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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Welche Rolle spielen Folgeerkrankungen des Diabetes für mich?

2 Kommentare

Heute ist Tag 3 der Diabetes-Blog-Woche, und ich bin aufgerufen, mir über Folgeerkrankungen Gedanken zu machen. Das sind unangenehme Gedanken, wie sie wohl jeder Mensch mit Diabetes immer wieder einmal hat, aber am liebsten verdrängt.

Bislang bin ich von Folgeerkrankungen zum Glück verschont geblieben. Sprich: Meine Netzhaut ist heil, ich spüre jedes Steinchen im Schuh, und nach einem Spargelessen stinkt mein Pipi schon nach 15 Minuten ganz gewaltig – woraus ich schließe, dass auch meine Nieren bislang 1a funktionieren. Puh. Ich bin recht zuversichtlich, dass ich auch weiterhin ohne Folgeerkrankungen durchs Leben gehen werde. Zum einen, weil ich erst recht spät die Diagnose Diabetes erhalten habe und damit bereits vier Jahrzehnte mit einem gesunden Zuckerstoffwechsel hinter mir hatte. Zum anderen, weil es mir glücklicherweise nicht allzu schwer fällt, meine Glukosewerte halbewegs in Schach zu halten. Außerdem hatte ich auch noch nie einen richtig fiesen Durchhänger, in dem mir meine Werte total egal waren und ich mein Diabetesmanagement habe schleifen lassen. Das sind also alles zusammen recht gute Voraussetzungen für ein langes Leben ohne Folgeerkrankungen.

Doch wie ich neulich in meinem Beitrag zum Thema #LanguageMatters bereits geschrieben habe, ist es ja so eine Sache mit der Statistik: Nur weil etwas ziemlich unwahrscheinlich ist, heißt das ja nicht, dass es definitiv nicht passieren wird. Es besteht also trotz meiner guten Voraussetzungen immer noch eine gewisse Chance, dass ich irgendwann einmal mit einer Netzhautkomplikation zu tun haben werde, meine Füße nicht mehr richtig spüre oder wegen Nierenversagen an die Dialyse muss. (Und was gibt es sonst noch so im Sortiment? Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, diverse Krebserkrankungen, Magenlähmung… die Liste ist schier endlos lang.) Und ich sage euch ganz offen: Das macht mir Angst.

Stichwort Netzhautkomplikation: Ich bin ohnehin seit früher Jugend kurzsichtig und habe deshalb auch ohne Diabetes ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung. Nun bin ich also quasi eine Doppelrisiko-Kandidatin, na super. Einmal im Jahr habe ich deswegen einen Netzhaut-Fototermin.

Stichwort Nierenversagen: Ich habe eine sehr genaue Vorstellung davon, welche Einschränkungen mit einer Niereninsuffizienz, mit Dialyse und Nierentransplantation verbunden sind. Denn mein Stiefvater (der keinen Diabetes hat), hat all dies durchgemacht. Er verträgt seine Spenderniere zum Glück sehr gut, braucht nicht allz hohe Dosen Immunsuppressiva, doch die Zeit an der Dialyse (3x pro Woche war er ca. 5 bis 6 Stunden am Apparat und danach erstmal sehr erschöpft) und des Wartens auf ein Spenderorgan war ziemlich hart.

Stichwort Neuropathie: Lange bevor ich begonnen habe, konkret über Diabetes zu schreiben, hatte ich schon viel mit Fußgeschwüren infolge eines Diabetes zu tun. Denn mein berufliches Hauptstandbein ist die Redaktion einer Fachzeitschrift für niedergelassene Chirurgen. Und die sind nun einmal oft gefragt, wenn Menschen mit Diabetes wegen einer Neuropathie ihre Füße nicht mehr spüren, Verletzungen nicht bemerken und deshalb fiese und schlecht heilende Wunden an ihren Füßen entwickeln. Ich möchte euch hier nicht mit den Bildern dieser Füße erschrecken, doch aus meinem Kopf lassen sie sich einfach nicht verbannen.

Stichwort Magenlähmung: Für den Focus Diabetes habe ich vor ein paar Jahren einmal eine größere Geschichte zum Thema Diabetes und Verdauung recherchiert und geschrieben. Dabei habe ich gelernt, dass eine Neuropathie auch die Nerven schädigen kann, die vom Gehirn zum Magen führen und den Muskeln die erforderlichen Impulse geben, um den Nahrungsbrei weiter in den Darm zu befördern. Sind sie kaputt, bleibt der Nahrungsbrei länger als normal im Magen, wird nicht verstoffwechselt, löst Übelkeit und Völlegefühl aus. Gastroparese heißt das im Fachjargon. Blöder Nebeneffekt: Die darin enthaltenen Kohlenhydrate werden nur verzögert verstoffwechselt, es ist also nahezu unmöglich, den richtigen Spritz-Ess-Abstand (SEA) abzupassen. Wann immer es bei mir mal etwas länger dauert, bis nach einer Mahlzeit der kalkulierte Glukoseanstieg sichtbar wird, kreuzt kurz der Gedanke mein Hirn, ob ich möglicherweise eine Gastroparese entwickele und deshalb heute einen SEA von 15 und morgen einen von 30 Minuten benötige.

Diese Angst vor Folgeerkrankungen belastet mich im Alltag zwar nicht sehr. Doch es gibt Momente, wo sie aufflackert oder sich aus dem Unterbewussten einen Weg nach draußen bahnt. Meine Schwester Caro hat das einmal sehr anschaulich beschrieben, als sie mir von meinem Verhalten bei einer Party erzählt hat, an die ich wegen etlicher Gin Tonic zu viel leider keine eigene Erinnerung habe. „Ich werde doch sowieso irgendwann blind“, habe ich da im Suff wohl geheult. Diese blöde Angst ist also doch irgendwie und irgendwo mein ständiger Begleiter.

DBW20189-Logo-HD

Wollt ihr gern wissen, was anderen Bloggerinnen und Bloggern zum Thema „Folgekomplikationen“ durch den Kopf gegangen ist? Dann klickt euch hier durch ihre Beiträge. Morgen geht es mit dem Thema „Closed Loop – der heilige Gral?“ weiter in der DBW2019, also stay tuned!

2 Kommentare zu “Welche Rolle spielen Folgeerkrankungen des Diabetes für mich?

  1. Hey toller Blog und toller Beitrag, welches Blutzuckermessgerät benutzt du? Liebe Grüsse!

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