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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

12. Diabetes-Jubiläum – dieses Mal in Corona-Quarantäne

2 Kommentare

Heute vor exakt zwölf Jahren habe ich die Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten. In den vergangenen Jahren habe ich zu diesem Anlass Blogbeiträge veröffentlicht, in denen ich von meiner Diagnose und der unmittelbaren Zeit danach erzählt habe. Oder in Zahlen dargestellt habe, was Diabetes für mich bedeutet. Oder euch das besondere Geschenk gezeigt habe, das ich mir 2021 zu meinem Diaversary bereitet habe.

Dieses Jahr verbringe ich den Jahrestag meiner Diagnose mit einem Virus, denn ich habe mich mit SARS-Cov-2 (Untergattung Omikron) infiziert. Statt Sektkorken lasse ich in diesem Jahr also den Schraubverschluss der Hustensaftflasche knallen. Und erzähle euch mal ein bisschen, wie es mir mit Corona so geht. Eins vorweg: Es ist – nicht zuletzt dank dreimaliger Impfung – ein milder Verlauf.

Nachdem die Coronapandemie nun schon über zwei Jahre alt ist, längst auch unzählige Menschen mit Typ-1-Diabetes erkrankt sind und etliche von ihnen bereits in den sozialen Medien und anderswo darüber berichtet haben, sind meine Erfahrungen sicherlich keine Eilmeldung wert. Aber vielleicht interessieren sie euch ja trotzdem. Ich bin ja auch bei anderen Sachen nicht unbedingt das, was man einen ‚Early Adopter‘ nennt, deshalb habe ich mir dieses Virus auch erst jetzt angelacht.

Scherz beiseite, der Hauptgrund dafür, dass ich mich erst jetzt infiziert habe, ist natürlich, dass ich nicht erst seit der Pandemie im Homeoffice arbeitet und Christoph es mir seit zwei Jahren – von einigen wenigen Ausflügen ins Büro – gleichtut. Wir haben keine Kinder, die das Virus aus Kita oder Schule nach Hause bringen könnten, und wir haben uns auch (zumindest während der einzelnen Infektionswellen, in letzter Zeit aber mit deutlich nachlassender Begeisterung) halbwegs diszipliniert von größeren Menschenansammlungen ferngehalten.

Infektionsquelle war vermutlich ein Burger-Laden

Es fing damit an, dass Anfang vergangener Woche Christophs Corona-Warn-App rot anzeigte. Eine Risikobegegnung am 17. März. An jedem Donnerstag war er nach Hamburg ins Büro gefahren, weil er am Abend mit einer Kollegin zu einem Konzert in der Elbphilharmonie verabredet war. (Auf das wilde Geschrubbel von John Zorn hatte ich so gar keine Lust, deshalb war ich nicht mit von der Partie.) Im Büro traf Christoph auf nur sehr wenige Menschen und nahm seine Maske nur an seinem Platz ab. Im ÖPNV und in der Elphi galt sowieso Maskenpflicht. Damit bleibt also quasi nur noch der Burger-Laden, in dem die beiden vor dem Konzert zu Abend aßen, als potenzielle Infektionsquelle.

Christoph hatte eine riskante Begegnung in Hamburg, und nach seinem Positiv-Test war es dann auch um meinen Status geschehen.

Gratulation vom Gesundheitsamt zur hohen Viruslast

Wo er sich das Virus eingefangen hat, ist letztlich aber eine müßige Frage. Viel wichtiger ist ja, was es mit einem anrichtet. Christoph hatte ab Anfang vergangener Woche, also ca. 5 Tage nach dem Risikokontakt, leichte Symptome: Halskratzen, leicht verschnupfte Nase, ein bisschen Krankheitsgefühl. Der PCR-Test am Mittwoch in der Infektsprechstunde fiel positiv aus. Überraschenderweise rief sogar eine Dame vom Gesundheitsamt an, um mit ihm über die Selbstisolierung, seine Symptome und seine Viruslast zu sprechen. Die war nämlich offenbar sehr hoch: „Mit einem CT-Wert von 18 sind vor einem Jahr, als noch kaum jemand geimpft war, die Leute reihenweise im Krankenhaus gelangt“, meinte sie. Wir schauten schnell mal nach, was genau es eigentlich mit diesem CT-Wert auf sich hat. Als Faustregel kann man sich merken: Je niedriger der Wert, umso höher die Viruslast. Ab einem CT-Wert von 30 aufwärts gilt man als nicht mehr ansteckend. Der CT-Wert gibt nämlich die Zahl der Testzyklen an, die es braucht, um in einer Probe Virusmaterial nachzuweisen. Je weniger Zyklen es dafür braucht, umso mehr Virusmaterial ist logischerweise in der Probe vorhanden.

