Nach meiner tollen Gruppenreise nach Samos 2022 hat mich auch dieses Jahr die Yoga- und Wanderlust gepackt. Dieses Mal ging es auf den ersten ‚Finger‘ der griechischen Halbinseln Chalkidiki. Großartige Natur, wunderschöne Wanderstrecken, ruhige Entspannungseinheiten mit Meerblick… einfach nur klasse. Aber anders als im Vorjahr benahm sich mein Diabetes leider ziemlich daneben. Und nach dem Besuch einer Schwefeltherme musste ich erstmal um meinen Sensor bangen.
Es war nun schon das zweite Mal, dass ich mich mit Frosch Sportreisen allein auf eine Gruppenreise getraut habe. Premiere war 2022 auf Samos, worüber ich hier ausführlich geschrieben habe. Dieses Jahr habe ich mich um beinahe exakt dieselbe Zeit erneut mit lauter fremden Leuten nach Griechenland aufgemacht. Nicht nach Samos, sondern nach Possidi auf dem ersten ‚Finger‘ der drei griechischen Halbinseln Chalkidiki. Und genau genommen auch nicht mit lauter fremden Leuten, denn drei der 15 Frauen unserer Reisegruppe kannte ich bereits aus dem letzten Jahr.
Nun habe ich echt ein schlechtes Gewissen gegenüber all denjenigen von euch, die mir seit meinem letzten Blogbeitrag die Daumen gedrückt und noch nicht auf Instagram mitbekommen haben, dass der Termin beim Nephrologen ganz prima verlaufen ist. Aber besser spät als nie: „Ich kann Ihnen hier keine Krankheit anhängen“, war sein Kommentar zu den Laborergebnissen und der Auswertung der 24-Stunden-Blutdruckmessung.
Als ich mich am 21. März auf’s Fahrrad schwang und zur nephrologischen Praxis radelte, war ich noch relativ ruhig und zuversichtlich. Denn immerhin wusste ich, dass ich in den zurückliegenden sechs Wochen wirklich konsequent alle Strippen gezogen hatte, die man in Sachen ‚gesundheitsförderlicher Lebensstil‘ halt ziehen kann. Ich hatte komplett auf Alkohol verzichtet (wobei ich auch sonst kein allzu schlimmer Schluckspecht bin), keine Süßigkeiten gegessen (Ausnahme: Kuchen am Wochenende), wieder akribisch Kalorien gezählt wie schon 2018, als ich so erfolgreich abgenommen hatte und mein Sportpensum erhöht. Und ich war zumindest überzeugt, dass sich mein Blutdruck und meine Nierenwerte erkennbar würden verbessert haben.
Anfang Oktober 2022 hatte ich euch hier gebeten, an einer Umfrage teilzunehmen. Prof. Matthias Fank von der TH Köln, der selbst auch mit Typ-1-Diabetes lebt, wollte Details über das Informationsverhalten von Menschen mit Typ-1-Diabetes herausfinden. Sprich: Wonach entscheidet unsereins über den nächsten Schachzug – z. B., wieviel Insulin zu spritzen ist, wie lang der Spritz-Ess-Abstand ausfallen soll oder wie viele Sport-KE vor dem Training nötig sind?
Matthias hat mit seiner Studie einen großartigen Rücklauf von über 1.000 ausgefüllten Fragebogen erzielt. Danke auch an dieser Stelle also an alle die mitgemacht und damit zu neuen Erkenntnissen beigetragen haben! Nun sind die Ergebnisse ausgewertet, ordentlich aufgeschrieben und veröffentlicht. Und ich finde, dass die Studie eine ganze Reihe von Fragen behandelt, die bislang in dieser Ausführlichkeit noch nicht untersucht wurden.
Am vergangenen Dienstag wurde Ulrike Thurm, die Vorsitzende der IDAA, mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland – besser bekannt als ‚Bundesverdienstkreuz‘ – ausgezeichnet. Und zwar dafür, dass sie sich seit Jahrzehnten dafür stark macht, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes nicht aus Spitzen-, Leistungs- und Freizeitsport ausgeschlossen werden, sondern die erforderliche Unterstützung erhalten.
