Süß, happy und fit

Echte Geschichten aus meinem bewegten Leben mit Typ-1-Diabetes


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Gehirn im Alarmmodus: Was genau passiert bei einer Hypo?

Wenn die Versorgung mit Glukose nicht mehr sichergestellt ist, geht das Gehirn in Alarmbereitschaft. Bei Typ-1-Diabetikern, die häufig unbemerkte Hypos haben, schaltet es schneller in den Krisenmodus als bei anderen – all das hat man herausgefunden, indem man Studienteilnehmer mit einer Hypo ins MRT geschoben hat. Doch das waren nicht meine einzigen Erkenntnisse zum Thema Hypos beim diesjährigen EASD-Kongress

Ich persönlich spüre leichte Hyposymptome bereits, wenn mein Blutzucker auf 70 bis 80 mg/dl absackt. Bei einem Wert von 60 mg/dl bin ich schweißgebadet und muss mich erst einmal hinsetzen (und natürlich auch etwas essen!). Daher staune ich immer wieder, wenn ich von anderen Typ-1-Diabetikern höre, dass ihnen erst bei einem Blutzuckerwert von 35 mg/dl ein bisschen flau in der Magengegend wird. Etwa 25 Prozent aller Typ-1-Diabetiker haben eine solche gestörte Hypowahrnehmung, wie ich beim diesjährigen Kongress der Europäischen Diabetesgesellschaft (EASD) Mitte September 2016 in München lernen durfte. Weiterlesen


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Damals beim EASD-Kongress in Barcelona 2013: Und neben mir sitzt auf einmal mein Diadoc…

Facebook hat mich vor ein paar Tagen an eine lustige Begebenheit erinnert, die ich seinerzeit auf Facebook gepostet, aber noch nicht auf meinem Blog zum Besten gegeben hatte, weil es mein Blog zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab. Hier also eine der Lieblings-Anekdoten aus meiner bisherigen Diabeteskarriere!

Vor drei Jahren war ich zum ersten Mal beim Jahreskongress der European Association for the Study of Diabetes, kurz EASD, der jedes Jahr in einer anderen europäischen Metropole stattfindet. 2013 war es Barcelona, und ich hatte den Auftrag, für die Medical Tribune über den Kongress zu berichten. Ich verbrachte eine knappe Woche in dieser wunderschönen katalanischen Stadt: Ich fuhr jeden Tag mit der U-Bahn zur Messe, machte in den wissenschaftlichen Sitzungen Notizen und fotografierte Vortragsfolien, schrieb erste Texte im Pressezentrum oder in meinem Hotelzimmer, traf mich abends mit anderen Journalisten oder Bloggern zu Events – und hatte eine richtig gute Zeit. Weiterlesen


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Liebe Grüße vom EASD-Kongress in München!

Die Abkürzung EASD steht für „European Association for the Study of Diabetes“. Einmal jährlich veranstaltet diese Fachgesellschaft einen großen Kongress, der von Diabetologen, Fachpersonal (und natürlich auch Medizinjournalisten) aus der ganzen Welt besucht wird. Just in diesen Tagen findet der EASD-Kongress 2016 in München statt. Ich habe den Kongressbesuch mit einem weiteren Interview für mein Buch verknüpft.

Montagfrüh tingelte ich deshalb mit der Bahn von Elmshorn nach Nürnberg, um in einem kleinen Ort in der fränkischen Provinz eine Familie zu interviewen, die mir von ihrem (überwiegend sehr gelassenen) Umgang mit dem Typ-1-Diabetes ihres jüngsten Sohnes berichtete. Es ist sehr schön, neben etlichen tragischen Geschichten oder auch Schicksalen, die einfach wütend machen, auch solche positiven Fallbeispiele zu erleben. Weiterlesen


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Je weniger Bildung und Wohlstand, desto Diabetes?!

Man sollte ja meinen, dass in unserer modernen westlichen Zivilisation alle Menschen den gleichen Zugang zu Gesundheitsversorgung haben und dass Bildung und Sozialstatus keine Rolle dabei spielen, ob jemand Diabetes bekommt und wie dieser Diabetes dann behandelt wird. Bei der DDG-Jahrestagung musste ich leider feststellen: Fehlanzeige! Und zwar sowohl im sozialen Schweden als auch bei uns in Deutschland.