Die ganze Nacht hindurch infektiöse Aerosole eingeatmet

Christoph blieb also brav zu Hause, während ich (dreifach geimpft) mich nicht in Quarantäne begeben musste, sondern noch ein paar Einkäufe und Apothekengänge erledigen konnte. Mit Freund:innen hätte ich mich natürlich nicht verabredet, auch auf andere geselllige Aktivitäten hätte ich verzichtet. Wir waren zunächst unschlüssig, wie strikt wir uns zu Hause voneinander fernhalten sollten, damit ich mich möglichst nicht anstecke. Einerseits wollte ich eine Infektion natürlich sehr gern vermeiden. Andererseits schien es mir sehr wahrscheinlich, dass ich mich längst angesteckt hatte – schließlich hatten wir auch nach Auftreten seiner ersten Symptome noch im selben Bett geschlafen, ich hatte also die ganze Nacht hindurch aus nächster Nähe seine vermutlich längst infektiösen Aerosole eingeatmet. Da sollte man sich nicht allzu große Illusionen machen. Und sich in ein und demselben Haushalt komplett voneinander fernzuhalten, ist in einem Einfamilienhaus mit Garten zwar leichter als in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, aber Spaß macht es trotzdem nicht.

Gemeinsam essen an einer Tafel (fast) so lang wie der Tisch von Putin

Wir versuchten es mit einer eher halbherzigen Variante der Absonderung: Christoph zog mit seinem Bettzeug ins Gästezimmer. Christoph setzte im Haus eine FFP2-Maske auf, sobald er sein Schlafgemach bzw. sein Arbeitszimmer verließ, ich streifte mir eine FFP2-Maske über, sobald ich mit ihm in einem Raum war. Wir aßen weiterhin gemeinsam, setzten uns aber die entgegengesetzten Enden unseres 1,80 Meter langen Tischs (unsere Version des Putin-Tischs…). An einem Abend verzog sich jeder rasch in sein eigenes Zimmer, am anderen saßen wir auf weit voneinander entfernten Sesseln im Wohnzimmer und schauten mit FFP2-Maske fern. Mega ungemütlich.

Hallo du dahinten am anderen Ende der Tafel, guten Appetit!

Fast schon erleichtert über meine eigenen Symptome

Dann wachte ich am Freitag mit einem leichten Halskratzen auf – und war fast ein bisschen erleichtert. Ich dachte mir, wenn ich nun auch positiv getestet werde, dann muss ich mich zumindest nicht mehr von Christoph fernhalten, und wir können während der Isolationszeit wenigstens gemeinsam essen und nebeneinander ohne Maske auf dem Sofa abhängen. Außerdem wollen wir am kommenden Samstag für eine Woche in den Urlaub nach Dänemark fahren. Mit einem PCR-Ergebnis von Freitag könnte ich mich an Tag 7 vorzeitig freitesten und am Tag drauf in den Urlaub fahren. Wäre mein Testergebnis negativ, müsste ich mich von Christoph fernhalten, was eine spätere Infektion trotzdem nicht ausschließt, und dann wäre unser Urlaub definitiv nicht machbar. Also lieber Augen zu und durch?

Mit Omikron hat Corona für mich endgültig an Schrecken verloren

Ohnehin hatte ich keine besonders große Angst mehr vor Corona. Ich bin – bis auf meinen Typ-1-Diabetes – gesund, insbesondere haben meine Gefäße und andere Organe keine Schäden. Ich habe außerdem eine ziemlich stabile Stoffwechsellage, mein Diabetologe lobt mich bei jedem Besuch in seiner Praxis für meine Zeit im Zielbereich und halbwegs flachen Glukosekurven. Ich habe mich daher von Beginn der Pandemie an nicht als sonderlich gefährdet betrachtet, im Falle einer Infektion einen schweren Verlauf zu haben. Darüber hatte ich vor knapp einem Jahr hier schon einmal geschrieben. Ich habe aber die erste Gelegenheit zur Impfung genutzt, um mich und andere bestmöglich zu schützen, und bin natürlich auch längst geboostert. Zuguterletzt hat Corona für mich seit Auftreten der Omikron-Variante auch ganz allgemein deutlich an Schrecken verloren.

