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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Basalbedarf halbiert – und 4 weitere Beobachtungen rund um das Abnehmen mit Diabetes

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Etwa vier von meinen neun überflüssigen Kilos sind schon runter, seit ich am 20. Januar mit dem konsequenten Kalorienzählen und vor allem Kaloriensparen angefangen habe. Mein neues Essverhalten geht natürlich auch an meinem Diabetes nicht spurlos vorüber.  Hier erzähle ich euch einmal 5 Dinge, die mir seither aufgefallen sind.

Eins vorweg: Meinen Glukosewerten gefällt es enorm, dass ich mich beim Essen zurückhalte. Doch nun auf zu meiner Top-5-Liste der Dinge, die sich in meinem Körper, meinem Diabetesmanagement und in meiner Wahrnehmung seither verändert haben.

  1. Meine Insulinempfindlichkeit hat sich deutlich verbessert. Dieser Effekt war mir ja nun durchaus bekannt, doch als ich nach Start meines Abnehmprogramms binnen weniger Tage meine tägliche Dosis Lantus von 12 auf 6 Einheiten und den Bolusfaktor beim Frühstück von 1,8 auf 0,8 IE pro KE (für den restlichen Tag ist der Faktor weiterhin 1,0) reduzieren musste, kam mir das doch ein bisschen arg viel vor. Ich argwöhnte, es könne auch an der Schilddrüse liegen, denn ich warte schließlich noch immer darauf, dass die Hashimoto-Unterfunktion einsetzt – und eine Schilddrüsenunterfunktion geht meist mit einem reduzierten Insulinbedarf einher. Vorsichtshalber schob ich einen Extra-Termin beim Diadoc zur Blutentnahme ein, doch Fehlanzeige: Aktuell sind meine Schilddrüsenwerte unauffällig. Dann keimte ein weiterer Verdacht: Als ich irgendwo am Rande las, dass der Insulinbedarf im ersten Trimester einer Schwangerschaft normalerweise stark zurückgeht, bekam ich einen kleinen Panikanflug. Ich hatte zwar schon vier Monate keine Periode gehabt, hatte das aber auf die beginnenden Wechseljahre geschoben. Was aber, wenn das alles Quatsch wäre und ich – immerhin mittlerweile 48 Jahre alt und Oma einer einjährigen Enkelin – schwanger wäre? Ich machte meinen Mann Christoph einen halben Samstag lang verrückt mit meinen Mutmaßungen und stratzte dann schnell in die Apotheke, um einen Schwangerschaftstest zu kaufen. Ergebnis: Negativ, ich bin nicht schwanger, und das ist auch gut so. Lange Rede, kurzer Sinn: Wie es aussieht, kommt die verbesserte Insulinempfindlichkeit ausschließlich vom Abnehmen durch verringerte Kalorienzufuhr und mehr Bewegung.
  2. Mein Spritz-Ess-Abstand hat sich verkürzt. Dieses Phänomen hatte ich zuvor noch nicht beobachtet, wenn ich mal kurzzeitig ein bisschen abgenommen und mit mehr bewegt hatte. Doch ich bin nun mittlerweile zu Liprolog als Bolusinsulin zurückgekehrt* und habe damit längst nicht mehr den langen Vorlauf wie noch vor meinem kurzzeitigen Wechsel zu Fiasp. Sprich: Ich muss nicht mehr 30 Minuten vor dem Frühstück und auf 2 Spritzstellen verteilt mein Insulin spritzen, sondern 15 Minuten reichen in der Regel aus – ähnlich wie bei Fiasp. Das war ein ziemliches Aha-Erlebnis für mich!
  3. Meine Haltung gegenüber Low Carb hat sich verändert. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, den Anteil von Kohlenhydraten in der eigenen Ernährung zu reduzieren – nicht zuletzt, weil das den Blutzuckerwerten ungemein gut tut. Doch eben diese schönen Blutzuckerverläufe nach Low Carb-Mahlzeiten haben mich in der Vergangenheit gern mal ausblenden lassen, dass Low-Carb nicht zwingend kalorienarm ist. Frei nach dem Motto: „Fett zu verteufeln ist sowas von 80er“ achtete ich nicht sonderlich darauf, wieviel Fett ich zu mir nahm – und das rächte sich ganz offensichtlich. Fett ist nicht per se ein dickmachender Bösewicht, Fett per se macht auch nicht krank, aber trotz alledem hat Fett nun einmal von allen Makronährstoffen die meisten Kalorien. Ich achte mittlerweile auf meine Fettzufuhr, etwa indem ich beim Anbraten nicht großzügig Öl aus der Flasche in die Pfanne gieße, sondern es löffelweise portioniere. Und dennoch stammen weiterhin mindestens 40 Prozent meiner täglichen Kalorien aus Fett. Lange Rede, kurzer Sinn: Low Carb ist kein Freifahrschein für unkontrollierte Fettzufuhr!
