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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Ein paar Gedanken zum Leben mit Diabetes in Zeiten von Corona

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Moin und liebe Grüße aus dem Home Office. Für mich hat sich offen gestanden trotz der aktuellen Corona-Krise im Alltag herzlich wenig verändert. Ich arbeite bereits seit vielen Jahren zu Hause und erlebe regelmäßig Tage, an denen ich gar keinen Schritt vor die Tür setze. In diesen Tagen bin ich besonders dankbar, dass mein Job sich quasi von überall aus erledigen lässt, wo es eine Steckdose und W-LAN gibt.

Für andere ist die aktuelle Situation mit deutlich mehr Umgewöhnung verbunden. Für meinen Mann Christoph zum Beispiel, der die Option Home Office eigentlich nicht so gern nutzt, weil er lieber im Büro den direkten Kontakt mit seinen Kolleginnen und Kollegen pflegt. Doch mittlerweile arbeitet er seit über einer Woche ausschließlich zu Hause und scheint langsam Gefallen an der Sache zu finden.

Er war mit seinem Rückzug ins Home Office etwas früher dran als die meisten Leute, die nun von ihrer Firma nach Hause geschickt wurden. Und das hängt auch mit meinem Typ-1-Diabetes zusammen. Nachdem am ersten März-Wochenende bekannt geworden war, dass der konzernweit erste Corona-Fall ausgerechnet in der Hamburger Niederlassung aufgetreten war, machte die Firma am Montag vor einer Woche erst einmal das gesamte Büro dicht, um die Lage zu sondieren und die Kontaktpersonen der infizierten Person zu ermitteln. Daraufhin wurde allen Angestellten, die selbst zu einer Risikogruppe zählen oder schutzbedürftige Angehörige mit entsprechenden chronischen Erkrankungen haben, die Option Home Office angeboten. Diabetes stand explizit auf der Liste. Also entschloss sich Christoph, erst einmal nicht mehr ins Büro zu fahren, um mich nicht unnötig zu gefährden.

Wie gefährlich kann das Coronavirus mir persönlich werden?

Ich fand das natürlich gut – und doch brachte mich die Entwicklung zum Nachdenken über meine persönliche Gefährdungslage. Diabetes gilt ja, unabhängig vom Typ, ganz allgemein als ein besonderer Risikofaktor für so ziemlich alles, was einem gesundheitlich Schlimmes widerfahren kann. Nun ist Diabetes aber nicht gleich Diabetes. Für viele von uns ist der Diabetes bei Weitem nicht die einzige Erkrankung, sie haben weitere Autoimmunerkrankungen oder Folgeerkrankungen wegen ihres Diabetes. Andere hingegen sind abgesehen von ihrer arbeitsunwilligen Bauchspeicheldrüse kerngesund. Zu dieser Gruppe darf ich mich glücklicherweise zählen.

Stabiler Stoffwechsel reduziert Komplikationsrisiko

Nach allem, was ich in den vergangenen Tagen über das Coronavirus und Covid-19 gelernt habe, sehe ich mich als nicht stärker gefährdet an als andere Menschen meines Alters. Zum einen hat mich ein bisschen beruhigt, was die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), kürzlich zum Thema Typ-1-Diabetes und Corona gesagt hat. Natürlich gibt es noch keine belastbaren Daten speziell zu den Risiken und Krankheitsverläufen bei Typ-1-Diabetes – dafür ist das Coronavirus schlicht zu neu. Aber die DDG erklärte: „Auch im Falle einer Infektion mit dem bislang noch wenig erforschten Coronavirus SARS-CoV-2 gehen wir – analog zur Influenza – davon aus, dass man mit einem ausgeglichenen Stoffwechsel das Risiko für Komplikationen reduzieren kann.“ Weiter erklärte die DDG: „Haben Diabetespatienten Begleit- und Folgeerkrankungen wie Herzkreislaufprobleme oder Organschäden, sollten sie aktuell jedoch besonders achtsam sein.“ Diese Menschen hätten im Falle einer Ansteckung mit Coronavirus SARS-CoV-2 durch ihr geschwächtes Immunsystem und eventuell bereits bestehende Infektionen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Warum Vorerkrankungen schwere Verläufe begünstigen