Push-Meldung der Corona-Warn-App informierte mich über mein Testergebnis

Mit diesen Gedanken suchte ich am Freitag also ebenfalls die Infektsprechstunde auf und ließ einen PCR-Test machen. Der Hausarzt meinte zwar, die Praxis könne mir das Ergebnis erst am Montag mitteilen, doch ich ließ mir einen QR-Code zum Einscannen in die Corona-Warn-App geben, die mich dann sofort informieren würde, wenn das Labor das Testergebnis ins System eingespeist hat. Und so erfuhr ich schon mitten in der Nacht auf Samstag – ich war kurz wach und wollte nur mal eben nach meinem Zucker schauen – über eine Push-Meldung der App von meiner Coronainfektion.

Erträgliche Symptome wie bei einer gewöhnlichen Erkältung

Tja, und wie geht es mir nun damit? Toi toi toi habe auch ich einen milden Verlauf. Wäre nicht gerade Pandemie, würde ich meine Erkrankung als gewöhnliche Erkältung klassifizieren. Ein bisschen Halsschmerzen, ein bisschen geschwollene Nasenschleimhäute, ein bisschen allgemeine Mattigkeit. Vorgestern hatte ich dem Gefühl nach auch leicht erhöhte Temperatur, was sich leider nicht verifizieren ließ, weil wir kein funktionstüchtiges Thermometer im Haus haben. Am nervigsten ist der trockene Husten, der mich zwar nicht konstant plagt, aber ab und an aus heiterem Himmel wie eine Bell-Attacke überfällt. Doch auch der Husten ist nun dank ein paar rezeptfreier Drogen, die mir von der hiesigen Apotheke freundlicherweise nach Hause geliefert wurden, ganz gut unter Kontrolle. Ich bin vielleicht ein bisschen schneller müde und nicht ganz so gut konzentriert, aber ich kann ganz normal arbeiten. Auch die Lebensmittelversorgung ist gesichert: Wir betreiben nicht erst seit Corona recht gewissenhafte Vorratshaltung und konnten die benötigten frischen Produkte über unsere Biokiste beziehen, da fiel unsere wöchentliche Bestellung halt mal etwas üppiger aus.

Diabetestherapie im Angesicht der Seuche

Allerdings wäre da ja auch noch mein Diabetes, der bei jeglichen Gesundheitsthemen immer ein Wörtchen mitreden möchte. In den ersten Tagen meiner Infektion musste ich meine Insulindosierung noch nicht groß anpassen, weil die Werte nicht sonderlich heftig nach oben ausschlugen. Doch seit 2 Tagen muss ich wirklich kräftig mit Insulin draufhauen. Normalerweise spritze ich z. B. morgens zum Frühstück maximal 15 MInuten vor dem Essen 6 Einheiten für 80 Gramm Kohlenhydrate. Das hat in letzter Zeit derart glatte Verläufe ergeben, dass es mir selbst fast unheimlich war. 😉 Mittags ist meine Insulinempfindlichkeit normalerweise etwas schlechter, da brauche ich für eine Mahlzeit mit z. B. 50 Gramm Kohlenhydraten um die 7 Einheiten Insulin. Abends komme ich in der Regel mit einem glatten Faktor von 1 (eine Einheit Insulin für 10 Gramm Kohlenhydrate) gut klar. Meine tägliche Dosis Basalinsulin (Lantus) liegt ohne Infekt zurzeit bei 12 Einheiten, im Sommer eher bei 10 Einheiten.

Auch das schnelle Lyumjev ist aktuell nur langsam unterwegs

Von solchen Faktoren kann ich aktuell leider nur träumen. Ich habe meine Basaldosis auf mittlerweile 16 Einheiten hochgeschraubt, war aber vielleicht sogar noch zu zögerlich dabei. Für die Mahlzeiten sind immer zweistellige Insulingaben nötig, was mich erst etwas Überwindung kostete, weil mir das irgendwie ungehörig viel erschien. Außerdem braucht nun auch das schnelle Lyumjev, mit dem ich meinen Spritz-Ess-Abstand so angenehm weit zurückfahren konnte, gefühlte Ewigkeiten, bis es wirkt. Heute morgen etwa fing ich 30 Minuten nach dem Bolus an zu frühstücken, da war der Glukosewert gerade erst vom Nüchternwert von 242 mg/dl auf unter 200 gefallen – und schoss trotz der 11 Einheiten für 80 Gramm Kohlenhydrate zwischenzeitlich auf knapp 270 mg/dl. Ich zeige euch hier mal meine Glukoseverläufe der vergangenen Tage:

Zeit im Zielbereicht ist gesunken, GMI hat sich erhöht

Am 24. März, also einen Tag vor Symptombeginn und PCR-Test, war noch alles super. Ich hatte gerade einen schönen Lauf mit meinem Zucker und war bei über 90% Zeit im Zielbereich (1% Hypos, Rest >180 mg/dl, davon 1% >240 mg/dl) und einem Glukose Management Indikator (GMI), also quasi das digitale Äquivalten des Langzeitzuckerwerts HbA1c, von 6,3% angelangt. Das hat sich nun nach ein paar Tagen mit Corona deutlich verschlechtert: Meine Zeit im Zielbereich ist auf 72% gesunken, der GMI hat sich auf 7,2% erhöht. Offensichtlich hätte ich etlichen Stellen noch beherzter nachlegen können bei der Insulindosierung. Allerdings empfinde ich das als nicht sonderlich dramatisch, denn erstens habe ich zum ersten Mal Corona und taste mich lieber vorsichtig heran, wie drastisch ich meine Insulindosierung erhöhe, um die Werte halbwegs im Zaum zu halten. Zweitens werden ein paar Tage, in denen meine Werte höher sind als ich es gut finde, nicht gleich zur Folge haben, dass mir ein Bein amputiert werden muss. Und drittens kriege ich die Glukosewerte bislang – wenn auch manchmal nur mit mehrfachen Korrekturen – am Ende dann doch runter. Insofern bin ich eigentlich ganz zufrieden, wie mir meine Diabetestherapie im Angesicht der Seuche gelingt.

Meine heutigen Helden heißen Frederick Banting und Charles Best, Özlem Türeci und Uğur Şahin

Um nun auf meinen eingangs erwähnten Diabetes-Jahrestag, mein Diaversary, zurückzukommen: Normalerweise empfinde ich an diesem Tag immer (besonders) große Dankbarkeit dafür, dass seinerzeit vor 100 Jahren Frederick Banting und Charles Best an ihrer Idee festhielten, aus den Bauchspeicheldrüsen von Hunden Insulin zu extrahieren und damit Menchen mit Typ-1-Diabetes vor dem sicheren Tod zu bewahren. Denn sonst hätte ich am 30. März 2010 de facto mein Todesurteil erhalten und würde heute schon längst nicht mehr leben, geschweige denn Blogbeiträge zum Leben mit Diabetes verfassen. Diese Dankbarkeit verspüre ich natürlich weiterhin, wie eigentlich jeden einzelnen Tag. Doch heute bin ich auch Özlem Türeci und Uğur Şahin unendlich dankbar dafür, dass sie in solch rekordverdächtigem Eiltempo einen Impfstoff gegen das SARS-Cov-2-Virus entwickelt haben, der mir einen schweren Verlauf meiner Covid-19-Erkrankung erspart hat.

Danke an all jene, die sich in der medizinischen Forschung engagieren, um Impfstoffe oder Medikamente zu entwickeln, die Menschenleben retten. Danke an alle, die im Gesundheitswesen arbeiten und den Menschen helfen, die bei ihren akuten oder chronischen Erkrankungen medizinische Hilfe benötigen. Es ist mein Diaversary, da sind ein bisschen Pathos und ein paar Tränen in den Augenwinkeln erlaubt. ❤

2 Kommentare zu “12. Diabetes-Jubiläum – dieses Mal in Corona-Quarantäne

  1. Danke für diesen Blog. Habe gerade selber Corona etwas heftiger. Erst seit kurzem ist mein Honeymoon vorbei. Hat mich beruhigt, mich nicht verrückt zu machen solange ich die hohen Zuckerwerte wieder runterkriege.

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    • Liebe Sarah, ich hoffe, du hast Corona inzwischen gut überstanden und auch deine Glukosewerte immer wieder einfangen können.! Ich bin ja nun längst wieder coronafrei, aber ein hartnäckiger Frosch im Hals ist immer noch da. Immerhin hat sich der Insulinbedarf auch wieder auf das normale Niveau eingependet. LG Antje

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