  4. Es ist gar nicht so schwer, weniger Süßigkeiten zu essen. Lange Zeit habe ich mich gern damit herausgeredet, dass es für mich als Typ-1-Diabetikerin ja nicht leicht ist, um Süßigkeiten prinzipiell einen Bogen zu machen. Immerhin kann mich ein Schokoriegel oder eine Handvoll Gummibärchen im Notfall aus einer Hypoglykämie retten. So etwas prägt die emotionale Haltung gegenüber Süßigkeiten. Ich könnte Zucker niemals verteufeln, denn ich kenne ja auch seinen heilsamen Effekt, wenn ich bei einer Hypo etwas Süße esse und kurz darauf spüre, wie der Blutzuckerspiegel ansteigt, die Körperpanik verfliegt und das Gehirn sich wieder beruhigt. Doch trotz dieser starken emotionalen Bindung kann man den Zuckerkonsum drosseln. Mir gelingt es im Moment gut damit, dass Süßigkeiten nur in Verpackungseinheiten von 10 bis 15 Gramm Kohlenhydraten kaufe. Sprich: Dinge wie die kleinen abgepackten Haribotütchen (1 KE), Kinderriegel (1,2 KE) oder Twix Sticks (1,5 KE). Und weil sie die perfekte Größe für die Behandlung einer Hypo haben, werte ich sie als Medizin und nicht als Naschkram. Mit der Konsequenz, dass ich sie nicht anrühren darf, wenn es mit gut geht und mein Glukosewert gerade keinen Push-Up benötigt. Nebenbei bemerkt: Ich dokumentiere ja akribisch meine gesamte Kalorienzufuhr, und dazu gehören nun einmal auch Hypohelfer. Traubenzucker schmeckt zwar nicht so gut wie ein Schokoriegel, doch 10 Gramm Dextro Energy haben nur 36 kcal – im Vergleich zu 119 kcal für einen Kinderriegel. Manchmal gewinnt dann auch der Traubenzucker, wenn der Glukosespiegel aus dem Keller wieder hochkommen soll.
  5. Es fühlt sich gut an, die Kontrolle zu haben. Vielleicht kommt es manchen ja grenzwertig pedantisch vor, dass ich nun nicht nur meine ganzen Diabetesdaten, sondern mit meinem Fitbit-Tracker auch noch meine Kalorien detailliert aufschreibe und auswerte. Es ist auch ein bisschen seltsam, wenn mein Mann und ich (wie gestern zum Beispiel) im Restaurant sitzen und erst einmal unsere Smartphones zücken, um unser Essen haarklein zu dokumentieren, bevor wir dann tatsächlich anfangen zu futtern. Doch mir gibt die Kaloriendokumentation inzwischen ein ähnlich sicheres Gefühl wie das gewissenhafte Diabetesmanagement: Ich kann in hohem Maße kontrollieren, was da passiert. Ebenso wenig, wie ich komische Glukoseverläufe einfach schicksalhaft hinnehmen muss (denn ich kann sie durch Analyse meiner Daten ja zumindest halbwegs verstehen und damit für die Zukunft lernen), muss ich Gewichtszunahme als unabwendbares Schicksal akzeptieren. Sätze wie „Mit Diabetes kann man nur schwer abnehmen!“ oder „Mit einer Schilddrüsenerkrankung nimmt man nun einmal zu!“ oder „In den Wechseljahren verlangsamt sich der Stoffwechsel, da nimmt jede Frau zu!“ verlieren an Bedeutung, wenn ich haarklein notiere, was ich esse und was ich im Gegenzug an Kalorien verbrenne. Zumal ich auf der Waage ja auch genau sehe, dass die 500 kcal Kaloriendefizit, die ich täglich anpeile (und summa summarum auch ganz gut hinkriege), tatsächlich zu 4 Kilo Gewichtsabnahme in weniger als 2 Monaten geführt haben. Das alles ist zwar aufwändig, aber dafür bin ich der Boss in meinem Körper und kann tatsächlich Veränderungen herbeiführen. YEAH.