Meine eigene Typ-1-Diagnose liegt ja noch nicht soooo lange zurück. Als ich 2010 unfreiwilliges Mitglied im Club der Bauchspeicheldrüsengeschädigten wurde, war die Diabetologie schon auf einem ziemlich modernen Stand. Mir trichterte zum Beispiel niemand ein, dass ich zu ganz bestimmten Tageszeiten ganz bestimmte Mengen Kohlenhydrate zu mir nehmen und dafür von meinem Behandlungsteam festgelegte Mengen Insulin spritzen muss. Ich hatte von Anfang an Zugang zu modernen Blutzuckermessgeräten, wenige Jahre später auch zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM). Wenn Leute, die schon viele Jahrzehnte mit Typ-1-Diabetes leben, von den Therapiemöglichkeiten ihrer Anfangszeit erzählen (Glasspritzen und dicke Nadeln, die ausgekocht werden mussten oder Becher mit Sammelurin, die für die wöchentliche Urinzuckermessung auf der Fensterbank herumstanden…), dann überkommt mich immer ein eigenartiger wohliger Schauer: Wie gut, dass ich mich im Hier und Jetzt nicht mit so etwas herumschlagen muss! Und ganz ähnlich geht es mir mit Erzählungen aus der Zeit, in der Menschen mit Typ-1-Diabetes klipp und klar gesagt wurde, dass sie Leistungssport – ach was, eigentlich jede Art von ernstzunehmendem Sport – ganz einfach vergessen können, weil er mit der Stoffwechselerkrankung nicht zu vereinbaren ist. Das sind Storys aus einer Zeit, in der Ulrike Thurm noch nicht auf der Bildfläche erschienen war und die Diabetes- und Sportszene aufgemischt hat.
Kontinuierliche Glukosemessung (CGM) hilft Menschen mit Diabetes, Hypo- und Hyperglykämien zu vermeiden. Sie verbessert die Stoffwechsellage. Sie erleichtert insbesondere Kindern die Teilhabe an normalen Aktivitäten. Das ist alles durch Studien belegt. Doch ausgerechnet eine gesetzliche Krankenkasse, die ihren Versicherten trotz mangelnder wissenschaftlicher Belege auch die Kosten für Homöopathie erstattet, zieht den Nutzen von CGM-Systemen nun in Zweifel.
Als ich gestern eine aktuelle Pressemitteilung der Barmer zu ihrem aktuellen Hilfsmittelreport in die Finger bekam, traute ich meinen Augen nicht. Darin fordert die Krankenkasse, dass „wichtige Medizinprodukte einer frühen Nutzenbewertung ähnlich wie Arzneimittel unterzogen werden“. So weit erst einmal nachvollziehbar. Doch noch im selben Absatz wurde es schräg – vor allem was die Begründung für die nächste Forderung anging, die Beschlüsse zur Nutzenbewertung sollten regelmäßig aktualisiert werden. Denn die widerspricht ganz klar der Alltagserfahrung von Menschen, die ein CGM-System nutzen, um auf Basis der erhobenen Daten im Alltag ihren Diabetes zu behandeln. Also z. B. Leute wie mich, die folglich gerade drei Kreuze machen, dass sie nicht bei der Barmer versichert sind.
Vor 3 Tagen bin ich von einem wunderbar erholsamen Aktivurlaub zurückgekehrt. Ich berichte euch hier nun, wie sich mein Diabetes mit dem straffen Programm vertragen hat – und präsentiere euch meine schönsten Urlaubsfotos und weitere Eindrücke von der Gruppenreise.
Es ist nun schon wieder 6 Jahre her, dass ich hier über meine diabetischen Abenteuer bei einer sportlichen Gruppenreise ins Lauf-Bootcamp in Andalusien berichtet habe. Seither haben Christoph und ich ausschließlich Urlaube zu zweit (oder, hallo Corona, eben gar keine Urlaube) unternommen. Doch dann fand ich auf einmal eine Pressemitteilung des Anbieters Frosch Sportreisen* in meinem Maileingang, in dem für diverse Wander- und Yogareisen geworben wurde. Klang interessant… und nach ein paar Tagen Bedenkzeit schickte ich meine Buchung raus — für eine ebensolche Reise auf die griechische Insel Samos, dieses Mal ganz allein und ohne ehemännliche Begleitung.