„Egal, was Sie bislang über Chancengleichheit in Schweden gehört haben – in Bezug auf den Diabetes stimmt es einfach nicht.“ Mit diesen Worten eröffnete Prof. Sofia Gudbjörnsdottir von der Universität Göteborg eine Sitzung bei der DDG-Jahrestagung am 6. Mai 2016 in Berlin. Dazu muss man wissen, dass Daten aus Schweden in der Versorgungsforschung hohes Ansehen genießen, denn dort gibt es nationale Register, in welche die Gesundheitsdaten ausnahmslos aller Patienten einfließen. Wenn eine schwedische Versorgungsforscherin also radikal aufräumt mit sozialromantischer Bullerbü-Idylle, dann ist vermutlich etwas dran. Weiterlesen


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Datenmanagement ist halt noch mehr als Datensammeln

Die schönste Sammlung von Blutzuckerwerten hilft nichts, wenn damit keine Ereignisse verknüpft werden – und wenn man sie nicht auswertet, um sich beim Essen und Spritzen daran zu orientieren. Doch gewissenhaftes Datenmanagement kann auch stressen…

Als Diabetologe hat man es auch nicht immer leicht. Diesen Eindruck konnte ich zumindest bei der Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) Anfang Mai 2016 in Berlin gewinnen, als Dr. Stefan Gölz aus Esslingen und Dr. Hansjörg Mühlen aus Duisburg bei einem Symposium der Firma Roche Diagnostics über den Datenwust berichteten, der ihnen von manchen Patienten in die Sprechstunde geschleppt wird. Da gibt es anscheinend Tischler, die alle gemessenen Blutzuckerwerte feinsäuberlich auf Millimeterpapier (was man halt in einer Tischlerwerkstatt so an Papier findet) notieren. Allerdings ohne dazu das Datum, die Uhrzeit, die Kohlenhydratmenge der Mahlzeit und die dazugehörige Insulindosis zu notieren. „Das hat den gleichen Aussagewert, als würde mir jemand die Fußballergebnisse vorlesen, ohne dazu zu sagen, um welche Begegnung es sich gehandelt hat“, seufzte Dr. Gölz. Weiterlesen


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Mit Diabetes auf der Flucht und in einem fremden Land leben

Die Flüchtlingskrise hat dazu geführt, dass sich auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft neuerdings für das Thema Migration interessiert. Dabei gibt es nicht nur unter den neuen Einwanderern viele Menschen mit Diabetes, sondern auch unter denjenigen Migranten, die schon seit Generationen bei uns leben.

Ich bin Medizinjournalistin, Typ-1-Diabetikerin und aktives Mitglied des Willkommensteams für Flüchtlinge in meiner Heimatstadt Elmshorn. Da liegt es nahe, sich einmal mit der Frage zu beschäftigen, wie eigentlich Menschen mit Diabetes klarkommen, die aus ihrer Heimat flüchten und auf dem Weg hierher und auch hier in Deutschland ihren Diabetes irgendwie managen müssen. Glücklicherweise musste ich überhaupt nicht lange suchen, um einen Flüchtling zu finden, den ich interviewen und portraitieren konnte. Mein Diabetologe erzählte mir von einem jungen Mann aus Syrien, der als Typ-1-Diabetiker in seiner Praxis gerade komplett neu eingestellt wurde. Weiterlesen


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#DBW2015: Blick in die Zukunft – Auf dem Weg zur Heilung des Diabetes bis 2025?


diabetes-blog-woche

Nein, an eine Heilung des Typ-1-Diabetes bis 2025 glaube ich nicht. Ganz sicher aber an Innovationen, die uns Diabetikern das Leben erleichtern, so dass wir durch unsere Stoffwechselstörung im Alltag noch weniger beeinträchtigt werden. Mein heutiger Beitrag zur Diabetes Blog Woche #DBW2015.

„Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“, dieses Zitat von Karl Valentin (oder auch Mark Twain, da sind sich die Experten nicht einig) kennt wohl jeder, der ein paar Freunde bei Facebook hat, die gern Bildchen mit bedeutungsschwangeren Sinnsprüchen posten. Aber es stimmt: Schließlich bin ich bis heute beim Laufen noch nie von einem Youngster auf dem Hoverboard überholt worden, das in den 1980er Jahren mal vorhergesagt worden war… Was also sagt der Blick in die Zukunft für uns Diabetiker? Weiterlesen


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Insulinbedarf: Meine Basaldosis läuft jetzt wieder auf Winterzeit

Liegt es etwa an der Lichtzufuhr, dass ich meine tägliche Basaldosis deutlich erhöhen muss, wenn die Tage wieder kürzer werden?