Heute morgen zeigte die Waage 67 Kilo an. Ich möchte gern bis auf 62 Kilo (und damit einen normalgewichtigen BMI von 24,2) runterkommen. Es motiviert mich, dass der bisherige Weg bei weitem nicht so steinig war, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe, als ich die vielen Ausreden (siehe oben) noch gelten ließ. Und wenn ich 62 Kilo wiege, dann werden auch meine alten Jeans wieder super sitzen. Zum Glück kommt eine klassische Levis 501 nie aus der Mode. Und zum Glück hat sie keinen Stretchanteil und ist damit unerbittlich. Ich besitze sie in denimblau, in weiß und in schwarz. Und freue mich schon sehr darauf, sie wieder anzuziehen.

*Es hat keine besonderen Gründe, dass ich von Fiasp wieder zur Liprolog zurückgekehrt bin. Bei mir funktionierte Fiasp super, ich hatte auch überhaupt nicht mit den Problemen zu tun, die manche andere darüber berichten (Brennen bei der Bolusgabe, wie Saskia es erlebt hat, oder höherer Insulinbedarf, wie Kathy ihn beobachtet hat, oder Muskelschmerzen und Gewichtszunahme, von denen Steffi berichtet hat). Doch als meine 5 Testampullen Fiasp aufgebraucht waren, wollte ich als sparsamer Mensch erst einmal die 3 Restampullen Liprolog aufbrauchen, die ich noch im Kühlschrank hatte. Und beim nächsten Routinetermin in der Diabetespraxis orderte ich aus purer Tranigkeit ein neues Rezept Liprolog statt Fiasp. So kann’s gehen!

6 Kommentare zu “Basalbedarf halbiert – und 4 weitere Beobachtungen rund um das Abnehmen mit Diabetes

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  4. Hallo Antje, es ist sehr interessant, über deine Erfahrungen zu lesen.
    Die bringen mich aber zu anderen Überlegungen: wieso haben Fett und Co. keine vergleichbaren Wirkung bei mir als Typ 1-Diabetikerin? Sprich, sie bleiben nicht an meinem Körper“hängen/haften“, spiegeln sich aber schnell auf den BZ-Werten wieder, was bei mir widerum zum Abnehmen führt. Also, wenn ich „sünden “ will, schießt es bei mir „nach hinten“ und ich habe dann (bitte nicht neidisch werden) eher ein anderes Problem : das Gewicht halten 😉
    Und der Sport hat eine ähnliche Wirkung bei mir, also, treibt meine Zuckerwerte in die Höhe. Ist es nicht „verrückt“, dass ich meinen Zusammenbruch mit der anschließenden Typ1- Diagnose augerechnet nach einer Sportstunde hatte? Dies frustriert mich sehr, da ich seit sehr vielen Jahren bewegungsaktiv war und nun jetzt Vieles reduzieren musste, da ich nach jeder Sportstunde am nächsten Tag kraftlos und schlapp bin 😦
    Es ist doch eine ziemlich verrückte Welt: Eine will/wird aktiver, die Andere muss langsamer werden/ weniger machen, kann aber nicht immer rechtzeitig aufhören 😉
    Trotzdem wünsche ich dir weiterhin viel Spaß an deinem Vorhaben!

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  5. Hej Antje!

    Gratuliere Dir zu diesem tollen Ergebnis!!

    Ich überlege, ob ich das nicht auch mal probieren sollte… Ich habe zwar kein Fitbit…aber auch ein Aktivitätsprogramm mit Kalorienzähler auf dem Handy… Ich bewundere Deine Disziplin gerade ohne Ende!

    Bleib dran, dann wirst Du es auch schaffen!

    LG Tina

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    • Dankeschön, liebe Tina! ❤ Es fällt mir erstaunlicherweise gar nicht so schwer, Disziplin zu halten, wenn ich alles so unbarmherzig schwarz auf weiß sehe. Ohne Werbung für Fitbit machen zu wollen (diese Funktion haben auch etliche andere Aktivitätstracker, denke ich), finde ich dabei gerade die Kombination aus Aktivitätstracking und Kalorientracking super. Ich sehe auf einen Blick, wie sich ein Schokoriegel UND eine Runde um den Block auswirken – und das spornt sehr an + verbessert mein Gefühl für sinnvollen Verbrauch + Zufuhr. LG antje

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