Warum das so ist, hat Prof. Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, in einem seiner täglichen NDR-Podcasts vor ein paar Tagen gut erklärt (überhaupt sind das in meinen Augen wirklich gut investierte 30 Minuten, in denen der Experte unaufgeregt, sachlich und verständlich erläutert, was es aktuell über das Coronavirus, Covid-19 und die Pandemie zu wissen gibt). Demnach erkranken etwa 15 von 100 Infizierten schwer an Covid-19, sie entwickeln beispielsweise Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Eine Lungenentzündung ist nicht schön, für einen insgesamt vitalen Organismus bei entsprechender Behandlung aber in der Regel zu verkraften. Wer aber Vorerkrankungen hat, die ohnehin allerhand im Körper aus dem Gleichgewicht gebracht haben, steckt eine Komplikation wie eine Lungenentzündung nicht so einfach weg. Dies gilt natürlich insbesondere für Menschen mit chronischen Lungen- und Atemwegserkrankungen, aber auch Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen, deren Herz einen krankheitsbedingt erhöhten Puls nicht lange verkraftet. Jemand, dem beim Treppensteigen schon nach einem Treppenabsatz die Pumpe rast, kommt mit einer Lungenentzündung als Folge von Covid-19 also viel schlechter zurecht als jemand, der sportlich trainiert ist und ein fittes Herz hat.

Ich halte mich nicht für besonders gefährdet

Für mich persönlich war es schön, so etwas zu hören. Zum einen ist mein Stoffwechsel zum Glück ziemlich stabil, sodass ich vermutlich kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf habe. Ich hätte wohl – wie bei einer gewöhnlichen Erkältung –  „nur“ mit ein bisschen Blutzuckerchaos zu rechnen, nicht aber mit einem besonders kritischen Verlauf. Weiterhin bin ich körperlich halbwegs fit, obwohl ich in den vergangenen Monaten sportlich nicht wirklich aktiv war (Fersensporn und Sehnenscheidenentzündung lassen grüßen…). Zumindest bringt mich das besagte Treppensteigen nicht aus der Puste, und auch mein Ruhepuls und Blutdruck sind entspannt niedrig. Sollte ich mich also mit dem Coronavirus infizieren und dummerweise doch nicht die milde Verlaufsform erwischen, dann würde mir auch die heftigere Form aufgrund meiner guten Gesamtkonstitution immer noch nicht ernstlich gefährlich. Insgesamt ist mein Infektionsrisiko aber ohnehin niedrig, weil ich ohnehin im Home Office arbeite, im Alltag sowieso nicht vielen Menschen begegne und jetzt erst recht soziale Kontakte heruntergefahren habe. So jedenfalls meine Einschätzung auf Basis der verfügbaren Informationen.

Verbreitung des Virus verlangsamen

So sehr es mich erleichtert, dass ich persönlich nicht besonders gefährdet bin, umso mehr beunruhigt mich die Ausbreitung des Virus aber für all diejenigen, die insgesamt weniger fit sind und sich auch nicht so problemlos einigeln können wie ich. Ich hoffe sehr, dass die Menschen in Deutschland weiterhin überwiegend besonnen agieren und die Maßnahmen befolgen, die angeordnet werden und von Tag zu Tag ein bisschen strenger werden. Es geht darum, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele kranke Menschen auf einmal in Krankenhäusern und Intensivbetten behandelt werden müssen und das Gesundheitssystem kollabiert.

