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Demnächst verfügbar: Freestyle Libre 2 mit optionalen Alarmen bei niedrigen oder hohen Glukosewerten

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Gemunkelt wurde in der Diabetes-Community ja schon eine ganze Weile, dass es demnächst eine neue Version des Flash Glukose Monitoring Systems Freestyle Libre geben soll. Auch von Alarmen war in der Gerüchteküche die Rede. Nun ist die Katze aus dem Sack: Das FreeStyle Libre 2 von Abbott mit optionalen Real-time Alarmen hat ein CE-Kennzeichen für Europa erhalten und kommt damit in Kürze auf den Markt.

Als diese Nachricht gestern wie eine Bombe einschlug, saß ich gerade mit etlichen anderen Bloggerinnen und Bloggern aus der internationalen Diabetes-Community beim Roche Diabetes Meetup im Vorfeld des Kongresses der Europäischen Diabetes-Gesellschaft (EASD) in Berlin. Erst kam eine Pressemitteilung, kurz darauf auch noch eine ähnliche Nachricht an die Bloggerinen und Blogger per Mail reingeflattert. Heute beim EASD-Kongress habe ich mich dann auch gleich am Stand der Firma Abbott und im Gespräch mit anderen Experten schlaugemacht und dabei die Fragen geklärt, die aus der offiziellen Pressemitteilung noch nicht hervorgingen. Hier nun also die wichtigsten Fakten zur neuen Version des Freestyle Libre:

  • Sensor und Empfänger sind beim Freestyle Libre 2 nicht nur beim Scannen per NFC, sondern auch per Bluetooth kontinuierlich miteinander verbunden. Damit hat das System künftig eine simple optionale (!) Alarmfunktion.
  • Es gibt zwei individuell einstellbare Glukosealarme für hohe bzw. niedrige Glukosewerte sowie einen Alarm im Falle eines Signalverlusts (z.B. wenn der Sensor und das Lesegerät nicht miteinander kommunizieren). In diesen Fällen wird der Nutzer je nach persönlicher Präferenz durch Alarmton oder Vibration gewarnt.
  • Wenn sich das Lesegerät mit einem Alarm meldet, zeigt es nicht den aktuellen Glukosewert an, sondern warnt lediglich, dass der Wert aktuell zu niedrig bzw. zu hoch ist. Um den genauen Wert zu erfahren, muss man weiterhin scannen.
  • Wer die Alarmfunktion nicht oder auch vorübergehend nicht nutzen möchte, lässt diese ausgeschaltet. Dieser Punkt ist mir persönlich wichtig, denn seit meinem Probetragen des Dexcom G5 weiß ich, dass mir Alarme schnell Stress bereiten können und ich sie meist auch nicht brauche, weil ich von mir aus oft genug meine Glukosewerte scanne und mir tagsüber deshalb eigentlich nichts entgeht.
  • Der Sensor punktet mit einer verbesserten Messgenauigkeit, auch in den ersten 24 Stunden nach dem Setzen. Auf diesen Punkt bin ich sehr gespannt, denn ich muss bislang ja jeden Sensor 24 Stunden vor dem Aktivieren setzen, weil er sonst am ersten und auch zweiten Tag falsche Werste (meist zu niedrig im Vergleich zur blutigen Messung) anzeigt. Wenn ich den Sensor 24 Stunden vor dem Aktivieren setze, bin ich allerdings schon jetzt sehr zufrieden mit der Messgenauigkeit (im Vergleich zur blutigen Messung).
  • Äußerlich bleibt der Sensor unverändert, auch die Abmessungen bleiben gleich. Lediglich das Lesegerät ändert seine Farbe und kommt künftig blau daher.
  • Es bleibt auch dabei, dass man den Sensor nicht kalibrieren kann bzw. muss.
  • Am Klebstoff des Sensors hat Abbott nichts geändert, was all jene enttäuschen dürfte, die mit Hautreaktionen infolge der enthaltenen Acrylate zu kämpfen haben. Diabetologen sprechen von 8 bis 10 Prozent der Anwender, bei denen es zu Hautreaktionen auf den Klebstoff kommt, bei Abbott geht man von niedrigeren Raten aus.
  • Auch der Preis für das System ändert sich trotz der neuen Zusatzoptionen nicht (eine Tatsache, über die sich zum einen die Selbstzahler und zum anderen auch die Krankenkassen freuen dürften).
  • Abbott nimmt nun Kontakt zu all den Krankenkassen auf, die bislang schon die Kosten für das Freestyle Libre übernehmen – sei es als Satzungsleistung, als Einzelfallentscheidung oder im Rahmen eines besonderen Versorgungsvertrags.
  • In der Szene wird nun heftig diskutiert, ob das Freestyle Libre mit seinen neuen Funktionen nun ein Real Time CGM (rtCGM) gemäß der Anforderungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ist. Das ist politisch nicht ganz ohne: Wenn sich die Auffassung durchsetzt, dass das Freestyle Libre mit den neuen Alarmen nun quasi ein rtCGM ist, dann könnte das Freestyle Libre ins reguläre Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen werden und Versicherte wären nicht mehr auf Zusatzverträge oder Satzungsleistungen angewiesen. Sie könnten es sich ebenso verordnen lassen wie alle anderen rtCGM-Systeme, die seit der oben verlinkten Entscheidung des G-BA zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Das wiederum könnte aber dazu führen, dass Krankenkassen in Zukunft vermehrt darauf dringen, dass ihre Versicherten anstatt mit einem rtCGM von Dexcom oder Medtronic eher mit einem Freestlye Libre versorgt werden, weil dieses System eben deutlich kostengünstiger ist.
  • Wer wie ich ein Jahresrezept für das Freestyle Libre von seinem Arzt bekommen hat (meines zum Beispiel läuft erst im Juli 2019 aus), der sollte nach Auskunft einer Mitarbeiterin am Abbott-Stand erst einmal abwarten, wie die Gespräche zwischen seiner jeweiligen Kasse und Abbott ausgehen. Da der Preis für das System aber nicht erhöht wird, kann man eigentlich davon ausgehen, dass einem einfach angeboten wird, auf das neue System umzusteigen. Dann bekäme man im Rahmen der bisherigen Jahresverordnung ab Jahresende bei den nächsten Lieferungen neue Sensoren und auch ein neues Lesegerät von Abbott. Aber wie gesagt: Erst einmal abwarten, wie sich die Parteien in diesem Punkt einigen.
  • Vorerst funktionieren die Alarme nur auf dem Lesegerät, doch die Smartphone-Apps sollen natürlich nachziehen. Das könnte allerdings noch bis Anfang 2019 dauern.

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