Wenn der Sommer vorbei ist und man so langsam dran denken muss, bei seinem Auto die Winterreifen aufziehen zu lassen, dann meldet sich bei mir mit schöner Regelmäßigkeit mein Blutzucker und verlangt nach Veränderungen. Mit dem Blutzucker ist ja leider so wie mit einem Säugling: Er kennt keine anderen Ausdrucksformen als zu schreien – und als Wirt des lästigen diabetischen Plagegeists steht mir dann eine ähnlich investigative Spurensuche bevor wie der Mutter eines Neugeborenen, die an ihrem schreienden Baby verzweifelt: Windel voll? Hunger? Durst? Langeweile? Blähungen? Für und Diabetiker heißt das übersetzt in etwa: Basalrate im Lot? KE-Faktor korrekt? Spritz-Ess-Abstand korrekt? Mahlzeit falsch eingeschätzt? Bewegung einkalkuliert? Infekt im Anmarsch? Gefühlschaos oder Stress? Schließlich können sich all diese Dinge mehr oder weniger drastisch auf unseren Blutzucker auswirken. Weiterlesen


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Pille statt Sport? Das ist auch in Zukunft keine Option – zum Glück!

Es gibt ja kaum etwas, das nicht von Wissenschaftlern erforscht wird. Also dürfte ich mich eigentlich nicht wundern, dass im Labor an Medikamenten getüftelt wird, die sportliche Aktivität überflüssig machen. Dass diese Forschung bislang nicht erfolgreich war, finde ich allerdings eher beruhigend.

Sport kräftigt die Muskeln, kurbelt den Stoffwechsel an, verbessert die Blutzuckereinstellung, senkt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Wir wissen das alles natürlich. Insbesondere als Diabetiker – ob nun Typ 1 oder 2 – kann man sich gutgemeinten sportlichen Ratschlägen ja kaum entziehen. Und Hand auf’s Herz: Den meisten von uns ist der Zusammenhang zwischen Bewegung und schöneren Blutzuckerverläufen doch auch längst aufgefallen. Wenn da nicht der elendige Schweinehund wäre, der einem manchmal jeglichen sportlichen Antrieb raubt. Einen hypnotisiert und umschmeichelt, bis man auf der Couch hängenbleibt anstatt draußen in der Natur zu joggen. Zumindest bei mir ist in der Regel der Schweinehund verantwortlich, wenn ich mein Sportprogramm einmal sausen lasse. Weiterlesen


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T1Day: Warum habe ich Diabetes? Und ist vielleicht doch bald Heilung in Sicht?

Kein Fingerstechen, keine Insulinspritzen mehr, kein mühsames Berechnen von Kohlenhydraten und Insulineinheiten, keine Geräte am Körper oder in der Handtasche, die uns beim Simulieren dessen helfen, was der Körper eigentlich allein können sollte… Dürfen wir irgendwann auf eine Heilung vom Typ-1-Diabetes hoffen?

Als ich Ende März 2010 – kurz nach meinem 40. Geburtstag – die Diagnose Typ-1-Diabetes erhielt, war mein erster (zugegebenermaßen ziemlich absurder) Gedanke: „Ich SCHREIBE über so etwas, ich HABE so etwas doch nicht! Warum ich?“ Doch leider sind auch Medizinjournalisten ebenso wenig wie andere Menschen immun gegen gesundheitliche Schicksalsschläge, gegen unerklärliche Launen der Natur wie das Entstehen eines Typ-1-Diabetes. Es gibt zwar immer wieder Theorien und Forschungsansätze zu der Frage, was diese Stoffwechselerkrankung auslöst oder begünstigt. Doch auch ein Experte wie der Privatdozent Dr. Klemens Raile, der an der Berliner Charité in der Kinder- und Jugenddiabetologie forscht, hat auf diese Frage bislang keine klare Antwort. Umweltfaktoren? Möglich, aber nicht belegt. Als Baby zu kurz oder gar nicht gestillt und zu früh mit Kuhmilch ernährt worden? Könnte sein – doch die Bedeutung dieses Faktors scheint zu gering zu sein, als dass man deswegen Heerscharen frischgebackener Mütter verrückt machen sollte, die vielleicht gute Gründe haben, warum sie nicht stillen können oder wollen. Weiterlesen