Ich hatte bislang nur entspannte Einkaufserlebnisse

Auch wenn ich auf Facebook immer wieder Bilder von leeren Regalen sehe und Meldungen über rücksichtsloses Verhalten lese, ist mein persönlicher Eindruck bislang zum Glück ein anderer. Wir waren zuletzt am Freitagabend einkaufen und konnten weder im Aldi, noch beim Edeka einen ungewöhnlich großen Kundenansturm beobachten. Die Menschen gingen freundlich miteinander um, die Regale waren gut gefüllt. Es gab sogar Klopapier in rauen Mengen! Ich entdeckte lediglich vereinzelte Lücken im Konservenregal und beim abgepackten Brot. An einem Freitagabend kurz vor Feierabend müssen auch nicht alle Regale proppenvoll sein, finde ich, deshalb muss man das auch nicht fotografieren, ins Netz stellen und damit unnötig Panik verbreiten. Als Christoph am Samstagmorgen beim Bäcker Brötchen holte, war die Schlange deutlich länger als sonst – aber nicht, weil Notstand ausgebrochen war, sondern weil die Menschen mehr Abstand voneinander hielten.

Wir müssen nicht auf Bewegung verzichten

Im Laufe des Samstags erhielten wir einen Anruf unserer Tanzschule, die uns mitteilte, dass die Tanzkurse aufgrund eines Erlasses der schleswig-holsteinischen Landesregierung bis zum 19. April erst einmal nicht stattfinden werden. Das ist schade, ebenso wie die Tatsache, dass auch unser Fitnessstudio dichtgemacht hat. Aber Laufen bzw. Spazieren an der frischen Luft ist weiterhin möglich. Und was ich wirklich cool finde, sind die kreativen Lösungen, die nun überall aus dem Boden sprießen. Unsere Tanzschule hat angekündigt, Video-Tutorials mit Tanzfiguren zu drehen und online zu stellen, damit wir zu Hause im Wohnzimmer weiter tanzen können. Das Fitnessstudio hat ebenfalls zu Online-Kursen verlinkt.

Die Krise birgt auch Chancen

Die Krise zeigt in meinen Augen, dass so manches mehr möglich ist als man im Normalbetrieb anpacken mag. Auf einmal arbeiten Menschen im Home Office, deren Chefs zuvor strikt gegen Heimarbeit waren. Man muss nicht mehr für jedes Meeting durch die Welt jetten, sondern kann am Bildschirm miteinander sprechen. Immer mehr Menschen erkennen, wie wertvoll guter Wissenschaftsjournalismus und qualitativ hochwertige öffentlich-rechtliche Medien sind. Auf Facebook gründen sich Gruppen zur Nachbarschaftshilfe, damit ältere und kranke Nachbarn nicht zwingend selbst zum Einkaufen gehen  müssen.

Trotz allem bin ich zuversichtlich

Natürlich macht mir die Corona-Pandemie auch Angst. Ich sorge mich um Menschen in meinem engeren und weiteren Umfeld, die nicht so fit sind. Ich fühle mit denjenigen, die auf einmal zu Hause arbeiten und gleichzeitig ihre Kinder beaufsichtigen sollen und dabei möglicherweise in einer Partnerschaft stecken, die mit viel räumlicher Nähe nicht gut funktioniert. Und ich bange mit allen, deren Jobs und Existenzen durch die Krise in Gefahr sind – im Tourismus, Einzelhandel, in der Gastronomie, im Kulturleben und im Journalismus. Aber trotz allem bin ich zuversichtlich, dass wir gemeinsam als Gesellschaft diese Krise bewältigen und um etliche wichtige Erkenntnisse reicher aus ihr hervorgehen können.

Leseempfehlungen für euren weiteren Wissenshunger

Jetzt heißt es eben durchhalten und Ruhe bewahren. Bitte seid dabei solidarisch: Bleibt so weit wie möglich zu Hause und beachtet die allgemeinen Hygienetipps, damit das Virus nicht schneller verbreitet wird als unser Gesundheitssystem es verkraften kann. Bitte kauft besonnen ein und bietet euren Nachbarn Hilfe an. Viel mehr muss man eigentlich gar nicht wissen. Wenn ihr doch mehr wissen wollt, verfolgt die Corona-Veröffentlichungen in seriösen Medien und Portalen. Wenn ihr bis hierher durchgehalten hat, lest ihr offenbar gern – also habe ich zum Schluss ein paar Leseempfehlungen für euren weiteren Wissenshunger:

Bleibt gesund und passt gut auf euch auf!

3 Kommentare zu “Ein paar Gedanken zum Leben mit Diabetes in Zeiten von Corona

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