich auf andere Kanäle verlagert
Wer vor nicht allzu langer Zeit die Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten hat, kann sich vermutlich gar nicht vorstellen, gegen welche Widerstände die IDAA in ihren Anfangsjahren ankämpfen musste. Heute gibt es keine Verbote, gegen die man rebellieren müsste. Dafür CGM- und AID-Systeme, mit denen sich der Glukosespiegel lückenlos überwachen und die Insulinzufuhr (teilweise automatisiert) fein justieren lässt. Sport mit Diabetes ist prima machbar – sogar auf Spitzen- und Profiniveau. Der Austausch über das Diabetesmanagement ist natürlich weiterhin wichtig, passiert inzwischen aber eher via Instagram und in privaten Chatgruppen statt in einer klassischen Vereinsstruktur.
Die IDAA hat in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, auch jüngere Menschen mit Typ-1-Diabetes anzusprechen. Vor rund zehn Jahren hat der Verein sogar zwei Jahre in Folge einen Jugendpreis gestiftet, um den Nachwuchs auf die IDAA aufmerksam zu machen und an sie zu binden. Viele Bewerbungen gab es nicht, von einer Eintrittswelle ganz zu schweigen. Auch die 2025 endlich eingerichtete Instagram-Seite der IDAA erfreut sich bis dato nur sehr überschauberer Beliebtheit.
Wer mag neuen Schwung in den Laden bringen?
Wir werden sehen, wo die Reise für die IDAA hingeht. Ich möchte die vielen Kontakte und Erlebnisse nicht missen, die ich ihr zu verdanken habe. Aktuell bin ich allerdings etwas müde von der Vorstandsarbeit, die mir oft als VIEL Bürokratie für WENIG Miteinander erscheint. Daher unser dringender Appell: Wer Lust hat, sich aktiv in die Vereinsarbeit einzubringen und den Vorstand zu unterstützen, ist herzlich willkommen! Gemeinsam können wir unsere Präsenz in den sozialen Medien stärken, neue Veranstaltungen gestalten und die Teilnahme an Wettkämpfen fördern. Denn ein Verein lebt von den Menschen, die sich in ihm und für ihn engagieren, Ideen einbringen und gemeinsam etwas bewegen. Wenn das Vereinsleben lebendig ist, ist auch die Vorstandsarbeit mit ihren bürokratischen Pflichten sinnvoll und macht richtig Spaß! Wir würden uns freuen! Meldet euch mit euren Ideen gern bei mir unter info@antje-thiel.de.
