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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Neulich in Frankfurt: Warum mich das Diabetes-Barcamp ein bisschen an eine Hundewiese erinnert hat

Ein Kommentar

Das Schöne an der Diabetes-Community ist ja, dass man so schnell und unkompliziert miteinander ins Gespräch kommt. Wenn man genau weiß, dass das Gegenüber ebenfalls Diabetes hat (oder mit jemandem zusammenlebt, der Diabetes hat), finden sich sofort jede Menge Themen für einen unverbindlichen Smalltalk. Beim Diabetes-Barcamp in Frankfurt fiel mir zum ersten Mal auf: Da geht es uns ein bisschen so wie Hundebesitzern beim Gassigehen.

Es soll ja Menschen geben, die sich allein aus dem Grund einen Hund zulegen, damit sie draußen beim Gassigehen leichter mit anderen Menschen ins Gespräch kommen. Tatsächlich findet man diesen Tipp auch gelegentlich in Foren, die unfreiwilligen Singles Ratschläge für die Partnersuche erteilen. Denn wenn zwei Hunde einander interessiert gegenseitig am Po beschnüffeln und ihre Besitzer am anderen Ende der Leine ausharren müssen, bis die Tölen mit dem Informationsaustausch fertig sind, dann suchen Hundehalter meist lieber das Gespräch miteinander anstatt betreten einen Punkt am Horizont zu fixieren.

Die gemeinsamen Themen sind einfach offensichtlich

Dabei ist es unglaublich leicht, Themen für den unverbindlichen Smalltalk zu finden. Jeder Hund hat ein Alter und eine bestimmte Rasse (oder eben einen gemischten Stammbaum), jeder Hund muss fressen, jeder Hund hat Stuhlgang (den der Hundehalter beseitigen muss), jeder Hund muss mal zum Tierarzt, jeder Hund braucht ein gewisses Maß an Erziehung. Die Liste ließe sich beliebig weiter fortsetzen. Beim Gassigehen können Hundehalter daher sofort eine Unterhaltung starten, die für den anderen Hundehalter zumindest ein bisschen interessant ist:

  • Wie alt ist denn dein Hund? (Oh ja, als mein Hund in dem Alter war, da ging es mir ganz ähnlich…)
  • Welche Rasse ist das denn? (Ach wirklich? Und ich hatte gehört, dass Dackel eher bewegungsfaul sind?)
  • Mit was fütterst du deinen Hund? (Also ich schwöre ja auf das vegane Trockenfutter vom Biomarkt, alles andere macht Verstopfung…)
  • Oh, dein Hund trägt ein Halsband? (Ich finde ein Geschirr ja viel tierfreundlicher.)
  • Was machst du mit deinem Hund im Urlaub? (Meiner hat ja Angst vor Flugreisen, deshalb bringe ich ihn lieber zu meinen Eltern.)
  • Gibt es in deinem Stadtteil auch so wenige Ausgabestellen für die schwarzen Kotbeutel? (Aber die kann man doch online bei der Stadtverwaltung abonnieren!)
  • Zu welchem Tierarzt gehst du mit deinem Hund? (Mein Hund wurde ja unter Vollnarkose gechipt, anders hätte er die Prozedur nicht über sich ergehen lassen.)
  • Warst du mit deinem Hund schon bei der Hundeschule? (Mein Hund hat die Hundeschule leider ohne Abschluss verlassen, aber wir sind jetzt in einem Programm für Schulabbrecher.)

Fotoquelle für alle Bilder: Pixabay

Auch Menschen mit Diabetes haben viele Anknüpfungspunkte für Gespräche

Ich wage zwar zu bezweifeln, dass Menschen sich über ihre Diagnose Diabetes freuen, weil sie auf diese Weise endlich viel leichter mit anderen Menschen in Kontakt treten können. Aber die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen: Viele Diabetiker behandeln ihren Diabetes wie ein Haustier, geben ihm einen Namen, kaufen ihm Accessoires und feiern seinen Geburtstag. Und wie auch bei Hundehaltern gestaltet sich die Themenfindung ähnlich leicht, wenn zwei Menschen mit Diabetes aufeinandertreffen.

  • Seit wann hast du denn Diabetes? (Oh, dann steckst du ja noch mitten in der Remissionsphase!)
  • Welchen Diabetestyp hast du? (Ach, ich wusste ja noch gar nicht, dass es noch eine Zwischenform aus Typ-1, MODY und LADA namens Diabetes Typ-5X7 gibt!)
  • Welches Insulin verwendest du? (Also ich bin ja von Novorapid auf Fiasp gewechselt, weil ich sonst einen so langen Spritz-Ess-Abstand brauche.)
  • Wie ernährst du dich? (Für Diabetiker ist nun mal Low Carb die beste Lösung, finde ich.)
  • Hast du einen Pen oder eine Pumpe? (Anfangs war ich auch skeptisch, aber inzwischen würde ich meine Pumpe nicht mehr hergeben wollen.)
  • Trägst du die Pumpe auch im Urlaub? (Wenn ich Strandurlaub mache, wechsele ich für die Zeit lieber wieder auf den Pen – sonst ist es mir zu umständlich!)
  • In welcher Apotheke holst du dir deinen Diabetesbedarf? (Wieso Apotheke? Ich bestelle alles online bei Diashop!)
  • In welcher Diabetespraxis bist du? (Ich bin jetzt bei Dr. Schnellschuss – da muss ich zwar eine halbe Stunde fahren, aber er hat mir auch gleich den Eversense-Sensor gesetzt!)
  • Warst du schon mal bei einer Diabetesschulung? (Ich war bei einer stationären Pumpenschulung, möchte aber jetzt noch eine ambulante Nachschulung machen.)

Fotoquelle für alle Bilder: Kirchheim-Verlag, Stephan Benz

Ihr seht, das sind doch wirklich verblüffende Parallelen. Und deshalb war das Diabetes-Barcamp neulich in Frankfurt im Grunde eine riesige Hundewiese, auf der über 100 Hunde- … ähhh… Diabetesbesitzer unkompliziert und ohne schüchterne Zurückhaltung miteinander ins Gespräch kommen konnten. So blöde ein Diabetes auch ist: Es ist halt toll zu wissen, dass man mit vielen anderen eine so klare gemeinsame Schnittmenge hat, dass einem der Gesprächsstoff so schnell nicht ausgeht.

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