Heute vor exakt zwölf Jahren habe ich die Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten. In den vergangenen Jahren habe ich zu diesem Anlass Blogbeiträge veröffentlicht, in denen ich von meiner Diagnose und der unmittelbaren Zeit danach erzählt habe. Oder in Zahlen dargestellt habe, was Diabetes für mich bedeutet. Oder euch das besondere Geschenk gezeigt habe, das ich mir 2021 zu meinem Diaversary bereitet habe.
Dieses Jahr verbringe ich den Jahrestag meiner Diagnose mit einem Virus, denn ich habe mich mit SARS-Cov-2 (Untergattung Omikron) infiziert. Statt Sektkorken lasse ich in diesem Jahr also den Schraubverschluss der Hustensaftflasche knallen. Und erzähle euch mal ein bisschen, wie es mir mit Corona so geht. Eins vorweg: Es ist – nicht zuletzt dank dreimaliger Impfung – ein milder Verlauf.
Aktuell hat man zwar den Eindruck, dass die Wissenschaft sich fast ausschließlich mit der Corona-Pandemie beschäftigt. Doch auch in der Diabetestherapie tut sich was. In diesem Jahr haben die europäischen und amerikanischen Diabetesgesellschaften ein Papier veröffentlicht, das den aktuellen Wissensstand rund um Diagnose und Therapie von Typ-1-Diabetes zusammenfasst. Interessant finde ich vor allem, dass der Report die Perspektive von Menschen mit Diabetes in den Mittelpunkt rückt und auch ihre psychosoziale Gesundheit im Blick hat.
Der Konsensus-Report wurde von 14 internationalen Fachleuten erarbeitet und im Rahmen der EASD-Jahrestagung vorgestellt. Ich habe die entsprechende Sitzung verfolgt und nutze meine freien Tage einfach mal dafür, nach der Diabetes Zeitung nun auch euch darüber zu berichten. Der Report wurde vor allem deshalb mit Spannung erwartet, weil die beiden großen Fachgesellschaften im Jahr 2019 bereits ein vielbeachtetes Konsensusdokument zum Thema Typ-2-Diabetes vorgestellt hatten. Nun liegt auch die finale Fassung eines entsprechenden Reports zum Typ-1-Diabetes vor.
Eine Operation wegen eines schnellenden Daumens ist zwar kein komplexer Eingriff und dauert nur ein paar Minuten. Aber weil mein Chirurg ihn lieber in einer kurzen Vollnarkose durchführen wollte, war ich doch ein wenig nervös, wie meine Glukosewerte darauf reagieren würden.
Gestern nun habe ich mich unters Messer gelegt – und kann nur 24 Stunden nach der OP ganz offensichtlich schon wieder tippen. Und auch mein Diabetes hat mir das kleine chirurgische Abenteuer nicht übelgenommen. Nun muss nur noch die Wunde schön verheilen, dann ist alles wieder paletti.
Im Garten zu buddeln und Unkraut auszureißen, kann die Glukosewerte ganz schön in den Keller schicken. So erging es mir vor einer Weile: Ich spürte die Anzeichen einer Unterzuckerung zwar, hatte aber keine Lust, sofort darauf zu reagieren. Ironischerweise stand kurz darauf ein Fachvortrag zum Thema Hypo-Wahrnehmung auf meiner Agenda, in dem u.a. darüber diskutiert wurde, warum Menschen mit Diabetes ihre Hypos gelegentlich ignorieren.
Das war wirklich eine denkwürdige Situation neulich. Ich hatte den Auftrag, über eine Reihe von Vorträgen bei der JA-PED zu berichten, wie die gemeinsame Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED) abgekürzt genannt wird. Es war Ende Juni 2021, wegen der Corona-Maßnahmen fand der Kongress für die Teilnehmenden ausschließlich digital statt. Ich musste also über viele Stunden nonstop vor dem Rechner hocken und virtuellen Sitzungen folgen. Kein Wunder also, dass es mich zwischendurch in den Füßen juckte und ich mich ein bisschen bewegen wollte. Also verzog ich mich zwischen zwei Sitzungen kurz in den Garten, um ein bisschen herumzubuddeln und Unkraut auszureißen.